Freitag, 05. Juni 2020

PEX-Umfrage: „Lasst Kandel endlich zur Ruhe kommen“

21. April 2018 | 14 Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Kreis Südliche Weinstraße, Landau, Regional

Umfrage-Stand in der Hauptstraße in Kandel.
Foto: Pfalz-Express

Kandel – Der Pfalz-Express (kurz „PEX“) hat am Freitagnachmittag in der Hauptstraße eine Umfrage unter Passanten durchgeführt.

Die Umfrage diente dazu, ein kleines Meinungsbild zu bekommen, wie die Bürger in Kandel und Umgebung letztendlich zu den zahlreichen Demonstrationen stehen, die seit einigen Monaten durch das Städtchen ziehen.

Vorab: Eine Überraschung ist das Ergebnis nicht – die meisten Befragten wollten überhaupt keine Demonstrationen.

Befragt wurden 131 Passanten in der Hauptstraße in Kandel am 20. April in der Zeit von 13.45 Uhr bis 16.45 Uhr. Davon waren 59 Personen Einwohner der Stadt Kandel, 16 kamen aus der Verbandsgemeinde Kandel und 56 waren Besucher, hauptsächlich aus der Südpfalz, manche aus Karlsruhe, Stuttgart, Köln oder aus dem Ausland.

70 Befragte waren weiblich, 61 männlich. 69 gehörten zur Altersgruppe 51 bis 99 Jahre, 44 waren zwischen 30 und 50 Jahren und 18 unter 30 Jahren.

Ausnahmslos allen Befragten war die Situation in Kandel bekannt (Tötungsdelikt an Mia V. als ursprünglicher Auslöser der Demonstrationen und Gegendemonstrationen).

Die Umfrage wurde mit Fragebögen (Strichliste) durchgeführt und überwacht, damit keine Mehrfachankreuzungen möglich waren.

Die Fragen lauteten:

Die Demonstrationen und Aktivitäten von „WIR sind Kandel“ und weiteren Gruppierungen („bürgerlich-links“):

Finde ich gut – Finde ich nicht gut – ist mir egal – Haben in der Sache recht: trotzdem keine Demonstrationen.

und

Die Demonstrationen und Aktivitäten von „Frauenbündnis Kandel“ und „Kandel ist überall („bürgerlich-rechts“):

Finde ich gut – Finde ich nicht gut – ist mir egal – Haben in der Sache recht: trotzdem keine Demonstrationen.

Anmerkung der Redaktion: Die Begrifflichkeiten „bürgerlich-links“ und „bürgerlich-rechts“ dienen allein der groben Einordnung und sind völlig wertfrei zu verstehen.

Die Umfrage ergab folgendes Bild:

Die Aktivitäten und Kundgebungen von „WIR sind Kandel“ und weiteren Gruppierungen fanden:

41 Personen (31,3 Prozent) gut, 5  Personen (3,8 Prozent) kreuzten an: „Haben in der Sache recht – trotzdem keine Demonstrationen“, und 2 Personen (1,5 Prozent) sind die Demos egal.

Die Aktivitäten und Kundgebungen von „Frauenbündnis Kandel“ und „Kandel ist überall“ fanden 23 Personen (17,6 Prozent) gut, 4 Personen (3,1 Prozent)  kreuzten an: „Haben in der Sache recht – trotzdem keine Demonstrationen“, und ebenfalls 2 (1,5 Prozent) Personen sind die Demos egal.

Die Kategorie „nicht gut“ kreuzten 46 Personen (35,1 Prozent) in beiden Lagern an, was bedeutet: Überhaupt keine Demonstrationen sind gewünscht.

Die Aktivitäten und Kundgebungen von „Frauenbündnis Kandel“ und „Kandel ist überall“ fanden zudem 6 Personen (4,6 Prozent) explizit nicht gut.

Die Aktivitäten und Kundgebungen von „WIR sind Kandel“ und weiteren Gruppierungen fanden 2 Personen (1,5 Prozent) explizit nicht gut.

Von den 41 Personen, die bei „WIR sind Kandel“ „gut“ angekreuzt haben, wollten 3 explizit vermerkt haben, dass keine Antifa-Aktivitäten gewünscht sind. Die Anmerkung der Passanten erfolgte spontan und ohne Nachfrage.

