Dienstag, 17. September 2019

Prächtiger Neujahrsempfang in Bad Bergzabern: Bürgermeister Ludwig: „Rückenwind nutzen“

15. Januar 2017 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße, Politik regional, Regional
Nomen est omen: "Come together Chor". Fotos: Pfalz-Express/Licht Fotogalerie am Textende

Nomen est omen: „Come together Chor“.
Fotos: Pfalz-Express/Licht
Fotogalerie am Textende

Bad Bergzabern – Der Neujahrsempfang der Kurstadt begann in diesem Jahr multikulturell.

Der „Come together Chor“ vom Haus der Familie unter der Leitung von Peter Kusenbach überraschte die rund 300 Gäste mit Songs in verschiedenen Sprachen. Deutsch, Englisch, Arabisch und Farsi waren beispielsweise vertreten.

Der Chor besteht aus Einheimischen und Flüchtlingen und ist wesentlicher Bestandteil der Integrationsarbeit im Haus der Familie, wie Leiterin Helga Schreieck berichtete. Der Gedanke, Zugewanderten mit Singen die Einbindung in das hiesige Leben mit zu erleichtern, scheint erfolgversprechend – den Flüchtlingen hat es sichtlich Spaß gemacht, ebenso ihren Betreuern und dem Publikum: Stimmung im Haus des Gastes und viel Applaus.

Im Chor sind Menschen aus Afghanistan, Iran, Somalia und Syrien aktiv. Die Wünsche für das neue Jahr wurden auf deutsch und arabisch vorgetragen.

Hameckia fordert Kasse und Schlüssel

Dann ging es Bürgermeister Dr. Fred-Holger Ludwig – wieder mal – finanziell an den Kragen: Die Karnevalsgesellschaft „Hameckia“ forderte die Stadtkasse und den Schlüssel zum Rathaus.

Da in der Stadtkasse eh gähnende Leere herrscht, dürfte es dem Stadtchef nicht sonderlich schwergefallen sein, die Kiste abzugeben – die er jedoch zuvor mit einem ansehnlichen Betrag aus dem eigenen Geldbeutel bestückt hatte.

Nachdem die Sternsinger ihren Segen erteilt und der Petronellachor Gesangsstücke dargeboten hatten, widmete sich Fred-Holger Ludwig in seiner Neujahrsansprache den Herausforderungen der Stadt.

„Trotz Schulden viel erreicht“

In einer unruhigen Welt mit vielen Konflikten und Terror sei die vermeintliche Sicherheit früherer Jahre ins Wanken geraten, sagte Ludwig. Umso mehr gelte es für jede Kommune, mehr Verpflichtungen zu übernehmen und Brücken zu bauen.

Den Wandel könne man sich zwar nicht immer aussuchen, jedoch sei es möglich, den „Rückenwind“ positiv zu nutzen und sich den Herausforderungen zu stellen. Ludwig hob in diesem Zusammenhang das Engagement vieler Ehrenamtler und professioneller Helfer hervor.

In der Stadt selbst sieht Ludwig viele Probleme, aber auch Fortschritte und Lösungen. Zum Jahreswechsel verzeichnet Bad Bergzabern eine Schuldenlast von über 17 Millionen Euro. Das entspricht einer pro-Kopfverschuldung von 2.213 Euro – 1.000 Euro mehr als der Landesdurchschnitt. Die unlängst beschlossene Erhöhung der Kreisumlage schnüre das finanzielle Korsett der Stadt noch enger, so Ludwig, freiwillige Leistungen seien im städtischen Haushalt fast nicht mehr zu schultern.

Beim Projekt generationsübergreifendes Wohnen auf dem Gelände des Möbelhauses Vogel blockiere die Kommunalaufsicht die notwendige Drittelstelle für eine Gemeinwesenmitarbeiterin. Auch die Renovierung des „Engel bereite noch immer Sorge. Dazu seien weitere Gespräche mit dem Innenministerium und der Aufsichts- und Dienstdirektion notwendig.

