
Die Ausstellung ist gut besucht, das Interesse groß – noch immer wissen die meisten Menschen nicht viel über die Krankheit Demenz.
Fotos: v. privat
Wörth – „Demenz bedeutet keinen Untergang des Abendlandes, kein Ende der Welt. An Demenz erkrankte Menschen haben Potenziale, haben Fähigkeiten, haben Hobbys, sind fröhlich, tanzen und singen gerne“ appellierte Jupp Arlt, Geschäftsführer der Landeszentrale für Gesundheitsförderung an die Besucher der Vernissage der Wanderausstellung „Demenz ist anders“ im Mehrgenerationenhaus.
Die Demenzkranken würden zwar kognitive und soziale Kompetenzen verlieren, aber die emotionalen würden steigen. So habe er eine ältere Dame im letzten Stadium erlebt, die Chopin-Stücke auf dem Klavier spielte, erzählte Arlt. Er verwies auf die Ausbildung rheinland-pfälzischer Polizisten, die im wertschätzenden Umgang mit Demenzkranken geschult werden. Ebenso laufe dazu in acht Krankenhäusern ein Modellprojekt.
„Diese Menschen brauchen ein „Auf – sie – Zugehen“. Sie sollten möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung leben. Auf die ausgestellten Bilder eingehend meinte er: „Das könnten unser Vater, unsere Mutter oder die nächste Generation – wir selbst – sein.“
Diese Bilder hat der Hamburger Fotografn Michael Hagedorn, der über mehrere Jahre hinweg Menschen mit Demenz in ihrem Alltag im Kreis ihrer Mitmenschen, bei kreativer Beschäftigung, bei fröhlichen Anlässen wie auch in Situationen der Ruhe und Zurückgezogenheit begleitete, gemacht. Durch seine Arbeit hat die Krankheit Demenz für ihn an Schrecken verloren.
Diese Erfahrung möchte er über seine Fotografien in einfühlsamer Weise weitergeben. Seine Porträts strahlen Fröhlichkeit, Gelassenheit, Zufriedenheit aus. Sie sollen auch die Angst und Vorurteile gegenüber dieser Krankheit abbauen. Sie sollen Hoffnung machen, den betroffenen Menschen durch einen neuen unverstellten Blick ihre praktisch aberkannte Würde zurück zu geben.
„Die Bilder sind ungeheuer beeindruckend“ meinte auch die Beigeordnete Ursula Radwan in ihrem Grußwort für die Stadt Wörth. „Das könnte/n ich/wir sein.“ Sie sprach dem Mehrgenerationenhaus ihren Dank aus, dass hier ein Miteinander gepflegt werde – „das Größte, was es gibt.“
Ortsvorsteher Roland Heilmann ging auf seine vielfachen Besuche bei älteren Bürgern ein, wo eine zunehmende Demenz festzustellen sei, die jeden treffen könne. „Wir müssen uns damit auseinandersetzen.“
Die Leiterin des Mehrgenerationenhauses Silvia Kempf-Diehl hatte sich bewusst für die Präsentation der Ausstellung entschieden, um das Thema aus der„Tabu-Zone“ herauszuführen. „Demenz gehört zu uns. Wir müssen die Menschen dafür sensibilisieren.“
Sie hatte sich vor etwa 18 Monaten auf eine Ausschreibung des Bundesfamilienministeriums „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ beworben und war als eines der 23 oder 24 Mehrgenerationenhäuser in Deutschland ausgewählt worden – wie sie bei der Begrüßung erwähnte.
Sie hatte auch die Sopranistin Bettina Kehrt aus Karlsruhe eingeladen, die mit je einem Gesangsstück elanvoll die Vernissage eröffnete und später abschloss. Musik eigne sich auch sehr gut für Demenzkranke, da sie diese auf emotionale Weise bestens erreiche.
Die Wanderausstellung ist für den Kreis Germersheim nur in Wörth im Mehrgenerationenhaus zu sehen und dauert bis zum 20.Dezember. Die Bilder sind im ganzen Haus verteilt. (lumi)

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