
Die MItglieder der BIGS präsentierten auf ihrer Portestveranstaltung gegen den Bau von Geothermiekraftwerken Zahlen und Fakten. (Fotos:Licht)
Steinweiler – „Seit der so genannten „vorläufigen Inbetriebnahme“ des Geothermiekraftwerks (GKW) Insheim ist die Anzahl der beim Landesamt für Geologie und Bergbau (LGB) registrierten induzierten Erdbeben binnen kürzester Zeit auf inzwischen neun angewachsen.“ Das sagt die Bürgerinitiative Geothermie Steinweiler (BIGS), die sich seit ihrer Gründung vor zweieinhalb Jahren die Verhinderung des Baus eines GKW in Steinweiler auf die Fahnen geschrieben hat.
Parallel zum Startschuss der Inbetriebnahme des GKW in Insheim rief die BIGS zu einer Protestveranstaltung in Steinweiler auf. Und Viele kamen, um sich bei Vorträgen und Ausführungen des Vorstandsvorsitzenden, des Dipolm-Ingenieurs Walter Ecker und des Vorstandsmitglieds Werner Forkel, einem Rechtanwalt, zu informieren.
Geothermie sei teuer, gefährlich und ineffizient, sagt Ecker, der sich als Fachmann intensiv in die Geothermie und ihre Auswirkungen eingearbeitet hat und jede Menge Fakten präsentiert.
Demnach sollen seit 10.11.2012 vier weitere Erdbeben aufgetreten sein, das stärkste mit einer durchschnittlichen Spitzenmagnitude von 1,8 am Mittag des 12.11.2012 um 12:15 Uhr , die anderen drei mit 1,4 (2 mal) und 1,5. (Quelle: LGB). Das Epizentrum der letzten drei Beben lag ganz in der Nähe der Autobahnanschlussstelle Rohrbach der A65. Das Epizentrum des letzten Bebens (12.11.2012, 13:53 Uhr ) lag weniger als 1 km von der Bebauung von Rohrbach entfernt, so die BIGS.
Schlichtweg unverständlich findet Ecker den Hype um die Geothermie. „Neben der ständigen Erdbebengefahr stellt die aus unserer Sicht beträchtliche Lärmentwicklung durch den Betrieb der Pumpen und Lüfter eine weitere nicht hinnehmbare Beeinträchtigung der Wohnqualität dar.“ Risse an Häusern, Absenkungen, nicht mehr zu öffnende Fenster, schleifende Türen, Wertsenkungen bei Häusern und Grundstücken seien zu befürchten durch die beim Betrieb eines Kraftwerks verursachten seismischen Ereignisse: „Die Erdbebenwellen machen nicht an Gemarkungsgrenzen halt.“
Auch die Wirtschaftlichkeit zeige eine katastrophale Bilanz auf, rechnet die BIGS am Beispiel der Zahlen der Evonik NE beim seinerzeit geplanten Kraftwerk in Steinweiler auf: Die Evonik NE als zukünftiger Kraftwerksbetreiber erhielte laut BIGS nach dem EEG-Gesetz pro erzeugter Brutto-Kilowatt-Stunde eine Vergütung von 0,20 €.
Diese würde gezahlt für die brutto erzeugten 6,5 MW, nicht nur für die tatsächlich eingespeisten 4,2 MW. Dies ergäbe eine rechnerische Einspeisevergütung von 10,4 Mio. Euro bei einer Basis von 8000 Betriebsstunden im Jahr. „Kauft man diesen Strom an der Leipziger Strombörse, so zahlt man derzeit rund 0,04 Euro pro kWh, die vom Geothermiekraftwerk eingespeiste Jahresleistung hätte einen Wert von 1,344 Mio. Euro. Die 0,20 € pro kWh werden dank EEG dem Betreiber auf 20 Jahre garantiert, das ergibt für den Beteiber über 200 Millionen Euro aus dem Betrieb des Kraftwerks“, sagt Ecker. Und: „Der Bürger bezahlt diese Subventions-Millionen über seine Stromrechnung.“
Insgesamt gäbe es keinen einzigen Vorteil durch die Geothermie, sondern nichts als Nachteile, sind Ecker und seine Mitstreiter überzeugt: Lärmbelästigung, gesundheitliche Einschränkungen, Erdbebengefahr, potentielle Schäden am Eigentum, keine Arbeitsplätze, weiter steigende Strompreise, Verlust an landwirtschaftlicher Nutzfläche, keine Gewerbesteuerzahlung, keine Konzessionsabgaben.
Dennoch ist das Geothermiekrakftwerk der Pfalzwerke in Insheim seit zwei Wochen am Netz. Wie geht es für die BIGS weiter? „Wir werden weiterkämpfen und weiter aufklären“, sagt Walter Ecker mit Nachdruck. (cli)

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