Sonntag, 26. Mai 2024

„Denkmal der Schande“: Zentralrat der Juden entsetzt über Höcke-Äußerungen

18. Januar 2017 | Kategorie: Allgemein, Nachrichten, Politik
Björn Höcke, AfD. Foto: dts Nachrichtenagentur

Björn Höcke, AfD.
Foto: dts Nachrichtenagentur

Berlin  – Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat Aussagen von Björn Höcke (AfD) kritisiert, die dieser am Dienstagabend in Dresden getätigt hatte.

Höcke hatte in seiner Rede unter anderem das Holocaust-Mahnmal in Berlin als ein „Denkmal der Schande im Herzen der Hauptstadt“ bezeichnet.

„Das Berliner Holocaust-Denkmal als `Denkmal der Schande` zu bezeichnen, wie es Björn Höcke getan hat, ist zutiefst empörend und völlig inakzeptabel. Damit tritt Björn Höcke das Andenken an die sechs Millionen ermordeten Juden mit Füßen und relativiert das schwerste und in diesem Ausmaß einzigartige Menschheitsverbrechen der Geschichte“, sagte Schuster der „Bild“.

Die AfD zeige mit diesen „antisemitischen und in höchstem Maße menschenfeindlichen Worten“ ihr wahres Gesicht. „Dass 70 Jahre nach der Schoah solche Aussagen eines Politikers in Deutschland möglich sind, hätte ich nicht zu glauben gewagt.“

Auch der ehemalige Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, zeigte sich entsetzt über die Äußerungen des Thüringer AfD-Vorsitzenden. Die Rede von Höcke sei „ungeheuerlich“, sagte er.

Es sei „eine schäbige Schande“, wenn eine solche Gesinnung „der giftigen Niedertracht von einem Politiker geäußert wird, dessen Partei schon jetzt in mehreren Landtagen sitzt und wahrscheinlich auch schon bald in den nächsten Bundestag einziehen wird“. (dts Nachrichtenagentur)

Holocaust-Mahnmal Berlin. Foto: Pfalz-Express

Holocaust-Mahnmal Berlin.
Foto: Pfalz-Express

Print Friendly, PDF & Email
Zur Startseite

Abonnieren Sie auch unseren Pfalz-Express-Kanal bei YouTube

Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

13 Kommentare auf "„Denkmal der Schande“: Zentralrat der Juden entsetzt über Höcke-Äußerungen"

  1. Alfred M. sagt:

    Herrlich wie sie rudern und versuchen die Rede von Björn Höcke zu verdrehen!
    Natürlich wird wieder ein Satz komplett aus dem Zusammenhang gerissen und die ganze Meute stürzt sich drauf!

    dazu Höcke:

    „Ich bin erstaunt über die Berichterstattung zu meiner Rede vom 17. Januar in Dresden. Angeblich soll ich dort das Holocaust-Gedenken der Deutschen kritisiert haben. Diese Auslegung ist eine bösartige und bewusst verleumdende Interpretation dessen, was ich tatsächlich gesagt habe. Wörtlich habe ich gesagt: ,Wir Deutschen sind das einzige Volk, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.‘

    Das heißt, ich habe den Holocaust, also den von Deutschen verübten Völkermord an den Juden, als Schande für unser Volk bezeichnet. Und ich habe gesagt, dass wir Deutsche diesem auch heute noch unfassbaren Verbrechen, also dieser Schuld und der damit verbundenen Schande mitten in Berlin, ein Denkmal gesetzt haben.

    Was ist daran falsch? Was ist an dieser Feststellung zu kritisieren? Gar nichts! Ich möchte in diesem Zusammenhang an die Rede Martin Walsers vom 11. Oktober 1998 anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche erinnern. Damals sagte Walser: ,In der Diskussion um das Holocaustdenkmal in Berlin kann die Nachwelt einmal nachlesen, was Leute anrichteten, die sich für das Gewissen von anderen verantwortlich fühlten. Die Betonierung des Zentrums der Hauptstadt mit einem fußballfeldgroßen Alptraum. Die Monumentalisierung der Schande.‘ Er sprach sogar von einer ,Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken‘. „

  2. Haardtriechel sagt:

    …..Höcke, bitte manchmal einfach die Fresse halten. Danke.

    • Johannes Zwerrfel sagt:

      Nein Haardrichel,

      wenn dann soll „LÜGENPRESSE halt die Fresse“ gelten!

