Dienstag 11.August 2026

Feierliches Gelöbnis in Kandel: Bundeswehr und Gesellschaft im Schulterschluss

24. September 2025 | Kategorie: Kreis Germersheim, Regional

Die Oberstleutnante Christian Zerau und Alexander Große, Landrat Martin Brandl und Kandels Stadtbürgermeister Michael Gaudier schreiten die Reihen ab.
Foto: Pfalz-Express / Licht – Bilderstrecke am Textende

Kandel – 240 junge Soldaten der 2. und 4. Kompanie des Luftwaffenausbildungsbataillons aus Germersheim haben am 24. September im frisch sanierten Bienwaldstadion ihr feierliches Gelöbnis abgelegt.

Ebenfalls dabei waren 25 Rekruten des ABC-Abwehrregiments 750 Baden aus Bruchsal mit ihrem Kommandeur Oberstleutnant Alexander Große. Trotz Dauerregens wurde es für die Rekruten, ihre Angehörigen, die Stadt Kandel und das Bataillon zu einem strahlenden Tag. Auch etliche Zaungäste interessierten sich für das Geschehen. 

Schweigemoment für verstorbenen Kameraden

Zu Beginn bat der Kommandeur des Luftwaffenausbildungsbataillons, Oberstleutnant Christian Zerau, um einen Moment der Stille für Hauptmann Sascha Tikwe, der wenige Tage zuvor überraschend verstorben war. „Wir alle vermissen ihn schmerzlich“, sagte Zerau.

Foto: Pfalz-Express / Licht

In seiner Ansprache betonte der Kommandeur, wie wichtig es sei, dass Gelöbnisse nicht hinter Kasernenzäunen, sondern mitten in den Städten und Gemeinden stattfinden. So werde die Verbundenheit zwischen Bundeswehr und Gesellschaft sichtbar und erlebbar. Besonders freute ihn, dass auch Schüler aus Kandel an der Zeremonie teilnehmen durften. Das hatte Stadtbürgermeister Michael Gaudier möglich gemacht. 

Foto: Pfalz-Express / Licht

Zerau begrüßte zudem Landrat Martin Brandl, der die Gelöbnisrede hielt, und dankte Michael Gaudier für die Gastfreundschaft. Gaudier und Zerau hoben in ihren Ansprachen hervor, dass die Bundeswehr und ihre Angehörigen ihren Platz mitten in der Gesellschaft haben müssten. 

Zerau merkte an, dass der 24. September seit Kurzem ein offizieller Gedenktag der Luftwaffe ist. An diesem Tag wird nicht nur der Geschichte des Verbands gedacht, sondern auch der Gefallenen und im Dienst verstorbenen Kameraden. „Sie alle, liebe Rekrutinnen und Rekruten, werden nun Teil dieser Geschichte“, sagte Zerau.

Seine Rede endete mit klaren Worten: Der Soldatenberuf sei kein leichter Weg, er fordere viel, auch von den Familien. Doch niemand müsse ihn allein gehen. „Sie stehen niemals allein. Sie gehen diesen Weg gemeinsam mit uns, gestärkt durch den Rückhalt der Bevölkerung“, so Zerau. „Sie alle haben sich freiwillig dazu entschieden, Teil unserer Streitkräfte zu werden. Sie wollen ihren Anteil dazu beitragen, den Frieden, die Freiheit und die Sicherheit unseres Landes und seiner Bürgerinnen und Bürger zu schützen und zu bewahren. Eine Bereitschaft, die unser Land mehr denn je benötigt.“

Spektakel am Himmel

Ein besonderer Hingucker war der Auftritt der Technik: Mit lautem Rotorenknattern erhob sich ein Hubschrauber des Hubschraubergeschwaders 64 aus Laupheim direkt vom Stadionrasen. Mit schwungvollen Kurven zog er in den grauen Himmel davon, ein Manöver, das viele Besucher den Regenschirm vergessen ließ. Wenig später summte auch eine Drohne des Bataillons über die Szenerie und zog ihre sirrenden Kreise. Ein Hauch von Hightech in Kandel. 