Soweit das schriftliche Ergebnis.

Nicht äußern wollten sich 61 Personen. Ungefähr ein Viertel gab an, keine Zeit zu haben oder machte keine Angaben.

Ein weiteres Viertel äußerte sich im Vorbeigehen dahingehend, dass sie vom Thema Demonstrationen nichts mehr hören wollten.

Im Gespräch ein überraschendes Bild

Die restlichen Personen (etwa 30/31) sprachen länger mit dem PEX und erklärten, sie trauten der Presse keine ehrliche und neutrale Umfrage und Berichterstattung zu und nahmen deshalb an der schriftlichen Befragung nicht teil. Eine Person befürchtete, von einer versteckten Kamera gefilmt zu werden.

Alle wörtlichen Aussagen der Passanten gegenüber dem Pfalz-Express erfolgten ungefragt und unaufgefordert und drehten sich um die Migrationspolitik. Etwa drei Viertel der Personen befürchteten, in die „rechte Ecke“ gestellt oder als „Nazi“ abgestempelt zu werden, wenn sie Kritik oder Ängste äußerten.

Öffentlich (auf Video) wollte niemand seine Meinung kundtun. Mit Rechtsextremen wollte keiner der Passanten aus dieser Meinungsgruppe etwas zu tun haben.

Etwa ein Viertel fürchtete sich davor, dass irgendwann ein „zweiter Hitler“ (der Begriff fiel mehrfach) in Deutschland wieder das Sagen haben könnte, wenn man nichts dagegen tue. Mit Linksextremen wollte ebenfalls keiner aus dieser Meinungsgruppe etwas zu tun haben – schlechte Noten also für die „Ränder“ auf beiden Seiten.

Keine der Personen, die sich geäußert haben, wollten, dass weiterhin Demonstrationen oder ähnliche Aktionen stattfinden, aber fast alle gaben an, sich von der Politik nicht verstanden oder nicht gehört zu fühlen.

Zwei Personen erklärten, die rechtliche Zwickmühle zu verstehen („Freie Meinungsäußerung, Demonstrationsrecht“), die es nicht möglich mache, Demonstrationen in Kandel zu verbieten oder an eine andere Stelle auszulagern, hielten die Gesetzeslage dazu aber für veraltet. Eine Person davon war ein Jurist.

Fazit: Interessanterweise wollten sich Viele, vor allem die Kandeler selbst, nicht (mehr) zu der Problematik äußern. „Lasst Kandel zur Ruhe kommen“, war der Tenor, der aus den Äußerungen heraus zuhören war. Auch um die Geschäftswelt und den guten Ruf der Stadt machten sich die Befragten Sorgen.

Zahlreiche Befragte hatten Bedenken, ihre Meinung öffentlich zu äußern. Die Mehrzahl der Passanten machte sich Sorgen bezüglich der Migrationspolitik, einige andere wegen eines möglichen noch stärkeren Rechtsrucks in Deutschland. Alle lehnten jedoch Kundgebungen sowohl „dafür“ als auch „dagegen“ ab. (cli/desa)

Anmerkung der Redaktion: Die Umfrage soll ein kleines Meinungsbild darstellen, ein Feedback geben und erhebt keinen Anspruch, allgemein repräsentativ zu sein. Nichtsdestotrotz ist sie ein Querschnitt der Bevölkerung an einem ganz normalen Freitagnachmittag in Kandel.

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14 Kommentare auf "PEX-Umfrage: „Lasst Kandel endlich zur Ruhe kommen“"

  1. Steuerzahler sagt:

    Da für mich der PfalzEXpress die einzige überparteiliche „Zeitung“ der Region ist, der es immer gelingt „nur“ zu Berichten, möchte ich dem PEX hier ein Lob für diese mutige Aktion aussprechen. Mir gefällt auch, daß sich der Leser seine eigene Meinung bilden darf und nicht schon im Artikel in eine Richtung gedrängt wird, wie es bei unserem Platzhirsch Rheinpfalz übliche Praxis ist. Was m.E. heraussticht und betroffen macht ist die Mutlosigkeit und die Angst vor Meinungsäußerung die man schon fast als Resignation bezeichnen kann. Ist das die deutsche Mentalität, Stillhalten und das Unheil Abwarten? Oder ist es eher der innere Glaubenskampf zwischen dem was in den Medien kolportiert wird und dem was man täglich erlebt? Zwischen dem montäglichen ARD-Volkserziehungsfilm und der Wirklichkeit?

