
Ditib-Vertreter bei einer Feierlichkeit in der Moschee in Germersheim.
Foto (Archiv): Pfalz-Express
Germersheim – Der AfD-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Matthias Joa fordert von Germersheims Bürgermeister Marcus Schaile (CDU), die Genehmigung für den Muezzin-Ruf zurückzunehmen.
Der Stadtchef hatte in Absprache mit dem Integrationsbeirat zugestimmt, dass ein Mal am Tag um die Mittagszeit der Muezzin-Ruf für die Islamgemeinschaften Ditib und Millî Görüş über Lautsprecher verbreitet werden darf.
Auf den Seiten des Verfassungsschutzes werde Millî Görüş als dem Islamismus nahestehende Organisation definiert, die allgemein „weltliche“ Ordnungen ablehne, so Joa. Es bestünden antisemitische Tendenzen, Integrationsfeindlichkeit herrsche vor, nur die „göttliche Ordnung Allahs“ werde anerkannt. Die DITIB werde ebenso wie Millî Görüş aus der Türkei gesteuert, vertrete die Werte des politischen Islams und wirke desintegrativ. Ein Beispiel sei auch das „kompromisslose Verhalten der DITIB-Gemeinde beim Germersheimer Moscheebauprojekt“, sagt Joa.
Die Stimmung vor Ort sei „einschüchternd“. Gerade während der Corona-Krise gelte es, für Demokratie und Rechtstaat einzustehen. Bürgermeister Schaile sei mit seiner Entscheidung den Weg des (vermeintlich) geringsten Widerstands gegangen. „Die Beschallungs-Erlaubnis ist falsch und unverantwortlich, denn gerade DITIB wird so für vergangene Desintegration und mangelnde Kompromissbereitschaft auch noch belohnt.“
Schaile solle „diese untragbare Entscheidung unverzüglich zurückzunehmen.“ Auch die Argumentation, der islamische Gebetsruf sei mit der Tradition des Glockenläutens vergleichbar, gehe fehl, denn mit dem Ruf würden islamische Botschaften in Germersheim verbreitet.
„Nicht benachrichtigt worden“
Stadtrat Alfons Braun, Fraktionsvorsitzender der AfD, kritisiert, dass man nicht vom Bürgermeister informiert worden sei. „Zu keinem Zeitpunkt wurde ich oder meine Fraktion von Herrn Schaile über die aktuellen Vorgänge informiert. Weder wurden wir im Vorfeld vom Ansinnen der beiden Moscheegemeinden in Kenntnis gesetzt, noch fand eine Aussprache darüber mit unserer Fraktion statt.“ Alle Informationen habe seine Fraktion im Nachhinein aus den Medien erhalten, bzw. sich durch einen Vor-Ort-Besuch selbst ein Bild von der Lage gemacht. Die AfD sehe hier eine Missachtung des gewählten Stadtrats durch den Bürgermeister und werde die Vorgänge rechtlich prüfen lassen, so Braun.
Auch Braun will Kirchengeläut nicht mit Muezzin-Rufen gleichgesetzt wissen. Glocken läuteten nur als Klangsignal, ohne Worte, die eine explizite religiöse Botschaft vermitteln würden, oder zeigten auch die Uhrzeit an, wohingegen der Ruf des Muezzins immer direkte Religionsausübung sei. Braun betonte ebenfalls, dass Millî Görüş beim Verfassungsschutz als radikal-islamische Bewegung aufgeführt und Ditib aus der „Türkei gesteuert“ werde. Sich beschwerende Anwohner seien barsch von einem Milli Görus-Mitglied abgewiesen worden.
Öffentliche Muezzin-Rufe stießen nicht nur bundesweit, sondern auch in Germersheim auf starke Vorbehalte in der Bevölkerung, meint Braun, was zuletzt bei den Diskussionen um den Neubau eine Ditib-Großmoschee in der Kreisstadt deutlich geworden sei. (red)
Info Gebetsruf
Allah ist der Allergrößte, ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer Allah gibt, ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Allahs ist, auf zum Gebet, auf zum Erfolg, Gebet ist besser als Schlaf (nur vor dem Morgengebet), Allah ist der Allergrößte, es gibt keine Gottheit außer Allah.
Manche Passagen werden mehrmals wiederholt.
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