
Stromzähler
Foto: Pfalz-Express
Die Digitalisierung verändert unseren Alltag und verspricht scheinbar eine Dematerialisierung vieler Prozesse. Doch hinter jeder virtuellen Anwendung verbirgt sich ein realer Bedarf an Verbrauch von Ressourcen, der zum Klimawandel beiträgt.
Grüne IT setzt sich dafür ein, den Ressourcenverbrauch und die Energieeffizienz zu optimieren und somit einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.
Der Beitrag von Green-IT zu einer ressourcensparenden und energieeffizienten Digitalisierung
Green-IT spielt eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung einer nachhaltigen und energieeffizienten Digitalisierung. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Optimierung der Hardware-Nutzungsdauer. Geräte wie Notebooks, Smartphones oder Desktop-Computer sollten möglichst lange im Einsatz bleiben, da ein Großteil der Emissionen bereits bei der Herstellung entsteht. Durch eine verlängerte Nutzungsdauer lässt sich der ökologische Fußabdruck der Hardware deutlich reduzieren.
Neben der Hardware-Nutzungsdauer kommt auch der Software-Effizienz eine bedeutende Funktion zu. Obwohl Software immateriell ist, beeinflusst sie maßgeblich den Stromverbrauch der Hardware und deren Nutzungsdauer. Effiziente und ressourcenschonende Software-Lösungen tragen dazu bei, den Energiebedarf der Geräte zu senken und ihre Lebensdauer zu verlängern.
Entwickler sind gefordert, bei der Programmierung auf Nachhaltigkeit und Effizienz zu achten. Aber auch Unternehmen wie Microsoft, mit ihren Programmen wie Microsoft Office, Excel, Word und Co. haben riesige Server-Landschaften, die extremen Energieverbauch verursachen. Aufgrund von KI hat alleine Microsoft in 2023 mehr als 30% Energie verbraucht als im Jahr zuvor – bei einem solchen Unternehmen eine sehr große Menge.
Ein weiterer zentraler Baustein der Green-IT sind die Übertragungsnetze, die zusammen mit Rechenzentren das Rückgrat des Internets bilden. Ob Glasfasernetz, Kupferkabel oder Mobilfunk – ohne eine zuverlässige Datenübertragung ist die Digitalisierung undenkbar.
Das Umweltbundesamt erforscht intensiv, wie die Datenübertragung klima- und ressourcenschonender gestaltet werden kann. Innovative Technologien und intelligente Netzwerkarchitekturen sollen dazu beitragen, den Energieverbrauch zu minimieren und die Effizienz der Übertragungsnetze zu steigern.
Die Rolle von Rechenzentren in der nachhaltigen Digitalisierung
Rechenzentren bilden das Rückgrat der Digitalisierung und ermöglichen erst die Nutzung von Cloud-Diensten, Streaming, Videokonferenzen und die Kommunikation per E-Mail oder Messenger. Ohne sie wäre das Internet, wie wir es kennen, nicht möglich. Allerdings geht der Betrieb von Rechenzentren mit einem beträchtlichen Stromverbrauch einher. In Städten wie Frankfurt am Main entfällt rund ein Fünftel des gesamten Stromverbrauchs auf die dort ansässigen Rechenzentren.
Ein Großteil der Energie in Rechenzentren wird für den Betrieb der Infrastruktur benötigt, wie beispielsweise für die unterbrechungsfreie Stromversorgung, die Stromverteilung und die Kühlung. Schätzungen zufolge kann dieser Anteil bis zu 50 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs ausmachen. Zudem sind die rund um die Uhr laufenden Server oft nur zu 10 bis 20 Prozent ausgelastet, was auf erhebliche Einsparpotenziale hindeutet.