  2. Steuerzahler sagt:

    Die Leute haben eine Meinung, aber sie haben Angst sie zu äußern. Das sollte uns nicht nur zu Denken geben, sondern zum Handeln auffordern. War es nicht schon einmal so in Deutschland? Wer möchte das wieder? Es wird zeit aufzustehen. Es wird Zeit daß wir uns wieder trauen und unsere Meinung sagen. Schreiben wir Leserbriefe, rufen wir beim Rundfunk an – den wir bezahlen, sprechen wir offen und ohne Angst. Wir lassen uns nicht kasteien. Wir sind Demokraten. Wir sind unglaublich viele!

  3. Odradek sagt:

    Natürlich möchten die Leute leben wie bisher und in Ruhe gelassen werden. Das wollen sie auch, wenn noch 50 weitere Mias in Supermärkten zerfleischt werden. Sicherlich soll sich schon was ändern, aber bitte den Handel und die Parkplätze nicht einschränken, nicht vor meiner Haustüre und am besten gleich woanders.

  4. Kai Schnabel sagt:

    Danke an PEX für die sachliche Berichterstattung!
    Meine Anmerkung zur Diskussionskultur in diesem Lande:
    Ich habe zur Migrationspolitik und den Demonstrationen in Kandel, Lokalpolitiker und Kirchenleute angeschrieben. In einer sachlichen, höflichen Weise. Ich habe von keinem eine Antwort bekommen. Ich bin der Meinung, daß diese Amtsträger eine Verantwortung haben, einen fairen Diskussionsprozeß in Gang zu bringen, um den Riss der durch diese Gesellschaft geht, zu kitten. Ihre Diskussionen finden aber nur in den eigenen, gleichgesinnten Zirkeln, neudeutsch Echokammern, statt.

    Ich habe Verständnis dafür, daß die Kandeler Bevölkerung die Nase voll hat, von diesen Demonstrationen. Wenn man aber nur noch in Berlin demonstrieren darf, dann ist das Recht auf freie Meinungsäusserung am Ende.

  5. Änner ausm Nirchendwo sagt:

    1) Dem PEX sei gedankt für diese Aktion, hätte ich gewußt dass ihr das macht hätte ich mich beteiligt.
    2) @Odradek: Merken Sie eigentlich, was für ein Stuß sie mit der Aussage ‚…noch 50 weitere Mia’s…‘ von sich geben? Jeden Tag passieren in Deutschland Verbrechen, die sich als Beziehungstaten beschreiben lassen. Es spielt gar keine Rolle, welche Nationalität der Täter hatte, er war / ist einfach psychisch krank.
    3) @ Kai Schnabel: Ich stimme ihrem letzten Absatz uneingeschränkt zu. Es muss aber eine Verhältnismäßigkeit zwischen der Demo und dem Bürgerwillen herrschen. Grade dies ist in Kandel zwischenzeitlich nicht mehr gegeben. Wenn diejenigen, denen die ‚Schuld‘ an dem Mord an Mia in die Schuhe geschoben wird, angeblich in Mainz und Berlin sitzen, dann soll DORT demonstriert werden.

    • Makamabesi sagt:

      „Wenn diejenigen, denen die ‚Schuld‘ an dem Mord an Mia in die Schuhe geschoben wird, angeblich in Mainz und Berlin sitzen, dann soll DORT demonstriert werden.“
      Nach Ihrer geschätzten Meinung müßten dann aber, als Beispiel, alle Kurden-Demos in die Türkei verlegt werde. Oder verstehe ich das falsch?
      Ansonsten sehe ich das ähnlich, wie Herr Kai Schnabel.

