Berlin – Der scheidende Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, hat ein ernüchterndes Fazit zur Entwicklung des Antisemitismus in Deutschland gezogen.
Gegenüber „Bild“ sagte Graumann: „Ich stelle seit einiger Zeit fest, dass Antisemitismus wieder offener ausgelebt und weniger verborgen wird. Wir bekommen häufiger als früher offen antisemitische Zuschriften mit Namen und Anschrift. Es ist für manche Menschen kein Tabu mehr, ihre Judenfeindschaft auszuleben und zu zeigen.“
Als mögliche Erklärung nannte Graumann das Verblassen der Erinnerung an den Holocaust: „Auschwitz liegt weiter zurück. Der Schock über die Verbrechen der Nazis sitzt bei einigen offenbar nicht mehr so tief.“
Besonders erschüttert zeigte sich Graumann über antisemitische Ausschreitungen während des Gaza-Konflikts im zurückliegenden Sommer: „Wir haben in diesem Sommer während des Gaza-Krieges Demonstrationen gesehen, wo der pure, primitive Judenhass sich Bahn gebrochen hat. Es fällt mir sehr schwer, darüber zu reden, aber: Wenn auf deutschen Straßen gerufen wird, `Juden ins Gas`, dann trifft uns das ganz tief.“ (dts Nachrichtenagentur)

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Aus meiner Sicht sind viele neue, eingewanderte Antisemiten um einiges erfolgreicher als die früheren Generationen, da sie von Medien, Politikern und vielen Bürgern nicht als rechtsradikal erkannt und benannt werden. Wenn ich „Juden ins Gas“ rufen würde, werde ich berechtigterweise verhaftet oder angezeigt, wenigstens gesellschaftlich geächtet. Wenn ein zugewanderter Rechtsradikaler dasselbe ruft, erhält er oft sogar Zuspruch, teilweise sogar erst recht von linker Seite. Wenn ich an einen Zugewanderten und einen Einheimischen unterschiedliche Ansprüche stelle, was ich als rassistisch einstufe und was nicht, ist das auch eine Form von Rassismus, zumindest betrachte ich es als „nicht hilfreich“ für eine Integration und ein Zusammenleben.