Montag 12.Oktober 2026

Große Pfalzweinprobe der Weinbruderschaft der Pfalz ist 60: Leistungsschau des Pfälzer Weins

11. Oktober 2026 | Kategorie: Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer, Regional, Regional

1000 Weininteressierte feierten 60 Jahre Große Pfalzweinprobe
Foto: Michael Landgraf

Neustadt. Die 60. Große Pfalzweinprobe der Weinbruderschaft der Pfalz im Neustadter Saalbau am 10. Oktober 2026, das diamantene Jubiläum, stehe für außergewöhnliche Beständigkeit und strahlenden Glanz, so Ordenskellermeister Dr. Thomas Weihl.

Damals wie heute war der Saalbau mit damals 830 Plätzen, heute mit rund 1.000 Plätzen ausverkauft. Ausgerichtet wurde die Leistungsschau des Pfälzer Weins einst von der Weinbruderschaft und der damaligen Fördergemeinschaft Rheinpfalz-Weinpfalz, heute stellen die 21 Proben die Weinbrüder allein zusammen.

„Erfinder“ war der erste Ordenskellermeister der Weinbruderschaft, Hermann Conrad, dem Dr. Ludwig Jakob, Stefan Hilz, Dr. Markus Heil und Dr. Thomas Weihl folgten. Weihl gestaltete einen Rückblick auf die Arbeit voriger Kellermeister und einen Ausblick auf junge Talente.

So startete er mit einem elegant-mineralischen Riesling-Sekt aus dem Haus Fitz in Bad Dürkheim, dessen Ahne Anführer der Winzer beim Hambacher Fest 1832 war. Der erste Wein im Glas war ein Ellerstadter Bubeneck Portugieser. Dem folgte ein eleganter Spätburgunder vom Laumersheimer Weingut Mario Zell, der beim Deutschen Rotweinpreis mit Gold ausgezeichnet wurde, und ein Diedesfelder Sankt Laurent vom Weingut Dengler-Seyler aus Maikammer. Den ersten Rotwein bei der Pfalzweinprobe hatte 1980 Ordenskellermeister Dr. Ludwig Jakob präsentiert.

Ordenskellermeister Dr. Jakob bei einer Weinprobe
Quelle: Buchcover „Der Weinexperte rät“

Zwei Vertreter der „Jungen Pfalz“ waren bei den Rosés im Glas, zunächst die robuste Traubensorte Laurot der Brüder Finn & Ian Schmitt aus Bad Dürkheim, dann ein Cuvee aus den Rebsorten Grenache Noir und Syrah von Martin Metzger aus Grünstadt-Asselheim, dem man provencalische Noten herausschmeckte. Mit einem Bad Bergzaberner Altenberg Spätburgunder blanc de noir vom 150 Jahre reifen Weingut Ullrich, Pleisweiler-Oberhofen erinnerte Wheil an Ordenskellermeister Dr. Markus Heil, der im Jahr 2000 erstmals ein Blanc de Noir präsentierte.

Ordenskellermeister Dr. Thomas Weihl mit den drei Weinhoheiten Johannes Keller (l.), Emely Mugler, Pfälzische Weinkönigin (daneben) und Sandra Krebs
Foto: Michael Landgraf

Weiter ging es mit einem Weißwein-Cuvee vom Weingut Eck aus Ilbesheim und einem Sauvignon blanc trocken des Weinguts Oberhofer in Edesheim mit dem Hinweis, dass 2001 diese Rebsorte erstmals bei der Pfalzweinprobe präsentiert wurde. Eine fruchtige Scheurebe der Weinmanufaktur Steinbock in Neustadt-Haardt stammt aus dem „Rentnerprojekt“ der Schwestern Weegmüller, die mit diesem Wein den Internationalen Scheurebepreis 2026 erlangten.

