
Claudia Roth
Foto: dts Nachrichtenagentur
Berlin – Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) bedauert, sich nicht bereits vor der von antisemitischen Darstellungen geprägten Documenta-Eröffnung entschiedener zu Wort gemeldet zu haben.
Gelernt habe sie aus dem Vorgang, „dass ich mehr mitreden möchte, sobald der Bund Geld gibt“, sagte sie dem „Stern“. Die antisemitischen Motive hätten bei der Ausstellung zeitgenössischer Kunst in Kassel nicht gezeigt werden dürfen.
Zu sehen war unter anderem eine Figur mit Schweinsnase, die einen Davidstern trug. „Die Aufklärung, wie es dazu kommen konnte, steht noch aus“, sagte die Grünen-Politikerin. Sie sprach von einer „Kette der Verantwortungslosigkeit“ in Kassel und fügte hinzu, dass der Bund in den Strukturen der Documenta nicht vertreten sei und alle relevanten Entscheidungen zur diesjährigen Ausstellung bei ihrem Amtsantritt bereits gefallen waren.
„Vielleicht hätte ich bei den Diskussionen im Vorfeld der Documenta-Eröffnung lauter und deutlicher sein sollen, sein müssen“, räumte sie ein. Roth wandte sich gegen alle Versuche, antisemitische Darstellungen durch den Verweis auf die Herkunftsländer der Künstler zu relativieren. Sie sagte: „Antisemitismus ist und bleibt Antisemitismus, ob in Indonesien, in der Türkei oder sonst wo.“
Wenn ausländische Künstler zu einer deutschen Ausstellung eingeladen würden, müssten sie wissen, „was historische Verantwortung gerade hier bedeutet“. Zwar sei Antisemitismus keine deutsche Erfindung, aber Auschwitz sei es. „Und das macht den Unterschied aus.“ Roth sagte zudem zu, gegen jeden Boykott jüdischer und israelischer Künstler in Deutschland vorzugehen. „Wenn ich von einem nachweisbaren Fall Kenntnis bekomme, werde ich sofort eingreifen“, sagte sie.
Eine solche Ausgrenzung sei nicht akzeptabel. Sie sei aber auch gegen einen „umgekehrten Kulturboykott“, der sich gegen all jene richte, die einmal Sympathien für die gegen Israel gerichteten Bewegung BDS gezeigt hätten. (dts Nachrichtenagentur)
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