Rheinzabern/Mont (Burgund) – Vom Signal de Mont (469 m), einem wunderbaren Aussichtsberg im Südwesten Burgunds, streift das Auge des Betrachters über eine liebliche Hügellandschaft mit glitzernden Teichen, gewundenen Bächen, grünen Weiden und idyllischen Dörfern mit uralten romanischen Kirchtürmen.
Mit Mont und vier weiteren ländlichen Gemeinden in Nähe der Loire, Chalmoux, Cronat, Saint-Aubin-sur-Loire und Vitry-sur-Loire, pflegt Rheinzabern seit 10 Jahren eine offizielle Partnerschaft, die aktiv gelebt wird. Am 6. und 7. Juni erneuerte man in Mont die Jumelage.
Zwar sind die Besuche stets ungezwungen, herzlich, musikalisch, teils bacchantisch und lukullisch geprägt. Aber: Auch 70 Jahre nach Kriegsende bedeuten solche Fahrten keine sorglose Tourismusveranstaltung, denn selbst im ländlichen Burgund, weit entfernt von der Hauptstadt Paris, ist die Geschichte allgegenwärtig.
Gedenktage, Jahreszahlen, Inschriften, Denkmäler, bauliche Überreste u.a.m. erinnern an eine dunkle Zeit, als noch von „Erbfeinden“ gesprochen wurde. Man muss nur die Augen öffnen.
Der Belvedere auf dem Signal de Mont steht neben Überresten von deutschen Stellungen des II. Weltkriegs. Im nahen Morvan-Gebirge war damals ein Zentrum des Widerstandes. Ein Denkmal an der Haarnadelkurve zwischen Saint-Aubin-sur-Loire und Chalmoux erinnert an Opfer der Resistance. Bei Genelard, etwa 20 Kilometer südöstlich, dokumentiert eine Gedenkstätte das Leben an der einstigen Demarkationslinie zwischen dem besetzten Frankreich und Vichy-Frankreich.
„Während wir uns zuprosteten“, berichtet Bürgermeister Gerhard Beil, „ war wenige Kilometer davon entfernt, in Montceau-les-Mines, die Preisverleihung für einen landesweiten Schülerwettbewerb, den der Präsident alljährlich am 27. Januar feierlich auslobt, um die Erinnerung an Krieg, Gewalt und Deportation wach zu halten. Ganz zu schweigen vom 10. Juni, der für Frankreich das Massaker in Oradour-sur-Glane im Jahre 1944 markiert. Geschichte ist allgegenwärtig – und soll es auch bleiben. Niemals darf uns unsere Geschichte gleichgültig sein.“
Für alle Redner der Jubiläumsfeier unter der Dorflinde von Mont war es deshalb nicht einfach, einerseits die heutige Normalität zu würdigen und andererseits das Geschehene nicht zu vergessen. Zwischen den verschiedenen Ansprachen der Maires und Partnerschaftsvereinspräsidenten fand die Rede des Ortsbürgermeisters große Aufmerksamkeit, weshalb sie hier abgedruckt werden soll. Dass er dabei die Sprache der Gastgeber benutzte, wurde als besondere Geste verstanden.
Rede von Gerhard Beil:
„Zum heutigen Anlass überbringe ich Ihnen die herzlichen Grüße der Gemeinde Rheinzabern und danke für die Einladung. 10 Jahre Jumelage sind wie im Nu verflogen. Der Gründungsakt mit der feierlichen Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde durch die Bürgermeister von Chalmoux, Cronat, Mont, Saint-Aubin-sur-Loire, Vitry-sur-Loire und Rheinzabern – ich meine es wäre erst gestern gewesen.
Leicht ist es, einen Vertrag zu unterzeichnen. Diesen mit Leben zu füllen, ist hingegen mit Aufwand verbunden. Trotz der großen Entfernung von der Loire zum Rhein begegnen sich viele Personen unserer Partnergemeinden immer wieder. Ob Feste, Umzüge, Karneval oder turnusmäßige Besuche etc. – die Jumelage wird aktiv gelebt. Herzlichen Dank für die große Gastfreundschaft, die uns jedesmal zuteil wird.
Trotz jahrzehntelangen Friedens zwischen unseren Völkern ist der persönliche Kontakt unersetzbar. In einer Zeit der virtuellen Treffs im Internet ist die persönliche Begegnung wichtiger denn je. Dazu gibt es keine Alternative. Die „Großen der Politik“ treffen sich regelmäßig. Madame Merkel und Monsieur Holland sind schon fast politische Zwillinge.
Aber auch wir kleinen Leute an der Basis müssen unseren Beitrag leisten. Europa muss auch von Mensch zu Mensch gelebt werden, sonst verliert Europa seine Seele.
Unsere Geschichte der letzten 100 Jahre ist geprägt von Jahrestagen und Personen und Mahnmalen. Einen Mann will ich besonders erwähnen. Er hat in finsterer Zeit ein Licht gesetzt: Frère Roger Schutz wäre im Mai dieses Jahres 100 Jahre alt geworden.
Vom kleinen Dorf Taizé in Burgund sandte er seine Botschaft des Friedens aus. Die Jugend Europas trägt diese Flamme des Friedens über die Grenzen von Religionen und Nationen hinaus. Unserer Jugend gehört die Zukunft. Doch wir älteren müssen Vorbild sein und dürfen nicht nachlassen.
Ich wünsche, dass wir uns an den heutigen Tag noch lange gerne erinnern. Herzlichen Dank dem Comité de Jumelage und dem Partnerschaftsverein Rheinzabern für die Unterstützung.
Auf eine gute Zukunft für unsere Partnerschaft. Vielen Dank.“

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