Mainz – Bereits zum neuen Schuljahr soll zunächst als Modellversuch, später jedoch flächendeckend, das Sitzenbleiben an rheinland-pfälzischen Schulen abgeschafft werden.
„Schüler wollen wissen wo sie stehen, ihre Eltern auch. Deshalb ist es fahrlässig, ihnen die Möglichkeit einer klaren Orientierung zu nehmen“, erklären die Abgeordneten der CDU-Landtagsfraktion, Christine Schneider und Martin Brandl. Damit sprechen sie sich klar gegen die rot-grünen Pläne aus.
Sitzenbleiben sei jedoch – nach vielen Förderversuchen und mehreren Fünfen auf dem Zeugnis – eine Möglichkeit, einem jungen Menschen die Chance zum Anschluss durch Klassenwiederholung zu geben. Da der Lehrstoff des neuen Schuljahres maßgeblich auf dem vorherigen aufbaue, nähmen bestehende Defizite ebenso wie die Frustration der Schüler darüber eher zu als ab. Wenn sich der Lernerfolg in der aktuellen Klasse nicht mehr einstelle, weil die Wissenslücken zu groß geworden seien, könne ein Neustart gut tun. Schülern könne so der tägliche Druck genommen werden: „Es kann befreiend wirken, nicht immer nur der Schlechteste bei den Klassenarbeiten zu sein. Eine Ehrenrunde ist ein pädagogisches Instrument, von dem Lehrer schon jetzt nur zurückhaltend Gebrauch machen. Aber eine Ehrenrunde ist allemal besser als einen Schüler mit Ach und Krach von einer Klasse in die nächste zu hieven und die Wissenslücke wird immer größer. Das Abschaffen von Noten und dem Sitzenbleiben löst keine Probleme, sondern verschiebt sie nur in die Zukunft “, so Brandl und Schneider.
„Falsch verstandene Sozialromantik birgt eine trügerische Sicherheit, die es so nicht gibt. Anstrengung und Leistung sind nichts Unanständiges, sondern notwendig. Schule muss auf das Leben, die Ausbildung und den Beruf vorbereiten. Man sollte sie nicht von der Lebenswirklichkeit abkoppeln“, fordert Schneider.
Qualitätsabsenkungen lehnt Brandl entschieden ab: „Wer das Sitzenbleiben abschafft, muss in der Konsequenz auch die Notengebung abschaffen und letztlich werden Abschlussprüfungen relativiert. Die Qualitätsspirale nach unten ist vorprogrammiert“. Das Leistungsniveau werde unweigerlich sinken.
Bei allen Schwächen sei die Notengebung das verständlichste und transparenteste Instrument zur Selbsteinschätzung. „Kein Schüler wird leichtfertig in die Ehrenrunde geschickt. Aber nicht jede Fünf kann im Klassenverband durch mehr individuelle Förderung verbessert werden. Der Unterrichtsausfall in Rheinland-Pfalz ist enorm. Die Landesregierung streicht 2 000 Lehrerstellen, verspricht aber mehr individuelle Förderung. Diese Rechnung kann nicht aufgehen.“
Brandl und Schneider sprechen sich klar für die Rückkehr zu einheitlichen Leistungsstandards im Sinne verbindlicher Schulnoten aus. Nicht zuletzt motivierten gute Noten Schüler dazu, gute Leistungen zu erbringen. Das Thema wird am 8. März in der aktuellen Stunde der Landtagssitzung diskutiert. Interessierte können die Debatte im Landtagslivestream (www.landtag.rlp.de unter Plenum live) verfolgen. (red)

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