
Geschlossene Schule während des Lockdowns.
Foto: Pfalz-Express
Mandatsträger der SPD im Kreis Germersheim und Landau haben einen offenen Brief an Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Bildungsministerin Stefanie Hubig (ebenfalls beide SPD) geschrieben.
In dem Schreiben wird harsche Kritik geübt am Umgang mit dem Schulwesen in der Pandemie.
Das Schreiben im Wortlaut:
Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin, liebe Malu,
sehr geehrte Frau Bildungsministerin, liebe Stefanie,
die Antwort auf das gemeinsame Schreiben aller Fraktionen der Ortsgemeinde Rheinzabern lässt uns sprachlos zurück.
Monatelang – wir starten in das dritte Schuljahr, das massiv von der Pandemie beeinflusst wird – hören wir von der Landesregierung von der Priorität des Präsenzunterricht.
Wir hören, wie Kinder und Jugendliche leiden – unter dem Wegbrechen ihres Schulalltags, unter fehlenden oder mangelhaften Konzepten des Distanzunterrichts. Von Vereinsamung und fehlender Unterstützung; davon, dass die Landesregierung weiterhin das ,kein Kind darf zurückbleiben` propagiert.
Ohne effektiv etwas dafür zu tun, dass die Situation in den Schulen sich maßgeblich verändert.
Die genannte Unterrichtsversorgung von ,nahezu 100 Prozent` ist eklatant.
Sie besagt, dass alle vorgesehenen Stunden abgedeckt sind – mit einem Hauch eines Stundenüberhanges, mit dem nicht einmal die Freistellungen der Lehrer:innen für besondere Aufgaben abgedeckt werden können.
Von den besonderen Aufgaben und Herausforderungen, die aus den Folgen und den Bedarfen der Pandemie erwachsen ganz zu schweigen.
Es gibt weder ein Kontingent zur individuellen Lernbegleitung, für schulinterne Förderbänder und gezielte Unterstützung der Schüler:innen mit einem erhöhten Unterstützungsbedarf, noch wird den immens gestiegenen administrativen Aufgaben Rechnung getragen.
Die genannten 40 Feuerwehrlehrkräfte werden, das ist leider gängige Praxis und dem Mangel an Lehrkräften geschuldet, meist schnell an einer Schule ,festgesetzt` und stehen damit für kurzfristige Vertretungen nicht in dem notwendigen Maße zur Verfügung.
Die Vertretungslehrkräfte hingegen können bisher erst ab der dritten Woche ab dem Ausfall einer Lehrkraft eingesetzt werden – so lange muss dieser schulintern geregelt werden.
Aufgeteilte Klassen, Förderlehrer:innen, die nicht mehr fördern, sondern den Ausfall auffangen, sind die Regel.
Auch in den Planungen für das Schuljahr 2021/22 finden sich personell keine zusätzlichen schulinternen Möglichkeiten, Schüler:innen mit erhöhten Förderbedarfen individuell und zielorientiert zu unterstützen – das Personaltableau bleibt knapp und ohne Puffer für mögliche Ausfälle bemessen.
Wenn die Landesregierung bei der Besetzung bzw. der Nicht-Besetzung einer Konrektorenstelle mit Zahlen von +/- 15 Schüler:innen argumentiert, so zeigt sich leider auch hier das grundsätzliche Dilemma:
Selbst mit den immensen Herausforderungen, vor denen Schulleitungen und Schulgemeinschaften stehen, sieht die Landesregierung keine Notwendigkeit mit einer entsprechenden Personalausstattung zu reagieren.
Nicht die ,schwankenden Schülerzahlen` sind die Herausforderung und können als Argumentation herangezogen werden – es sind die schwankenden, unberechenbaren und bereits länger andauernden Rahmenbedingungen, mit denen Schulen täglich konfrontiert sind; auch schon vor der Pandemie.
Die Erkenntnisse der OECD-Bildungsstudien müssen wir an dieser Stelle wohl nicht näher erläutern.
Für uns als Sozialdemokrat:innen, als Genossinnen und Genossen ist das Nicht-Agieren der Landesregierung und des Bildungsministeriums weder nachvollziehbar noch tragbar.
Wir fordern die Umsetzung aller möglichen Maßnahmen um den Infektionsschutz an unseren Schulen so sicher als möglich zu gestalten: regelmäßige Testkonzepte, Luftreinigungsgeräte, organisatorische Maßnahmen wie feste Kohorten und möglichst kleine Lerngruppen.
Auch das Mehr der personellen Ausstattung muss neu gedacht werden.
Lehramtsstudent:innen können in die gezielte Förderung der Schüler:innen eingebunden werden und die möglicherweise notwendige Teilung von Klassen – angeleitet durch die Klassenlehrer:innen – unterstützen.
