
Bild von Reiner Kombüchen auf Pixabay
Am Sonntagabend hatte die Kreisverwaltung Germersheim beschlossen, wegen steigender Corona-Inzidenzzahlen die Grundschulen vorerst nicht zu öffnen.
Sorge bereitet auch die Ausbreitung insbesondere der britischen Virusmutante. Jedoch sind nicht alle mit der Entscheidung der Kreisverwaltung einverstanden. Eine Lingenfelder Familie hat einen offenen Brief an Landrat Dr. Fritz Brechtel und an Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) geschrieben.
Im Wortlaut:
„Sehr geehrte Damen und Herren,
schon wieder wird kurz vor knapp die Schule im Kreis Germersheim nicht geöffnet. Erst vor einigen Wochen wurde die Öffnung der Grundschulen wenige Tage vor dem geplanten Wechselunterricht abgesagt. Nun wurde der Wechselunterricht nicht einmal 24 Stunden vor der geplanten Öffnung abgesagt. Beide Male waren die Pläne gemacht, die Kinder eingeteilt, die Ranzen gerichtet und die Kinder freuten sich auf die Schule. Nun haben wir hier sehr traurige Kinder und können uns weiterhin im HomeOffice als Lehrer fühlen. Wie lange soll dies noch gehen?
Am Freitag wurde erst die Präsenzpflicht im Landkreis Germersheim erneut ausgesetzt, wieso gibt es zwei Tage später eine so viel andere Situation? So viel anders ist die Situation doch nun wirklich nicht. Die Zahlen steigen seit Tagen, damit war dies doch zu erwarten.
Neben der fehlenden Bildung fehlen den Kindern weiterhin die sozialen Kontakte und die Bindung zu ihren Lehrern. In vier Wochen sind dann Osterferien, welche natürlich nicht geändert werden und wie geplant stattfinden, danach folgen weiterhin viele Feiertage, bewegliche Ferientage, Pfingstferien und dann ist das Schuljahr quasi vorbei. Wann soll das 2. Schulhalbjahr nachgeholt werden?
Es ist nicht so, dass Grundschulkinder wie Kinder teilweise an weiterführenden Schulen täglich Videokonferenzen mit ihren Lehrern hätten. Nein, sie sitzen den ganzen Tag allein vor Arbeitsheften, Arbeitsblättern, etc. und müssen sich alles selbst erarbeiten. So sieht Unterricht praktisch im Homeschooling aus.
Und wie geht es nun weiter. Am 1. März dürfen die Friseure öffnen? Wie schon geplant wohl vor der weiterführenden Schulen? Und im Kreis Germersheim dann auch vor den Grundschulen? Bildung scheint nicht sehr wichtig zu sein. Wo bleibt da das Recht auf Bildung meiner Kinder?
Wieso fahren eigentlich noch immer Bautrupps in vollbesetzten Kleinbussen durch die Gegend, während die Kinder nicht in die Schule dürfen und dort natürlich Masken anziehen müssten. Natürlich kann dies nicht alles kontrolliert werden, aber wie hoch sind die Strafen? Diese haben eher keine abschreckende Wirkung.
Ähnliches gilt für unsere frisierten Fußballer, aber auch Politiker. Wo haben die ihre Frisuren her? Auch da fehlen wohl die Strafen, wobei dies doch leicht zu erkennen ist, ob ein professioneller Friseur am Werk war. Wieso reisen Fußballer durch die halbe Welt, Tennisspieler um die ganze Welt und Handballer dürfen in sogar in der Halle ohne Masken ihrem Sport nachgehen. Ist einer der Sportler positiv getestet, hat dies seltsamerweise keinen Einfluss auf den Rest der Mannschaften, die sehr engen Kontakt hatten.
Wieso ist dies bei Schülern und deren Klassenkameraden anders. Hier wurden schon bei Verdachtsfällen ganze Klassen in Quarantäne geschickt. Wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Mir scheint ja, Kinder haben keine Lobby und gehen vor allem nicht wählen.
Womit wir auch schon bei den anstehenden Landtagswahlen wären. Wieso finden diese statt? Natürlich gehen die Menschen auch einkaufen, aber was ist wichtiger „Essen einkaufen“ oder „wählen“? Und wie steht es mit den Wahlhelfern? Diese sitzen auch bei Briefwahl zu siebt in einem Raum, mit wildfremden Menschen, und dies den ganzen Tag. In den letzten Jahren teils bis spät abends. Wo bleibt da der Gesundheitsschutz der Wahlhelfer, welche oft von den Verwaltungen zwangsverpflichtet werden? In diesem Jahr wird dies wohl kaum einer freiwillig tun. Wenn Grundschüler nicht in den Wechselunterricht dürfen, sollten auch Wahlen verschoben werden. Frankreich hat gerade Kommunalwahlen verschoben. In Thüringen wurde die Wahl auch verschoben, warum geht dies in Rheinland-Pfalz nicht? Hoffen da etwa einige Parteien auf schlechtere Ergebnisse? Ist das gute Abschneiden der Partei wichtiger als der Gesundheitsschutz und das Wohlergehen und die Bildung unserer Kinder?
Alles in allem kann ich dann nur noch bitten, möglichst schnell möglichst viele Psychologen auszubilden. Diese werden wir dringend benötigen, aber da auch dafür vermutlich der direkte Kontakt mit Menschen notwendig ist, wird dies schwierig. Es geht ja schließlich nicht um Fußball, den Friseur oder eine Wahl.
Bisher habe ich alle Maßnahmen mitgetragen, aber die Entscheidungen werden immer unverständlicher und treffen trotz aller Beteuerungen immer noch die Schwächsten, nämlich unsere Kinder.
Mit freundlichen Grüßen
Familie Müller“
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