      Wie immer wird systematisch der Sinn der Rede rumgedreht……

      ……………………………………………………………………………………………………….
      Björn Höcke:

      „Ich bin erstaunt über die Berichterstattung zu meiner Rede vom 17. Januar in Dresden. Angeblich soll ich dort das Holocaust-Gedenken der Deutschen kritisiert haben. Diese Auslegung ist eine bösartige und bewusst verleumdende Interpretation dessen, was ich tatsächlich gesagt habe. Wörtlich habe ich gesagt: ,Wir Deutschen sind das einzige Volk, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.‘

      Das heißt, ich habe den Holocaust, also den von Deutschen verübten Völkermord an den Juden, als Schande für unser Volk bezeichnet. Und ich habe gesagt, dass wir Deutsche diesem auch heute noch unfassbaren Verbrechen, also dieser Schuld und der damit verbundenen Schande mitten in Berlin, ein Denkmal gesetzt haben.

      Was ist daran falsch? Was ist an dieser Feststellung zu kritisieren? Gar nichts! Ich möchte in diesem Zusammenhang an die Rede Martin Walsers vom 11. Oktober 1998 anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche erinnern. Damals sagte Walser: ,In der Diskussion um das Holocaustdenkmal in Berlin kann die Nachwelt einmal nachlesen, was Leute anrichteten, die sich für das Gewissen von anderen verantwortlich fühlten. Die Betonierung des Zentrums der Hauptstadt mit einem fußballfeldgroßen Alptraum. Die Monumentalisierung der Schande.‘ Er sprach sogar von einer ,Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken‘.

      Unzweifelhaft haben wir mit dem Holocaust-Mahnmal in Berlin unserer Schande ein Denkmal gesetzt. Der Begriff ,Denkmal der Schande‘ stammt übrigens gar nicht von mir, sondern ist schon vor langer Zeit zumindest in den politischen Sprachgebrauch eingegangen. So heißt es etwa in einer Drucksache (14/3126) des Deutschen Bundestages: ,Denkmäler der Schande und der Trauer, des Stolzes und der Freude sind notwendige Grundsteine des neuen Deutschland und der neuen Bundeshauptstadt.‘

      In meiner Dresdner Rede ging es mir darum, zu hinterfragen, wie wir Deutschen auf unsere Geschichte zurückblicken und wie sie uns im 21. Jahrhundert identitätsstiftend sein kann. Zweifellos müssen wir uns in unserer Selbstvergewisserung der immensen Schuld bewusst sein. Sie ist ein Teil unserer Geschichte. Aber sie ist eben nur ein Teil unserer Geschichte. Auch darauf habe ich in meiner Dresdner Rede hingewiesen.

      Sogar der Architekt des Mahnmals, Peter Eisenman, ein Jude, wies 2005 auf die Problematik hin, die Schuld zum Kern nationalen Gedenkens zu erheben. In einem ,Spiegel‘-Interview sagte Eisenman: ,Natürlich nahm der Antisemitismus in Deutschland in den Dreißigern überhand, ein schrecklicher Moment in der Geschichte. Aber wie lange fühlt man sich schuldig?‘ Und weiter: ,Ich hoffe, dass dieses Mahnmal, mit seiner Abwesenheit von Schuldzuweisung, dazu beiträgt, über diese Schuld hinweg zu kommen. Man kann nicht mit Schuld leben. Wenn Deutschland das täte, müsste das ganze Volk zum Therapeuten gehen.‘
      ….
      http://afd-thueringen.de/2017/01/persoenliche-erklaerung-von-bjoern-hoecke-zu-seiner-dresdner-rede/

      • Haardtriechel sagt:

        …mag alles sein und ich habe grundsätzlich auch keine Lust, meinen Kindern noch in der nunmehr 5. Generation das Büßerhemd überzuwerfen. Nichtsdestotrotz gehört zu einer gesunden Erinnerungskultur Licht und Schatten gleichermaßen. Das Höcke jetzt wortreich meint, dies klarstellen zu müssen, wirft die Frage auf, warum seine Rede inhaltliche Missverständnisse nicht von vornherein vermieden hat, insbesondere bei einem so sensiblen Thema. Als deutscher Politiker sieht eine intelligente Themenwahl bei der aufgeheizten, politischen Gemengelage und den drängenden Problemen unserer Zeit anders aus und darum bleibe ich dabei: er hätte besser die Fresse halten sollen.

      • Oskar sagt:

        Warum kommt mir beim Erklärungsversuch Höcker sofort “mausgerutscht” in den Sinn?

