BUND: Widerstand gegen Ölbohrungen in der Südpfalz – Appell an Landwirtschaft, Bauernverband und Kreispolitik – Statement Neptune Energy

26. Februar 2019 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Kreis Südliche Weinstraße, Regional

Ulrich Mohr, BUND Südpfalz.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Südpfalz. Der BUND Südpfalz wendet sich gegen eine „neu entstehende Ölindustrie in der Südpfalz“. „Der BUND Südpfalz registriert dankbar und mit Anerkennung, dass es noch Landwirte gibt, die selbst gegen verlockende Pachtangebote nicht bereit sind, Ackerland in der freien Flur für Ölbohrungen und alle damit verbundenen einschneidenden Infrastrukturmaßnahmen preiszugeben“, so Ulrich Mohr, dessen Sprecher.

Der BUND nennt einen konkreten Fall und zwar geht es um das Vorhaben der Firma Neptune Energy, die in Offenbach auf der Suche ist nach zu versiegelnden Flächen mit einer Abmessung ab zwei Hektar für eine Mindestpachtdauer von 20 Jahren.

Verbunden wäre das Vorhaben mit einer kompletten Infrastruktur aus Strom- und Wasseranschluss, Containergebäuden und Straßenanbindung. Täglich könnten ca. 500 Tonnen Rohöl aus 2500 Metern Tiefe gefördert und mit ca. 20 täglichen LKW abtransportiert werden. Außerdem werden Kapazitäten zur Zwischenlagerung von Rohöl benötigt.

Der BUND appeliert an die Bauern der Südpfalz, sie sollten sich ein Beispiel an einem Offenbacher Landwirt nehmen: „Wenn ihr schon etwas für eine zukunftsfähige Energieversorgung tun wollt, dann bleibt standhaft und lasst lieber ein paar Windräder auf euren Äckern oder doch zumindest Solarzellen auf euren Scheunendächern zu! Diesem Aufruf sollten auch Bauernverband, Kommunal- und Kreispolitikpolitik Gehör verschaffen.“

Zu fragen sei auch nach der Haltung der Landwirtschaftskammer „angesichts dieser geplanten weiteren Entwertung landwirtschaftlicher Produktionsfläche“, so Mohr.

Es bedürfe starker Bündnisse, „da gegen das gültige rigide Bergrecht nur schwer anzukommen ist.“ Der Pariser Klimapakt und das noch zu verabschiedende Klimagesetz der Bundesrepublik Deutschland müssten Vorrang haben.

Ulrich Mohr: „Im Oberrheingraben soll gewissermaßen das letzte Gefecht für fossile Brennstoffe ausgefochten werden. Allenthalben soll daher auch wieder Südpfälzer Erde durchlöchert werden. Die Fa. Wintershall will bis zu sechs Löcher um die Stadt Landau herum anlegen. Die „Toskana Deutschlands“ verträgt das aber nicht. Und Vorrangflächen für die Landwirtschaft haben tabu zu bleiben für flächenzehrende Industrialisierung. Die Südpfalz soll ländlicher Raum bleiben.“

Bohrungen dieser Art seien ein schwerer Eingriff im Bereich des für die Trinkwasserversorgung wichtigen sowohl oberflächennahen als auch des Tiefengrundwasserleiters, wo es zu „schweren und nicht mehr rückgängig zu machenden Störungen“ kommen könne, befürchtet Mohr.

„Zu fragen ist darüber hinaus: Was ist eigentlich bekannt über das von solchen Bohrungen betroffene Grundwasserökosystem, wie z. B. seine genaue Beschaffenheit, seine Vernetzung, Größe und Durchflussgeschwindigkeit? Was sagt das Landesamt für Ökologie? Wer würde  –  falls es zum offenen Konflikt kommen sollte und staatliche Behörden wieder einmal ein Auge zudrücken würden  –  ein unabhängiges und lückenloses Grundwassermonitoring durchsetzen?“

Dazu der Pressesprecher der Neptune Energy, Dr. Brieske auf Pfalz-Express-Nachfrage:

„Fakt ist, dass wir derzeit lediglich eine Erkundungsbohrung in der Region Offenbach planen“, so Brieske und verweist auf Firmen-Statements zu den Planungen in Offenbach und Schwegenheim.

Zu Offenbach:

Im Jahr 2013 wurde in der Region der Untergrund mit Hilfe seismischer Messungen untersucht. Nachdem die dabei gewonnenen Daten nun ausgewertet sind, haben sich Hinweise darauf ergeben, dass es bei Offenbach/Queich innerhalb der bergrechtlichen Aufsuchungserlaubnis Offenbach/Pfalz möglicherweise eine Erdöl führende Struktur gibt.

Um diesen Hinweisen nachzugehen, beabsichtigt das Konsortium aus Neptune Energy Deutschland GmbH mit Hauptsitz in Lingen und der in Speyer ansässigen Palatina GeoCon GmbH & Co. KG innerhalb der kommenden Jahre eine Erkundungsbohrung auf dem Gemeindegebiet Offenbach/Queich niederzubringen.