Zudem fordern wir, die Messzahlen für die Besetzung von Konrektorenstellen nicht an den Schülerzahlen, sondern an die Bedarfe der Schulen zu koppeln. Unterschiedliche Einzugsgebiete und regionale Herausforderungen müssen pädagogisch, didaktisch und organisatorisch mitgedacht werden.
Nur so gelingt die Weiterentwicklung der Schulen im Hinblick auf die veränderte Lebenswelt und die veränderten Leistungsspektren der Schülerinnen und Schüler.
Wir fordern die Landesregierung und die Abgeordneten auf, die notwendigen Stellen für eine reibungslose, gerade in Pandemiezeiten, Unterrichtsversorgung
an den Grundschulen auch beamtenrechtlich zu schaffen und in den entsprechenden Stellenplänen und im Haushalt zu verankern.
Der Zugang zu und die Teilhabe an Bildung ist eine der Grundvoraussetzungen für soziale Gerechtigkeit und gelingende gesellschaftliche Teilhabe – und ein entscheidender Aspekt um Armut effektiv und nachhaltig zu bekämpfen.
Bildung muss zur politischen Priorität werden.
Jetzt.
Carmen Drexler, Vorsitzende SPD Rheinzabern
Peter Drexler, SPD Rheinzabern
Willi Hellmann, SPD-Fraktion des OG- und VG-Rates Rheinzabern
Tobias Rackebrandt, Vorsitzender SPD Jockgrim
Claudia Neff-Butz, Schriftführerin SPD Jockgrim
Markus Jäger-Hott, SPD-Fraktion Stadtrat Kandel
Metin Istanbulu, Vorsitzender Ortsverband Wörth
Judith Albrecht-Pinnow, Ortsverein Landau
Gefällt Ihnen unsere Zeitung?
Fügen Sie den Pfalz-Express als bevorzugte Quelle bei Google hinzu. So verpassen Sie keine wichtigen Nachrichten aus der Region.
⭐ Bei Google als bevorzugte Quelle hinzufügen
Diesen Artikel drucken



Kreis Germersheim – Landrat Dr. Fritz Brechtel und der für Kinder, Jugend, Soziales und Schulen zuständige Erste Kreisbeigeordnete, Christoph Buttweiler, fordern eine ...
Kreis Germersheim – Am 11. April haben die Schulleiter von 13 Schulen und Landrat Dr. Fritz Brechtel die Teilnahmeerklärungen zum Energieeinsparprojekt „Fifty-Fifty“ ...
Landau. Jetzt öffnen die Schulen schrittweise wieder ihre Türen – so auch die Konrad-Adenauer-Realschule plus und Fachoberschule Technik und Umwelt in Landau. ...
RLP. Im Rahmen des „Gute-KiTa-Gesetzes“ unterstützt der Bund das Land Rheinland-Pfalz bei der Weiterentwicklung der Qualität in den rheinland-pfälzischen Kindertagesstätten bis 2022 ...
Kreis Germersheim – Der Landtagsabgeordnete Martin Brandl (CDU) hat sich mit einer Kleinen Anfrage nach der kurzfristigen Zusammenlegung von Grundschulklassen erkundigt. Sein ...
Für die Anschaffung von Laptops und Tablets für Schüler fließen im Rahmen des „DigitalPakt Schule“ der Bundesregierung rund 500.000 Euro in den ...
Am Sonntagabend hatte die Kreisverwaltung Germersheim beschlossen, wegen steigender Corona-Inzidenzzahlen die Grundschulen vorerst nicht zu öffnen. Sorge bereitet auch die Ausbreitung insbesondere ...
Kreis Germersheim: In allen weiterführenden Schulen des Landkreises Germersheim wird um-, an- oder neu gebaut, renoviert und geplant. „Wir sind stetig dabei, ...
Der Landkreis Germersheim erhält für die Schulen 11.500 Mund-Nasen-Schutz-Masken und 1.900 Liter Desinfektionsmittel für die Schulen. Das teilte die SPD-Landtagsabgeordnete Katrin Rehak-Nitsche (SPD) ...
Kreis Germersheim – Das Bildungs- sowie das Familienministerium in Rheinland-Pfalz gaben bekannt, dass die rheinland-pfälzische Landesregierung 2014 zahlreichen Schulen und Kindertagesstätten im ...
Kreis Germersheim – Seit etwa vier Wochen war für die SPD klar: Nicole Zor soll den amtierenden Landrat Dr. Fritz Brechtel (CDU) ...
Mit großer Mehrheit hat der Kreistag am Montag dem Nachtragshaushalt 2020 zugestimmt. „Aufgrund der Corona-Pandemie war leider abzusehen, dass der Kreishaushalt 2020 ...