        • Informatiker sagt:

          Oskar, die Rede von Höcke wurde ins Mikrofon gesprochen.
          Wir sind noch nicht so weit, dass da eine Maus angeschlossen werden kann!

        • Informatiker sagt:

          ………… und wie ich lese, kann man mit einem nervösen Finger auch auf der Tatstatur ausrutschen. Derjenige um den es hier geht heisst „Höcke“ mit Nachnamen, nicht Höcker! Sehr unpräzise.

          • Oskar sagt:

            Liebster Informatiker,

            mea culpa, ich schrieb mit einem Handy, die Autokorrektur hat zugeschlagen. Wird nicht wieder vorkommen.

            Es wäre aber traurig, wenn’s das einzige wäre, das dich zu interessieren scheint.

  3. Odradek sagt:

    Da hat der böse Höcke es doch tatsächlich gewagt, Berlins prächtiges Holocaust Mahnmal zu kritisieren! Gerhard Schröder lobte es einst als eine Sehenswürdigkeit „wo man gerne hingeht“. Der Historiker Ebehard Jäckel meinte allen Ernstes voller Stolz: „Es gibt Länder in Europa, die uns um dieses Denkmal beneiden.“ Es gibt kaum etwas, das so pathetisch, so wortreich und so kunstvoll ausgestaltet wird wie das, was doch so unsagbar ist und uns angeblich stumm gemacht hat. Man muss heute feststellen: der Deutsche hat sich mit seinem Büßergewand nicht nur identifiziert, sondern es zu einem Alleinstellungsmerkmal mit Markencharakter hochstilisiert. Das dies an sich schon in hohem Maße pathologisch ist, scheint der aufheulenden Menge gar nicht bewusst zu sein. Zeitenwende? Es ist wohl noch zu früh, dass Höcke darauf hinweist.

  4. Johannes Zwerrfel sagt:

    Und eine Meinungsfreiheit, die nur für die eine Hälfte des politischen Spektrums gilt, spottet ihrer Bezeichnung. Genau an diesem Punkt sind wir nun in Deutschland, denn was Björn Höcke gesagt hat, entspricht einer Äußerung, die der ehemalige Herausgeber des „Spiegels“, Rudolf Augstein, bereits im November 1998 getätigt hat. Ich zitiere:

    „Nun soll in der Mitte der wiedergewonnenen Hauptstadt Berlin ein Mahnmal an unsere fortwährende Schande erinnern. Anderen Nationen wäre ein solcher Umgang mit ihrer Vergangenheit fremd. Man ahnt, daß dieses Schandmal gegen die Hauptstadt und das in Berlin sich neu formierende Deutschland gerichtet ist. Man wird es aber nicht wagen, so sehr die Muskeln auch schwellen, mit Rücksicht auf die New Yorker Presse und die Haifische im Anwaltsgewand, die Mitte Berlins freizuhalten von solch einer Monstrosität.“

    https://www.facebook.com/Prof.Dr.Joerg.Meuthen/photos/a.554885501326826.1073741828.554345401380836/757520231063351/?type=3&theater

    • Oskar sagt:

      Er fühlt sich doch aber so missverstanden, der arme.

      Ich hab mir gestern Abend tatsächlich eine Stunde lang diese Rede angesehen,

      – zum einen fand ich drin nichts Missverständliches
      – zum anderen hat’s mich an eine ganz andere Zeit erinnert.

      Eigentlich müsste unsere Demokratie solche Typen aushalten.
      Umso erschreckender diese ihm huldigende, geifernde Meute. Und diese Individuen, die so jemanden auch noch in Schutz nehmen, versuchen zu rechtfertigen, zu entschuldigen. Wie hier im Forum ein Zwerrfel, wie ein Alfred, ein Odradek.

      Niemals hätte ich für möglich gehalten, dass nur 70 Jahre später wieder solche Reden geschwungen werden.

      Und hinterher kommt dann wieder: Wir haben’s doch nicht gewusst.

      • Odradek sagt:

        „Und hinterher kommt dann wieder: Wir haben’s doch nicht gewusst.“
        Gilt nicht für Sie! Sie können sich getrost damit herausreden, dass Sie es nicht verstanden haben.

  5. neuleser sagt:

    Wenn ich schon Moscheen und Asylantenheime in meiner Nachbarschaft ertragen muß, ist mir ein Holocaust-Denkmal in Berlin doch völlig Latte !!