Dienstag, 13. April 2021

Vor endgültigem Abriss: Kunst und kreative Ideen in den Kaufhof-Schaufenstern

21. März 2021 | Kategorie: Allgemein, Kultur, Landau, Regional

Gelungene Sache: Volkhard Münch vor seinem Monitor-Fenster.
Foto: Rolf H. Epple

Landau. Der Landauer Kaufhof wird bald Geschichte sein – im Mai soll der Abriss erfolgen.

In den Kaufhof-Farben grün-weiß, gegenüber dem Landauer Hauptbahnhof, prägt das Gebäude seit 1964 das Landauer Stadtbild mit. Natürlich schmerzte es die Belegschaft, das Ende des Kaufhofs erleben zu müssen und auch viele Landauer vermissen es, dort nicht mehr einkaufen gehen zu können.

Der Kaufhof hat zwar seine Pforten am 14. Oktober 2020 geschlossen, trotzdem gab es schon einige Male und gibt es auch aktuell viel zu sehen in seinen Schaufensterfronten. Und da kommt Volkhard Münch ins Spiel.

Volkhard Münch: Mehr als ein Hausmeister

Vor zwölf Jahren hat er den Posten als Hausmeister des Gebäudes übernommen. Den Abschied sieht er mit einem „lachenden und weinenden Auge“. „Ich dachte, die vier Jahre bis zu meiner Rente könnte ich noch im Kaufhof in meiner Position arbeiten“, berichtet er dem Pfalz-Express.

Der gelernte Einzelhandelskaufmann ist in vielen Bereichen erfahren. Aufgaben als Filial-und Abteilungsleiter bei Wal-Mart und natürlich in der Warenannahme und als Hausmeister bei Kaufhof erforderten Einsatz und Kreativität.

Im Kaufhof habe immer ein gutes Miteinander geherrscht, berichtet Münch. Doch mit der Karstadtfusion sei ein Personalabbau einhergegangen – es habe sich vieles geändert. Und nun das Aus für den Landauer Kaufhof. „Es tut mir leid, dass es so gekommen ist – es war ein gutes Haus“, so Münch.

Münch, den man getrost als „Macher“ bezeichnen kann, fühlte sich noch nicht bereit für die Rente und so kam das Angebot des neuen Eigentümers Ehret und Klein gerade richtig. „Ich bin nun als Objektverwalter für das zukünftige Gebäude eingestellt und sehr froh darüber“. Er sei schon sehr gespannt, wie dann das neue Gebäude, das bis zum großen Stadtjubiläum fertig gestellt sein soll, das Stadtbild prägen werde.

In der Zwischenzeit will man dem alten Kaufhofgebäude noch die Ehre erweisen. Dazu eignet sich natürlich bestens die große Schaufensterfront. Und die hat Volkhard Münch aktuell zum Teil mit alten Kaufhofplänen und Material aus der Dekoabteilung zum interessanten Ingenieurbüro und Monitor-Fenster umgestaltet.

Alle Galeriebilder: Rolf H. Epple

Münch wiederum kam durch Helen Roth mit der Fotografin Eva Korn und der Malerin Julia Matterne in Kontakt. Begeistert vom künstlerischen Einsatz der beiden Landauerinnen bot Volkhard Münch die Schaufenster als Ausstellungsfläche an.

Die beiden Frauen waren begeistert von der Idee, sich künstlerisch in den Kaufhof-Schaufenstern ausdrücken zu können.

Die beiden Künstlerinnen Eva Korn und Julia Matterne freuen sich über die Gelegenheit, sich künstlerisch präsentieren zu können.
Foto: Rolf H. Epple

Zwei Künstlerinnen – zwei Ausdrucksweisen

Zwei Künstlerinnen, zwei künstlerische Ausdrucksweisen, ein Thema: In ihrer Ausstellung „Frauenfenster“ zeigen Julia Matterne und Eva Korn ihre Sicht auf den weiblichen Körper. Das Highlight des Ausstellungsaufbaus am 15. März war die Live-Painting-Aktion beider Künstlerinnen. Das Ergebnis wird in den kommenden Wochen zu jeder Zeit in den Schaufenstern des alten Kaufhofgebäudes zu sehen sein.

Anreiz für die gemeinsame Ausstellung war eine vorausgegangene Kunstaktion beider Künstlerinnen in den verlassenen Räumlichkeiten des einst belebten Kaufhauses. Grund dafür war Korns Suche nach eben solchen verlassenen Räumlichkeiten mit viel Charakter und einem letzten Hauch Leben, den die Menschen dort hinterlassen. Korn und Matterne nutzten gemeinsam als Fotografin und Modell die scheinbar endlosen Möglichkeiten des Hauses, um wieder gemeinsam Kunst zu erleben.

Frau darf ganz sie selbst sein

Die Frau darf sich in der Kunst beider ganz um ihrer selbst Willen zeigen und nicht, um zu gefallen. Body Positivity ist für beide ein Muss in ihren weiblichen Aktdarstellungen.

Julia Matterne und Eva Korn lernten sich 2014 im Studium kennen und teilten sich seit des Umzugs 2017 des Instituts für Kunstwissenschaft und Bildende Kunst der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau in der sogenannten Reithalle einen Atelierplatz. Gemeinsam Kunst schaffen ist für die beiden Künstlerinnen ein wichtiges Element in ihrem Alltag. Durch die Pandemie kam leider auch das Kreativsein in Gesellschaft an seine Grenzen.

Julia Matterne nutzte die Zeit des vergangenen Jahres, um sich intensiv neuen experimentellen Techniken zuzuwenden. Zustande kamen neben den klassischen Techniken der Malerei, Zeichnung und Druckgrafik auch Mixed Media Collagen und gestickte Kunstwerke, welche sie auf ihrem Instagramaccount @jules.tut zeigt. Immer im Zentrum der Werke steht die Rolle der Frau in der heutigen Gesellschaft.

Matterne äußert dabei ihren Wunsch nach Gleichberechtigung aller Geschlechter. Ihre zum Teil überlebensgroßen Arbeiten kann man nun in der Schaufensterausstellung erleben.
Auch Eva Korn nutzte die Zeit der Pandemie, um ihre Kunst neu zu entdecken und sich für neue Techniken zu öffnen.

Dabei pflanzt die Künstlerin ein Bild einer Frau in ihr alltägliches Umfeld und beginnt 2020 verlassene Orte mit ihren Modellen aufzusuchen. Um sich von gängigen Darstellungsweisen des weiblichen Akts in der Kunst weg zu bewegen, erkundet sie experimentelle fotografische Techniken und lässt die Frauen ungewöhnliche Posen einnehmen. Auch sie nimmt ihre Follower bei Instagram auf@evakornphoto mit auf ihre künstlerische Reise.

Matterne und Korn zeigen ihre Kunstwerke in ihrer Ausstellung nicht etwa voneinander abgetrennt,
sondern als gemeinsame Einheit. „Frauen müssen sich gegenseitig stärken und dabei ist es zunächst egal, ob man unsere Kunstwerke genau abgrenzen kann. Das Gesamtbild muss schlüssig sein und eindeutig aussagen: Wir stehen für die Powerfrauen da draußen ein!“, sagen die beiden Künstlerinnen zum Aufbau der Ausstellung.

Alle gezeigten Werke können bei den Künstlerinnen selbst käuflich erworben werden. Alle Kontaktinfos zu Eva Korn und Julia Matterne können über www.evakornphoto.de erfragt werden. (desa/red)

Galeriebilder: Rolf H. Epple

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