Um die Energieeffizienz von Rechenzentren zu verbessern, bieten sich verschiedene Maßnahmen an:
- Konsolidierung und Virtualisierung von Servern zur Steigerung der Auslastung
- Optimierung der Kühlsysteme, um den Energiebedarf für die Kühlung zu reduzieren
- Einsatz energieeffizienter Hardware und Komponenten
- Nutzung erneuerbarer Energiequellen zur Stromversorgung der Rechenzentren
Durch die Umsetzung dieser Maßnahmen können Rechenzentren einen wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltigen Digitalisierung leisten. Die Reduzierung des Stromverbrauchs und die Steigerung der Energieeffizienz tragen dazu bei, die Umweltauswirkungen der digitalen Infrastruktur zu minimieren und gleichzeitig die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Rechenzentren zu erhalten.
Grüne IT: Wege zu einer umweltverträglichen Nutzung digitaler Dienste
Die zunehmende Nutzung digitaler Dienste wie Videostreaming, Videokonferenzen und Cloud-Speicherung hat einen erheblichen Einfluss auf die CO2-Emissionen. Ein Forschungsvorhaben des Umweltbundesamts hat sich mit den Auswirkungen dieser Dienste auf den Stromverbrauch und die Umwelt befasst. Im Jahr 2017 betrug der Stromverbrauch der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) in Deutschland rund 58,4 Terrawattstunden (TWh), was etwa zwei Prozent des gesamten Stromverbrauchs des Landes entspricht.
Trotz des steigenden Einsatzes von IKT in Beruf und Freizeit konnte der Stromverbrauch durch Energieeffizienzsteigerungen relativ konstant gehalten werden. Allerdings führen aktuelle Entwicklungen der Digitalisierung, wie künstliche Intelligenz oder Blockchain-Technologie, zu einem erheblichen Anstieg des Energiebedarfs, insbesondere in Rechenzentren.
Fachschätzungen zufolge wird der Energiebedarf der Server in deutschen Rechenzentren aufgrund der hohen Nachfrage nach Rechenleistung vom Jahr 2015 bis zum Jahr 2025 um mehr als 60 Prozent steigen.
Um die CO2-Emissionen durch digitale Dienste zu reduzieren, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich:
- Optimierung der Energieeffizienz von Rechenzentren durch den Einsatz moderner Hardware und Kühltechnologien
- Nutzung erneuerbarer Energien zur Stromversorgung von Rechenzentren und Endgeräten
- Bewusstsein der Nutzer für den Energieverbrauch digitaler Dienste und Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs
- Entwicklung energieeffizienter Software und Algorithmen, die den Ressourcenverbrauch minimieren
- Förderung der Kreislaufwirtschaft durch Wiederverwendung und Recycling von IT-Geräten
Durch die Umsetzung dieser Maßnahmen kann die grüne IT einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen und zum Schutz der Umwelt leisten. Es liegt an allen Beteiligten, von Unternehmen über Politik bis hin zu den Nutzern, gemeinsam an einer nachhaltigen und umweltverträglichen Digitalisierung zu arbeiten.
Fazit
Green IT bietet vielfältige Möglichkeiten, um die nachhaltige Digitalisierung voranzutreiben und gleichzeitig zum Umweltschutz beizutragen. Durch den Einsatz energieeffizienter Server, die Optimierung von Rechenzentren und die Förderung umweltverträglicher Nutzungsgewohnheiten kann die IT-Branche ihre ökologische Bilanz deutlich verbessern.
Um eine nachhaltige digitale Transformation der Gesellschaft zu erreichen, ist es unerlässlich, dass die zunehmende Nutzung von Hard- und Software nicht mit steigenden negativen Auswirkungen auf die Umwelt einhergeht. Hier spielen Energieeffizienz und Ressourcenschonung eine Schlüsselrolle. Durch die Implementierung grüner IT-Lösungen können Unternehmen nicht nur ihre Betriebskosten senken, sondern auch aktiv zum Klimaschutz beitragen.
Die Erschließung der Potenziale einer umweltfreundlichen IT-Gestaltung erfordert das Engagement aller Beteiligten – von Herstellern über Dienstleister bis hin zu Endnutzern bei Software und Apps. Nur durch ein gemeinsames Bestreben lässt sich eine zukunftsfähige und ökologisch vertretbare Digitalisierung realisieren, die sowohl den wirtschaftlichen Anforderungen als auch den Erfordernissen des Umweltschutzes gerecht wird.

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