Derzeit ist das Konsortium bemüht, ein geeignetes Grundstück zu sichern, um das geplante Vorhaben umzusetzen. Diese Tatsache ist seit langem öffentlich bekannt. Parallel dazu bereitet das Konsortium das zusätzlich notwendige Betriebsplanverfahren bei der zuständigen Behörde, dem Landesamt für Geologie und Bergbau in Mainz, vor.

Erdölförderung ist in der Region seit langem bekannt und hat eine lange Tradition: Bis in die 1980er Jahre wurden bei Offenbach bereits zehn Erdölbohrungen niedergebracht.

Zu Schwegenheim:

Nachdem das Landesamt für Geologie und Bergbau (LGB) Rheinland-Pfalz in Mainz die Genehmigung für die Errichtung eines Bohrplatzes erteilt hat, kann das Konsortium aus Neptune Energy Deutschland GmbH (Lingen) und Palatina GeoCon GmbH & Co. KG (Speyer) in den nächsten Wochen mit den vorbereitenden Arbeiten auf einer Ackerfläche zwischen Schwegenheim und Harthausen beginnen.

Seit der Entdeckung eines Erdölvorkommens bei Speyer durch das Konsortium haben weitere umfangreiche geologische wie geophysikalische Untersuchungen im Umfeld erste Anzeichen für ein mögliches Erdölvorkommen auch bei Schwegenheim geliefert.

Diesen Hinweisen möchte das Konsortium mit der Erkundungsbohrung „Schwegenheim 1“ nachgehen. Nur mit Hilfe einer solchen Bohrung kann abschließend festgestellt werden, ob sich in der identifizierten geologischen Struktur in ca. 2.600 Metern Tiefe Erdöl befindet und ob dieses wirtschaftlich förderbar ist.

Bereits 2016 hatte das Konsortium die für das Vorhaben erforderlichen Anträge und Unterlagen beim LGB eingereicht. Die Behörde hat unter Einbeziehung unterschiedlicher weiterer Fachbehörden sowie der Verbands- und Ortsgemeinde im Jahr 2018 den Hauptbetriebsplan zugelassen.

Die Zulassung eines Sonderbetriebsplanes für den Bohrplatzbau folgte im Februar 2019. Das Konsortium hat die Ortsgemeinde Schwegenheim und die örtliche Bevölkerung bereits im April 2017 umfangreich über das bevorstehende Projekt informiert.

Dem Schutz der Umwelt kommt bei der Projektumsetzung eine große Bedeutung zu. Bei der Planung wurden nicht nur artenschutzrechtliche und landschaftspflegerische Aspekte vorrangig betrachtet, sondern bereits ein Grundwasser-Monitoring über drei Messstellen rund um den geplanten Bohrplatz eingerichtet.

Erste mit Experten festgelegte naturschutzfachliche Maßnahmen wurden schon umgesetzt. Der weitere Zeitplan sieht nun den Beginn der Errichtung des Bohrplatzes nördlich der Bundesstraße 9 und östlich der L 537 zwischen Schwegenheim und Harthausen vor.

Es handelt sich dabei um eine versiegelte Betonfläche, so dass jegliche Verunreinigungen des Untergrundes sicher ausgeschlossen werden können. In einem zweiten Schritt wird nach Zulassung des Sonderbetriebsplanes Bohren Mitte 2019 eine Tiefbohranlage für die Dauer von ungefähr drei Monaten auf diesem Platz aufgebaut werden.

Zielhorizont im Untergrund ist der Buntsandstein in einer vertikalen Tiefe von zirka 2.600 Metern. Beim Bohren wird modernste Technik zum Einsatz kommen.Hierbei setzen die beteiligten Unternehmen auf die Vorteile der Bohrung mit abgelenktem Bohrpfad. Mit diesem Verfahren können Bohrungen im tiefen Untergrund über mehrere hundert Meter abgelenkt werden, so dass die erdölführenden Strukturen
auch von nicht direkt über ihnen liegenden Bohrplätzen zu erreichen sind.

Erst nach dem Ergebnis der Explorationsbohrung kann bewertet werden, ob tatsächlich Erdöl in der Region südwestlich von Speyer wirtschaftlich zu gewinnen ist.

Über das Konsortium
Zur Erdölsuche und -gewinnung im Erlaubnisfeld „Römerberg“ kooperiert die Palatina GeoCon als Lizenzinhaberin mit der weltweit tätigen Neptune Energy als Betriebsführer. Das Konsortium unterhält ein gemeinsames Büro in Speyer und beschäftigt rund 50 Mitarbeiter am dortigen Standort. 2018 wurden 130.000 Tonnen Erdöl aus dem Feld Römerberg-Speyer produziert.

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