Trotz aller Schwierigkeiten habe man Vieles erreicht, sagte Ludwig. Straßenrenovierungen, Stadtmauerrundweg und ein gut frequentiertes Jugendheim nannte er als Beispiele. Zudem hätten die Bauarbeiten für die Umgehungsstraße in Form von Probebohrungen bereits begonnen – auch in diesem Punkt gehe es also voran. Dem Ladenleerstand in der Stadt könne man mit ein „paar Euro weniger“ Miete durchaus entgegenwirken.

Die Deutsche Bundespost habe im „Wernersgrund“ ein großes städtisches Gelände erworben, berichtete der Bürgermeister weiter. Dort soll bis Ende Oktober diesen Jahres ein Verteilerzentrum fertiggestellt werden. In diesem Zusammenhang ist auch die Postfiliale in die Stadtmitte in die Neubergstraße umgezogen.

Geehrt wurden Mathilde David, die Leiterin der Tafel Bad Bergzabern, die monatlich 400 Menschen versorgt. Die Ehrennadel der Stadt erhielt Bernhard Hülswitt, ehemaliger Beigeordneter (1984 bis 1994) und bis 2014 Leiter der Volkshochschule. Von 1999 bis 2009 war Hülswitt Ortsvorsteher von Blankenborn.

Nach Ludwigs Rede entlockten die Sprünge, Salti und Schrauben der „Minis“ des Turnvereins den Gästen jede Menge „Ahs“ und Ohs“ und Beifall. Da sehnte sich wohl manch Einer nach der Gelenkigkeit der Jugendzeit zurück.

Alfred-Grosser Gymnasium stellt sich vor

Ein Novum beim Neujahrsempfang ist das Präsentieren einer Institution, die mit der Stadt verbunden ist. Diesmal stellte sich das Alfred-Grosser Gymnasium mit Schulleiter Pete Allmann vor. Gute Schulbildung sei die einzige Antwort auf alle Fragen unserer Zeit, sagte Allmann.

Die Schülerverteter konnten im Namen von 600 Schülern „Positives von unserer Schule und dem Schulklima berichten.“ An die Adresse der Stadt richteten sie Vorschläge und Bitten, wurden aber auch selbst aktiv. Bad Bergzabern solle aus seinem „Dornröschenschlaf“ erwachen; sauberer, attraktiver und lebendiger werden. Speziell für junge Leute sei das Angebot eher gering.

Der bilinguale Kurs hatte sogar eine Umfrage gestartet. Bemängelt wurden im Ergebnis Verkehrsanbindung, Ladenöffnungszeiten, zu wenig abwechslungsreiche Gastronomie und kaum Ausgehmöglichkeiten am Wochenende. Die Schüler schlugen unter andrem eine bessere Nutzung des Kurparks vor – beispielsweise mit einem Open-Air-Kino – , oder ein Aufgreifen des Konzepts der „Villes fleurie“ aus Frankreich unter Bürgerbeteiligung. Auch die Kursleiterin appellierte an die Stadtspitze: „Springen Sie mit uns ins Boot.“

Außerdem hat die Stadt mit der Schule eine Freundlichkeitsoffensive gestartet: Jeder soll Jeden grüßen in der Kurstadt.

In Sachen Verkehrsanbindung konnte Fred-Holger Ludwig Erfreuliches verkünden: Man führe bereits Gespräche mit Bundesbahn, um die Fahrzeiten so zu gestalten, dass man am Wochenende auch nach Mitternacht nach Bad Bergzabern komme. Es könne nicht sein, dass die Stadt vom sozialen und gesellschaftlichen Leben abgehängt werde, so Ludwig.

Die musikalische Untermalung des Abends leistete die hervorragende Jazz-Combo von der Big Band des Gymnasiums unter der Leitung von Theodor Schmidt, unter anderem mit Soli von Trompeter Helmut Breuner. (cli)

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