      • Änner ausm Nirchendwo sagt:

        Herr Makamabesi,

        Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ich in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung wie in der BRD ein verfassungsmäßiges Recht auf Demonstration habe oder ob ich bei der Einreise ins eigene Land um mein Leben fürchten muss, nur weil ich angeblich wegen meiner Abstammung ein Terrorist sein soll.

    • Odradek sagt:

      @ Änner ausm Nirchendwo. „Jeden Tag passieren in Deutschland Verbrechen, die sich als Beziehungstaten beschreiben lassen. Es spielt gar keine Rolle, welche Nationalität der Täter hatte, er war / ist einfach psychisch krank.“
      Verallgemeinernd und zudem falsch. Es spielt durchaus ein Rolle welche Nationalität der Täter hatte, weil in diesem Fall das Mädchen noch leben würde, wenn es nicht die rechtswidrige Grenzöffnung gegeben hätte. Ob er psych. krank ist, wissen Sie nicht, da das Gutachten noch nicht vorliegt. Oder haben Sie das selbst diagnostiziert?

  6. Hans-Jürgen Höpfner sagt:

    Die dänische Ministerin für Migration Inger Støjberg:

    “Der Punkt ist, wir haben verloren. Wir haben Angst vor einer Religion [der Islam] voller Fanatiker, die uns zum Schweigen bringen wollen. Und wir schaffen es nicht einmal diese Tatsache anzuerkennen“.

  7. qanon sagt:

    Würde ich in Kandel leben, wollte ich auch meine Ruhe.
    Ich gebe aber erst Ruhe, wenn Verantwortungsträger, Verantwortung übernommen haben und aus dem Rathaus ausgezogen/abgewählt sind.

  8. Winston Smith sagt:

    Die Ergebnisse der Umfrage überraschen nicht und hätten so auch vorhergesagt werden können. Der gemeine Bürger scheut Nachdenken und eigene Meinungsbildung – aus Faul- und noch mehr aus Feigheit, darf man annehmen. Jeder, der von ihm Nachdenken und Meinungsbildung einfordert, erfährt Ablehnung bis Hass und wird gar als schlimmer angesehen, als die Übeltäter gegen Gesellschaft (oder Natur) selbst.

    Auch im Begriff der „Kognitiven Dissonanz“ findet man teilweise Antworten auf solches Verhalten. Hätte PEX 75 Jahre zuvor eine ähnliche Umfrage zu Hitler, Nazis und Bombenkrieg in Kandel initiiert – das Ergebnis wäre gewesen: Lasst. Uns. In. Ruhe.

  9. Realist sagt:

    Gleich vorweg, ich finde es gut wenn jemand seine Meinung frei äußert und nicht nur im kleinen Rahmen traut zu sagen was er denkt. Dennoch erkenne ich keinen Sinn mehr in den mittlerweile über ein gesundes Maß angewachsenen Demonstrationen. Das in unserem Land gerade etwas gehörig aus dem Ruder läuft das so nicht weiter gehen kann, diese Auffassung teilen wohl gut 75% der Bevölkerung. Auf diese Zahl komme ich, wenn ich mich mit Leuten unterhalte, und das sind Menschen aller Schichten, mit viel oder wenig Bildung, vom Hartz IV Empfänger, über Handwerker bis zum Lehrer. Allerdings sind sich auch fast alle einig dies besser nicht allzu deutlich auszusprechen, aus Angst abgestempelt zu werden und damit Anerkennung, Aufträge oder sogar den Arbeitsplatz zu verlieren.

  10. GGGGGGKKKKKEEEE sagt:

    Nochmal der Blick ins Grundgesetz, Artikel 8:

    (1) Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.

    (2) Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.

    Im Hinblick auf (1) sind Demos von Ausländern nicht erlaubt. Sie sind offenbar ein Gewohnheitsrecht an dem sich kaum ein Politiker stört, trotzdem es bei dem üblichen Klientel regelmäßig zu Gewalt kommt.

    „Es spielt gar keine Rolle, welche Nationalität der Täter hatte, …“

    Diese Aussage ist für mich eine willkommene Motivation in Kandel weiter zu machen. Dort sitzen übrigens auch Verantwortliche für den Tod von Mia (…)

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