Rheinzabern – Zumindest zwei Tage herrsche eitel Sonnenschein über Europa, als die Rheinzaberner mit ihren Gästen aus Burgund das zehnjährige Jubiläum ihrer „Jumelage“ (franz.: Partnerschaft) feierten. Internationale Flaggen zeigten, dass in der Fernbeziehung vom Erlenbach an die Loire nach wie vor ein frischer Wind weht.
Nach dem Freudenfeuer zum Auftakt konnte die im Jahre 2004 offiziell entzündete Flamme der Freundschaft kontinuierlich am Brennen gehalten werden. Auf Rheinzaberner Seite trägt dazu seit einigen Jahren auch der Partnerschaftsverein bei, so dass Gemeinde und Partnerschaftsverein gemeinsam das Jubiläumswochenende mit den Gästen aus Chalmoux, Cronat, Mont, Saint-Aubin-sur-Loire und Vitry-sur-Loire ausrichteten.
Chansons fürs Herz
Dem kulinarischen Diner de l’amitié im „Goldenen Lamm“ am Samstag Abend folgte als Bonbon ein Chanson-Konzert im Kleinen Kulturzentrum. Dabei erwies sich das Plätzchen an der Barocktreppe als stimmungsvolles Foyer, um sich mit einem Gläschen Sekt einzustimmen, sich in der Pause zu stärken und auch noch Aprés-Chanson zu feiern.
Dazu trug vor allem Elke Jäger bei, die – perfekt begleitet von Isabelle Heil am Klavier – den Saal mitriss. Augen, Ohren, Puls, Gefühl, Erinnerungen wurden in Emotionen versetzt – genau den Geist des Abends treffend. Elke Jäger verstand es geschickt, sich zu verwandeln, je nachdem, ob sie die Grande Dame, den Vamp, die Walküre oder den Spatz von Paris zum Besten gab.
Dabei ging die Künstlerin bis an die Grenzen ihrer Kraft, so dass sie sich auch nicht wunderte, dass ihr begeistertes Publikum mehrere Zugaben forderte und auch erhielt.
Ob Juliette Greco, Georges Moustaki, Charles Trenet, Gilbert Becaud und – natürlich – Edith Piaf, ob Marlene Dietrich oder gar die Walküre Zarah Leander – die Lieder sind in beiden Ländern Kulturgut und symbolisieren in ihrer Entstehung vielfältige gesellschaftliche und historische Facetten, wie sie zum Leben gehören, egal ob in Frankreich oder Deutschland.
Victor Hugo, Frankreichs berühmter Poet, fand dafür einmal folgende Worte: „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ So empfanden Viele an diesem Abend.
Offizieller Empfang
Sonntagmorgen gab es einen offiziellen Empfang, zu dem Vertreter aus Politik und Kulturgemeinschaft eingeladen waren. Berlin war durch die Bundestagsabgeordneten Dr. Thomas Gebhart und Thomas Hitschler vertreten. Natürlich gab es auch Ansprachen – nachdenklich, heiter, optimistisch und dankbar.
Enorm, was in den zehn Jahren an Begegnung stattfand, so dass ein ganzes Mosaik an Erlebnissen zusammen kam. Von der vhs-Studienreise über Begegnungsfahrten, Radtouren, Weinproben, Bauernhofbesichtigungen oder Picknick bis zu Wanderungen, Festumzügen, Fasenacht, Bischofsaudienzen, Weihnachtskonzerten oder Burgunder Spezialitätenpavillon am „Anneresl“-Markt.
Stellte Ortsbürgermeister Gerhard Beil das Jubiläum in einen Kontext europäischer Gedenkanlässe, zum Beispiel 1914 oder die Europawahlen, so betonte Landrat Dr. Fritz Brechtel die Basisarbeit zur Gestaltung des europäischen Gedankens.
Der Vorsitzende des Rheinzaberner Partnerschaftsvereins, Bernd Ohnemüller, hob die rührende Gastfreundschaft der Freunde aus Burgund hervor und erwähnte Highlights der Herzlichkeit wie Picknick am Signal de Mont, gemeinsame Liederabende, Streifzüge zum Speyerer Dom, an die Weinstraße oder eine Fahrt mit der Lusoria Rhenana.
Bernard Bidolet, Präsident des Comité de Jumelage bedankte sich bei den beiden Urhebern der Partnerschaft, Gerhard Beil und Henry Astier und schwärmte vom Ambiente Rheinzaberns und seinen liebenswürdigen Menschen. Ein Zusammenleben in Harmonie für unsere beiden Völker bedürfe ständiger Arbeit an der Basis.
Als einer der Unterzeichner des Partnerschaftsvertrags vom 3. Oktober 2004 hielt Bürgermeister Jean Delize aus Saint-Aubin-sur-Loire seine Grußansprache in liebenswürdigem Deutsch. Just vor wenigen Tagen war Jean Delize als Maire (Bürgermeister) wiedergewählt worden. Bürgermeister Uwe Schwind gratulierte im Namen der Verbandsgemeinde und zollte hohes Lob an die Akteure der Partnerschaft.
Urgestein Henry Astier
Schließlich Henry Astier, das Urgestein, der von siebenjähriger Vorbereitungszeit auf burgundischer Seite sprach. Dass ländliche Gemeinden einmal eine Partnerschaft würden eingehen können, war ihm ein ganz spezielles Herzensanliegen. Nicht zuletzt gab Henry Astier Einblick in biographische Besonderheiten, zählten doch Vater und Schwiegervater zu Mitgliedern der Resistance.
Nie aber hatte man die Deutschen pauschal verurteilt, sondern zwischen Menschen und Gewaltregime unterschieden. Seit den frühen 70-er Jahren engagierte sich Henry Astier für eine Jumelage. 2004 sollte sie offiziell besiegelt werden.
Ein guter Tag für Europa
Eingeleitet wurde die Feier von der Flötengruppe des MV Lyra. Mit beschwingten Weisen machten die Kinder deutlich: Ein guter Tag für Europa. Der Ortsbürgermeister bedankte sich bei den Rednern, insbesondere aber auch bei den Kindern, die ja unsere Zukunft sind und die deutsch-französische Freundschaft weiter leben müssen.
Jumelage geht durch den Magen
Was wäre eine deutsch-französische Begegnung ohne Essen? Zeigte am Vorabend Hermann Gilb seine Kochkunst und erklärte das Menü auf Französisch, so lag am Sonntag das Wohl der Gäste in der Pfanne von „Monsieur Escalope“ – dem Festhallenwirt Reiner Vongerichten.
Er hatte vor einigen Jahren ein Benefizkochen in Chalmoux veranstaltet, wo Bratwurst und Schnitzel (escalope) Trumpf waren und die Kehlen von Bellheimer Bier gespült wurden. Der gesamte Erlös ging an wohltätige Zwecke in Chalmoux. Nun verwöhnte der Festhallenwirt Zunge und Gaumen der französischen Gäste mit Markklößchensuppe, knackigem Salat, zarten Schnitzeln und Rinderbraten. Getoppt wurde das Ganze von einem süßen Dessert.
Mit dieser Unterlage konnten die Gäste getrost auf die 550 km lange Rückreise gehen, nicht ohne versprochen zu haben: „Á bientôt – bis bald!“ (Gerhard Beil/red)

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