An Burgunderweinen wurde ein Weißburgunder trocken des Weinguts Gerhard Mäurer aus Dackenheim, ein Grauburgunder des Weinguts Carsten Bus aus Insheim, dem Sieger bei Wein am Dom in der Kategorie 2026 sowie aus dem Zellertal, einer der ältesten Weinlandschaften der Pfalz, ein Chardonnay trocken vom Weingut Schwedhelm präsentiert.

Mit einem fruchtigen Silvaner trocken des Bad Dürkheimer Weinguts Pfeffingen wurde die Rebsorte präsentiert, die vor 60 Jahren in Weinbergen der Pfalz auf dem ersten Platz lag, heute auf dem dreißigsten.

Daher waren 1965 drei Silvaner im Programm, darunter einer von Karl Fuhrmann, Vorgänger des Weinguts Pfeffingen. Einst wurde der Silvaner in katholischen Regionen der Pfalz „Franken“ und in protestantischen „Österreicher“ genannt.

Vier mineralische Rieslinge zeigten die Vielfalt der heutigen Lieblingssorte der Pfälzer, beginnend mit einem Sausenheimer Hütt Riesling des Weinguts Schenk-Siebert in Grünstadt-Asselheim, der bereits 1965 von Ordenskellermeister Helmut Conrad präsentiert wurde, einem Edenkobener Kastaniengarten des Weinguts Altes Schlösschen Ludwig Schneider aus St. Martin, von dem Ordenskellermeister Stefan Hilz zuletzt 2012 einen Wein vorstellte, vom Winzerverein Deidesheim einen Grainhübel Riesling trocken, der ebenfalls bereits 1965 ausgeschenkt wurde.

Den Abschluss bildete der Forster Musenhang Lagenriesling des Weinguts Georg Mosbacher, gewachsen in einer der „spannendesten Weinberge der Klassifikationsstufe Erste Lage überhaupt“, so Weihl.

Präsidium
Foto: Michael Landgraf

Drei samtige Dessertweine bildeten den Abschluss, beginnend mit einer aromatischen Duttweilerer Mandelberg Huxelrebe Spätlese des Weinguts Winkelmann in Neustadt-Duttweiler, einer Lieblingsrebsorte der 1980er Jahre, die gerade wiederentdeckt wird.

Aus Schweigen-Rechtenbach kam ein Gewürztraminer Spätlese des grenzüberschreitenden Weinguts Scheu, einer Region, die 2026 von schweren Unwettern heimgesucht wurde und deren Winzer durch die Solidarität der Winzerkollegen aus nicht betroffenen Orten wieder aufgebaut werden konnte. Den Abschluss bildete eine aromatische Veritage Beerenauslese des Weinguts Anselmann in Edesheim. Weihl erinnerte daran, dass in den 60 Jahren Pfalzweinprobe bereits 74 Beerenauslesen ausgeschenkt wurden und dass die junge Rebsorte Veritage am „Anfang ihrer Karriere“ stehe.

Für den erkrankten Ordensmeister Oliver Stiess übernahm Karl-Heinz Bauer die Begrüßung, Kapitelmeister Frank Ortloff sprach die Abschiedsworte, Bruderschaftsmeister Heiko Hüttner führte erstmals die Weinhoheiten in den Saal.

Grußworte sprachen die neue Pfälzische Weinkönigin Emely Mugler, Weinbaupräsident Reinhold Hörner, Oberbürgermeister Marc Weigel und der Ehrenpräsident der Gemeinschaft deutschsprachiger Weinbruderschaften, Wolfgang Narjes.

Gerd Losem, der viele Jahre die Große Pfalzweinprobe logistisch organisierte, übergab sein Amt an Ulrich Martin, der im Hintergrund wirkte. Michael Landgraf übernahm die Pressearbeit. Es spielte eine „Ordenshausband“ mit Jochen Bähr, Jens Barth und Tim Versteegen. Für 60 Jahre Dienst im Rahmen der Pfalzweinproben wurde den Trachtengruppen aus Neustadt, Diedesfeld, Mußbach und Hambach ausdrücklich gedankt.

Foto: Michael Landgraf

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