
Grundschule an der Römerstraße in Rheinzabern.
Foto (Archiv): G. Beil
Rheinzabern – Bürgermeisterin Alexandra Hirsch und die Vorsitzenden der Fraktionen im Gemeinderat haben einen Brief an Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Bildungsministerin Stefanie Hubig geschrieben.
Gefordert wird in der Hauptsache die Schaffung einer Konrektoren-Stelle.
Im Wortlaut heißt es:
„Aus unserer Funktion und der Verantwortung heraus, als Gemeinderäte und Bürgermeisterin, möchten wir auf Probleme an unserer Grundschule „An der Römerstraße“ Rheinzabern hinweisen. Hierbei treibt uns nur das Wohl unserer Kinder an, welches uns natürlich sehr am Herzen liegt. Zur Information und als Unterstützung werden wir unser Anliegen an Sie auch gegenüber den Eltern, der Öffentlichkeit und der Presse kundtun.
Es geht uns nicht um die persönliche Profilierung Einzelner, sondern darum Sie zu bitten, die aus unserer Sicht nicht länger hinnehmbaren Zustände an unserer Grundschule zu verbessern. Die aktuelle Situation schadet unseren Kindern und den Lehrkräften. Aufgrund der hierarchischen Struktur ist es verständlich, dass die Lehrkräfte eher selten dazu neigen, Probleme öffentlich anzugehen, um persönliche Nachteile zu vermeiden.
Die Leiterin unserer Grundschule wechselt im Sommer ihren Arbeitsplatz, was im Februar 2021 über die Presse bekannt wurde. Wir bedanken uns ausdrücklich dafür, dass die ADD dem Drängen unseres Schulträgers gefolgt ist und die Stelle „vorzeitig“ ausgeschrieben hat. Dies zeigt uns, dass es durchaus möglich ist, über den Tellerrand hinauszuschauen.
Unser Anliegen ist es, so schnell als möglich auch die Stelle einer Konrektorin bzw. eines Konrektors an unserer Grundschule zu besetzen. Uns ist bekannt, dass hierfür über drei bis fünf Jahre durchgehend die Schülerzahl über 180 liegen sollte. Dass die Prognosen hierzu ständig schwanken ist uns ebenfalls bewusst. Die uns vorliegende Prognose weist für die nächsten Jahre folgende zu erwartende Schülerzahlen aus: 2021/22: 192, 2022/23: 176, 2023/24: 192, 2024/25: 197, 2025/26: 180.
Unsere Gemeinde entwickelt sich weiter. Unser Landkreis, die Verbandsgemeinde und auch Rheinzabern sind „Zuzugsgebiet“ – wir wachsen. Da verschiedene Bauvorhaben aktuell bereits genehmigt wurden, weitere Vorhaben in Vorbereitung bzw. in der Phase der Bauvoranfrage sind, gehen wir davon aus, dass die prognostizierte Schülerzahl sich eher erhöht, als dass sie kleiner wird. Wie viele Grundschulen in Rheinland-Pfalz ähnlich wie Rheinzabern diese Grenze aktuell nicht alle fünf Jahre durchgehend überschreiten, entzieht sich unserer Kenntnis. Uns ist allerdings bewusst, dass die Arbeitsbelastung der Grundschulleitung, aufgrund der fehlenden Unterstützung durch einen Konrektor bzw. einer Konrektorin, extrem erhöht ist.
Nach unserem Ermessen sollte diese Schwankung um den „Grenzwert“ nicht dazu führen auf die Stelle des Konrektors mit allen damit verbundenen pädagogischen die viel besprochene Digitalisierung der Schulen gibt es im Land – und auch an unserer Schule – noch viel zu tun. Lobenswert an der Stelle ist die Bereitstellung der Hardware. Leider ist die personelle Ausstattung mit Lehrern, welche die Digitalisierung vorantreiben können, stark verbesserungswürdig. Damit sind wir für unsere Schule wieder bei der angespannten Personalsituation und der fehlenden Konrektoren-Stelle und dies obgleich unsere Grundschule eine Medienkompetenzschule ist. Eine reine Ausstattung und finanzielle Unterstützung ist hier nicht ausreichend, es fehlt an Personal.
Dass fehlende Lehrer und Konrektoren nicht nur in Zeiten der Pandemie den Schulalltag vor allem an den Grundschulen nicht leichter machen ist Fakt. Dieses Problem ist in den letzten Monaten (aufgrund Corona und längerer Krankheit der Rektorin) an unserer Grundschule mehr als deutlich geworden. Leider anscheinend immer noch nicht für Alle. Insbesondere die ministeriellen Entscheider und Politiker verweigern sich hier! Eine Erkenntnis der Corona Pandemie ist die Tatsache, dass die Arbeit an größeren Schulen ohne Konrektoren auf die Dauer nicht funktioniert. Die Schulleitung allein kann die Aufgaben nicht stemmen. Lehrkräfte werden durch Arbeitsüberlastung in einen Burn out getrieben bzw. sind frustriert. Letztlich führt das zu unnötiger Personalfluktuation. Vom Stimmungsbild der sonstigen Beteiligten – den eigentlich Leidtragenden – den Eltern und Kindern gar nicht zu reden. Schließlich geht es um die Kinder und deren Lernerfolg.
Aufgrund des Homeschoolings, Fern- und Wechselunterrichts haben sehr viel mehr Kinder Lernprobleme und Lücken im Stoff, als es sonst der Fall ist. Durch Sommerschulklassen, die irgendwo zentral an einem anderen Ort durch nicht geschultes Personal stattfinden, lassen sich diese Probleme nicht lösen. Wir benötigen dringend mehr Lehrerwochenstunden und ausgebildetes Förderpersonal. In allen Klassen gibt es deutlich mehr Lerndefizite und Auffälligkeiten als bisher. Eine solch massive Problematik hatten wir an unserer Schule in Rheinzabern noch nie. Durch die Covid-19-Testungen, vier Mal in der Woche, im Klassensaal und während der Unterrichtszeit, fallen ca. 30 Minuten Unterricht pro Tag weg. Dies entspricht etwa 2 Unterrichtsstunden pro Woche. Die Kinder sind bereits zu diesem Zeitpunkt die Leidtragenden! Und den Lehrkräften wird eine Belastung zugemutet, welche nicht tragbar ist.
Sehr geehrte Damen und Herren, wir hoffen inständig, dass wir mit diesen Zeilen nochmals auf unser akutes Problem aufmerksam machen konnten. Daher haben wir die dringende Bitte an Sie tätig zu werden und bekannte Schwachstellen, insbesondere die „180er-Grenze“ bezüglich der Konrektoren-Stelle, zu revidieren.
Mit freundlichen Grüßen und bleiben Sie alle gesund
Alexandra Hirsch, Ortsbürgermeisterin Rheinzabern
Reiner Marz, CDU Fraktion, Gemeinderat Rheinzabern
Willi Hellmann, SPD Fraktion, Gemeinderat Rheinzabern
Heribert Spaniol, Fraktion Bündnis90/Die Grünen, Gemeinderat Rheinzabern
Richard Ohmer, FDP Fraktion, Gemeinderat Rheinzabern“

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