Freitag, 20. Mai 2022

Zeitgeschichte: Braucht Zeiskam Gendarmen?

13. Dezember 2021 | Kategorie: Allgemein, Kreis Germersheim, Kultur

Bis 1957 befand sich in Zeiskam im Haus Stubenbordt in der Hauptstraße 19, links neben der Hofeinfahrt, gegenüber der protestantischen Kirche, die letzte Zeiskamer Gendameriestation. (Aufnahme vom 12.12.2021)
Quelle: Edgar Schnell

Zeiskam. Der Zeiskamer Heimatforscher und Verfasser etlicher Bücher zur Zeiskamer Geschichte, Edgar Schnell, ist Verfasser dieser zeitgeschichtlichen Betrachtung.

„Um die vorvergangene Jahrhundertwende war in Zeiskam die Errichtung einer Gendarmeriestation das große Thema. Es gab Befürworter, aber auch Gegner.

Polizeidiener ……

Dazu muss man wissen, dass damals im Zwiebeldorf der örtliche Polizeidiener praktisch das Mädchen für alles war, verantwortlich aber hauptsächlich für die „innere Sicherheit“. Im Auftrag des Schultheißen beziehungsweise Bürgermeisters, verkörperte er in der Öffentlichkeit uniformiert die Polizeigewalt. Er machte seine Rundgänge durch das Dorf und achtete auf die Einhaltung der Polizeistunde. Er sorgte für die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Dorf und musste ein Auge auf durchreisende Personen haben und sie gegebenenfalls im Rathaus im dortigen Wachhaus einsperren.

Befürworter ……

Seine vielfältigen Aufgaben konnte der Polizeidiener auf Dauer aber alleine nicht mehr bewältigen. Deshalb gingen im Jahre 1902 Bestrebungen der Gemeinde dahin, im Ort eine Gendarmeriestation einzurichten.

Von „einsichtsvollen Bürgern“ wurde dieses Projekt in der lokalen Presse begrüßt. „Freilich, wer vielleicht immer, um nicht mehr zu sagen, mit den Ellenbogen die Gesetze und Verordnungen streift, macht zu einer solchen Nachricht ein schiefes Gesicht. Wie die Eisenbahnen gebaut wurden, sollen auch viele Kutscher geweint haben; allein die hielten den Lauf der Dinge nicht auf. So wird es auch hoffentlich in unserem Fall sein“, so ein Lesebriefschreiber am 8.Februar 1902 im „Landauer Anzeiger“.

Gegner ……

Gegenteiliger Auffassung war ein Artikelverfasser acht Tage später: „Zeiskam ist stolz darauf, dass es, was Zucht und Ordnung anbelangt, hoch über manch anderer Gemeinde steht“. Vergleichsweise wenige Verhandlungen mit Zeiskamerer am Amtsgericht Germersheim seien der Beweis. Für wenige „Räudige“ sei die bewährte Ortspolizei gewachsen.

Weitere Befürworter ……

In der Folgezeit wurde dann weiterhin bemängelt, dass „ganze Zigeunerbanden bettelnd den Ort durchziehen und die Einwohner beängstigen“. Aus Angst vor Diebstahl würden die Bürger am Abend die Hühner in den Stall sperren und die zum Trocknen aufgehängte Wäsche abnehmen. Außerdem werde das Wildern ganz öffentlich betrieben. Der Polizeidiener sei überfordert. Die Gendarmeriestation in Germersheim mit einem halben Dutzend Gendarmen sei zu weit entfernt. Und warum habe ein Städtchen wie Germersheim mit soviel Militär auch noch so eine große Zahl Gendarmen nötig? Eine Station in Zeiskam sei doch Hilfebringend.

Bellheimer „Rohlinge“ ……

Im Vergleich zu Straftaten allerdings fände eine Station in Bellheim besseren Boden als in Zeiskam, so eine Gegenverlautbarung eines Artikelschreibers. Seien doch erst wieder in letzter Zeit zwei Zeiskamer Waldhüter von Bellheimer Rohlingen im Dienst beleidigt und schwer misshandelt worden.

Endlich!
Am 1. Februar 1914 wurde schließlich in Zeiskam eine Gendarmeriestation eingerichtet. Jahrzehnte später wieder aufgelöst. Ab 1954 war im Anwesen von Hermann Stubenbordt, Hauptstraße 19, dann erneut eine Gendarmeriestation, ehe sie 1957 nach Niederlustadt verlegt wurde.“

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