Foto: Pfalz-Express / Licht

„Lebendige Verbindung zum Bataillon“

Für Stadtbürgermeister Gaudier steht das Gelöbnis der Rekruten für die enge Verbindung zwischen Kandel und der Bundeswehr. Über die Patenschaft zwischen der Stadt Kandel und der 5. Kompanie des Luftwaffenausbildungsbataillons Germersheim sagte er, sie zeige sich im Alltag durch persönliche Begegnungen, gemeinsame Veranstaltungen und die aktive Zusammenarbeit bei Sport-Events wie dem Bienwald-Marathon oder dem Benefizlauf „Kandel läuft“. Diese Verbindung sei lebendig und präge das Zusammenwirken von Stadt und Bundeswehr weit über offizielle Anlässe hinaus.

Foto: Pfalz-Express / Licht

Gaudier betonte außerdem, dass das Gelöbnis mehr sei als eine formale Verpflichtung: Es sei ein öffentliches Bekenntnis, Verantwortung für die Sicherheit des Landes, für Frieden und Stabilität in Europa zu übernehmen. Dabei sei der Rückhalt von Familie, Freunden und der Gesellschaft unverzichtbar. „Unser Kandel steht hinter Ihnen. Ganz Deutschland zählt auf Sie“, sagte der Stadtbürgermeister an die Rekruten gerichtet.

„Bundeswehr schützt Rechtsstaat“ 

Brandl erinnerte daran, dass auch seine eigene Geschichte eng mit der Bundeswehr verknüpft ist – unter anderem durch seinen damaligen Ausbilder, den für Pressearbeit zuständigen Stabsfeldwebel Frank Wiedemann. „Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, wie wichtig Zusammenarbeit und Vertrauen sind“, sagte Brandl. „Werte, die hier in Kandel besonders spürbar werden, nahe der ehemaligen Grenze zu Frankreich, einem Ort, der früher Trennung symbolisierte und heute gelebte Freundschaft und enge Zusammenarbeit zeigt.“

Der Landrat hob hervor, dass die Bundeswehr Deutschland schützt, die NATO unterstützt und die Freiheit des Landes verteidigt. „Die Zeiten haben sich geändert“, betonte er, „die aktuelle Sicherheitslage ist eine andere als in den vergangenen Jahrzehnten.“

Brandl kritisierte ausdrücklich sogenannte „Putin-Versteher“ von „Recht und Links“, die Autokraten unterstützen, gleichzeitig den Rechtsstaat nutzten, um ihre eigene Meinungsfreiheit für sich beanspruchen, während sie andere einschränken.

In der Welt dürfe nicht das Recht des Stärkeren herrschen, so Brandl. Die Bundeswehr sei ein Bollwerk für die Demokratie und die freiheitlichen Werte Europas. Deshalb müsse die Bundeswehr gestärkt werden, zum Beispiel durch einen allgemeinen Pflichtdienst von einem Jahr, der auch die Verbindung zwischen der Truppe und den Gemeinden fördern könne.

„Angesichts der Situation in unserem Land, angesichts der Krisenherde und der politischen Lage in Europa und vielen Ländern außerhalb Europas brauchen wir unsere Bundeswehr vielleicht mehr als je zuvor. Sie, sehr geehrte Soldatinnen und Soldaten, halten unser Grundgesetz und die Werte Europas und der freien Welt in besonderem Maße hoch“, so Brandl. 

Nach der Rede des Landrats setzte sich das feierliche Programm fort: Das Heeresmusikkorps Ulm untermalte die Zeremonie, bevor die Rekrutinnen und Rekruten ihr Gelöbnis ablegten. Sie versprachen feierlich, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und sie tapfer zu verteidigen. Ein Moment, der von Stolz und dem Respekt der Familien, Freunde und Gäste getragen war. Auch die Nationalhymne wurde gespielt und mitgesungen. Auf Aufforderung Zeraus gab es zudem einen tosenden Applaus für die nun frisch verpflichteten Rekruten.

Foto: Pfalz-Express / Licht

Ausklang in der Bienwaldhalle

Nach der Zeremonie traf man sich in der Bienwaldhalle zum Ausklang und tauschte Freundschaftsbekundungen aus. Oberstleutnant Zerau nahm das Wappen der Stadt Kandel von Stadtbürgermeister Gaudier entgegen, während Gaudier im Gegenzug von Zerau einen leckeren Wein erhielt. Landrat Brandl bekam ebenfalls Wein und zusätzlich das Wappen des Bataillons. (cli)

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