Donnerstag, 29. Oktober 2020

Medikamentenhandel im Internet boomt – Verbraucher müssen kritisch bleiben

22. September 2020 | noch keine Kommentare | Kategorie: Gesundheit, Ratgeber, Vermischtes

Bild von „Pexels“ via pixabay.com

Die Beschaffung von Arzneimitteln über das Internet ist eine komfortable Alternative zum Gang in die Präsenzapotheke. Versandapotheken machen es möglich, rufen jedoch auch schwarze Schafe auf den Plan. Verbraucher sind gut beraten, sämtliche Anbieter kritisch zu prüfen.

Ob Sildenafil (Viagra), Chloroquin oder Globuli, die angeblich gegen Covid-19 helfen sollen – die Liste der Medikamente, die dubiose Onlinehändler an den Verbraucher bringen möchten, ist lang. Bereits im März 2020 warnte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor wachsender Internetkriminalität im Zusammenhang der Corona-Pandemie. Die Mengen gefälschter Medikamente, die vor einer Ansteckung schützen sollten, waren enorm.

Doch nicht nur die aktuelle Pandemie birgt das Risiko, illegalen Machenschaften zum Opfer zu fallen. Auch beim Kauf gängiger, frei verkäuflicher sowie rezeptpflichtiger Präparate lauern Gefahren. Besonders riskant ist der Konsum von gefälschten Medikamenten, die entweder keine Wirkung haben oder sogar gesundheitsschädlich bis tödlich sein können. Bei Patienten, die auf die regelmäßige Einnahme ihrer Arzneimittel angewiesen sind, kann es zu lebensbedrohlichen Situationen kommen.

Schutz vor Fälschungen möglich

Aussichtslos ist die Lage für Verbraucher jedoch nicht mehr. Vorausgesetzt der Einkauf erfolgt bei seriösen Versandapotheken. Grundsätzlich gilt: Rezeptpflichte Medikamente sind auch im Internet nicht ohne Rezept erhältlich. Was denkbar ist, ist der Kauf ohne Rezept in physischer Form, das vom eigenen Hausarzt ausgestellt wurde.

Da im Rahmen der EU-Richtlinie zur Patientenmobilität die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung gesichert wurde, ist alternativ eine Beurteilung durch einen lizensierten Arzt im EU-Ausland denkbar, der wiederum ein Rezept („Online-Rezept“) ausstellt und an die Versandapotheke weiterleitet. Ein Gesundheits- und Arzneimittelportal klärt beispielsweise darüber auf, wie man Asthmaspray legal per Online Rezept kaufen kann und welche Versandapotheken seriös agieren. Die verschiedenen Anbieter wurden übersichtlich gelistet und die jeweils erhältlichen Asthma-Medikamente aufgeführt. Bei seriösen Anbietern werden ausschließlich originale und in der EU zugelassene Präparate angeboten.

Laut Bekanntmachung des Bundesministeriums für Gesundheit zur Vergleichbarkeit der Sicherheitsstandards mit deutschem Recht im Bereich Versandhandel und elektronischem Handel mit Arzneimitteln gehören unter anderem Island, Niederlande und Tschechien zu den entsprechenden Mitgliedstaaten. Gemäß der Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)) gibt es allerdings Einschränkungen. Demnach ist der Versand nach Deutschland aus den Niederlanden auf Anbieter beschränkt, die auch eine Präsenzapotheke vorzuweisen haben. Händler aus Tschechien dürfen wiederum nur nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel in die Bundesrepublik senden.

Seriöse Versandapotheken tragen das EU-Sicherheitslogo

Ein klares Erkennungsmerkmal für seriöse Internetapotheken ist das grüne Sicherheitslogo der EU. Jede Versandapotheke, die Humanarzneimittel online vertreibt, muss dieses Logo gut erkennbar auf ihrer Internetpräsenz platzieren. Außerdem muss es klickbar sein, um die Legalität zu überprüfen. Per Klick erfolgt ein Aufruf eines Registereintrags, der bestätigt, ob die Apotheke nach nationalem Recht Arzneimittel online vertreiben darf.

Leider wird das Logo immer wieder von dubiosen Anbietern missbraucht. Obwohl das BfArM konsequent gegen missbräuchliche Verwendungen vorgeht, bleibt bei Verbrauchern die Verunsicherung. Folgende Checkliste hilft bei der Unterscheidung zwischen seriösen und unseriösen Versandapotheken:

  • Klickbares EU-Sicherheitslogo führt zum Registereintrag.
  • Auf der Internetpräsenz müssen Impressum, AGBs und Hinweise zu Apothekerkammer und Aufsichtsbehörde vorhanden sein.
  • Das Impressum muss vollständig sein und eine echte Adresse sowie den Namen des zuständigen Apothekers beinhalten.
  • Eine Hotline mit pharmazeutischen Fachleuchten (deutschsprachig!) ist angegeben und erreichbar.
  • Viele Schreibfehler auf einer Seite deuten auf illegale Anbieter hin.
  • Gleiches gilt für ungewöhnlich niedrige Preise. Preisunterschiede von über 50 Prozent sind nicht realistisch und nicht seriös.
  • Auch Heilversprechen, die zum Kauf motivieren, sind ein Anzeichen für illegale Geschäfte.

Details und eine Abbildung zum EU-Sicherheitslogo lassen sich der Internetseite des Dachverbands der in Deutschland zugelassenen Apotheker, dem Bundesverband Deutscher Versandapotheken (BVDVA) entnehmen.

Kommen Medikamente ohne Originalverpackung bei Patienten an, ist äußerste Vorsicht geboten. Eine seriöse Versandapotheke würde Medikamente nie derart versenden. Hier gilt: Keinesfalls einnehmen, sondern umgehend bei der nächsten Polizeidienstelle abgeben und den Fall melden. Auch der BVDVA nimmt Meldungen von Verbrauchern entgegen.

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