
AfD-Karikatur zu Willi Hellmann.
Screenshot über SPD Kreis Germersheim
Kreis Germersheim – Die SPD im Kreis Germersheim stellt sich hinter ihren Parteigenossen Willi Hellmann aus Rheinzabern.
Hellmann hatte in Leserbriefen an den Pfalz-Express und an die Rheinpfalz Stellung bezogen zum Muezzin-Ruf, der in Germersheim ein Mal am Tag die Gläubigen zum Gebet rief (in den eigenen vier Wänden in Corona-Zeiten) und Germersheims Bürgermeister Marcus Schaile (CDU), der den Ruf genehmigt hatte, für seine Entscheidung gelobt.
An die Kreis-AfD, die sich über den Muezzin-Ruf empört hatte, wandte er sich er unter anderem mit den Worten, „es würde dem Herrn Joa (Kreisvorsitzender AfD Germersheim und Landtagsabgeordneter, Anm. d. Red.) und seiner […] Gefolgschaft besser anstehen, sich mit dem eigenen Rechten Häuflein zu beschäftigen, als über die DITIB, die SPD oder die ANTIFA zu hetzen!“.
Daraufhin veröffentliche die AfD eine Fotomontage mit Hellman mit einem Fez (arabisch-türkische Kopfbedeckung) und Vollbart und bezeichnete ihn als „Islam-Willi“ – ein Unding für die SPD im Kreis.
„Die Diffamierung des SPD-Mitglieds Willi Hellmann seitens des AfD-Kreisverbandes Germersheim ist an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten“, schreibt Felix Werling, 1. Vorsitzender des SPD-Kreisverbands Germersheim. „In einer von der AfD angefertigten Karikatur, die an dunkle Zeiten deutscher Geschichte erinnert, wird Willi Hellmann mit Unwahrheiten in Verbindung gebracht und als Pöbler beschimpft. Der SPD-Kreisverband duldet einen solchen Umgang mit seinen einzelnen Mitglieder nicht.“ Der Vorgang werde aktuell juristisch geprüft.
Willi Hellmann habe im Leserbrief Respekt vor der Entscheidung des Germersheimer Bürgermeisters bekundet, der Religionsfreiheit in schwierigen Zeiten ermöglicht habe – „nicht mehr und nicht weniger“, so Werling. Für Hellmann sei die Organisation DITIB „zwar ein Begriff“, die Reaktion der AfD entziehe sich aber jeglicher Realitätsgrundlage.
„Wir stehen solidarisch hinter unserem Mitglied Willi Hellmann, der immer wieder Rückgrat beweist, über parteipolitische Grenzen hinweg aufrichtige Haltungen anerkennt und sich engagiert für Demokratie und Pluralismus einsetzt „, so der SPD-Kreisverband einstimmig.
„Ein derartiger Angriff auf ein einzelnes Mitglied ist ein Angriff auf die Grundwerte unserer Gesellschaft“, so der Kreisverband weiter. „Wir sind uns sicher, dass die Bürgerinnen und Bürger wissen, dass Politik nicht bedeutet, alles jedem recht zu machen, sondern dass Politik bedeutet, Interessen auszuhandeln und zwar mit gegenseitigem Respekt und menschlichem Anstand. Dieser ist bei einigen Verantwortlichen der AfD nicht zu erkennen, die aktuelle Karikatur ist dafür bestes Beispiel.“
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