Sonntag, 19. November 2017

Grande Dame der FDP: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

9. Dezember 2016 | noch keine Kommentare | Kategorie: Leute, Nachrichten, Politik
Sujetbild: dts Nachrichtenagentur

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Berlin  – Die ehemalige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher ist tot.

Sie starb im Alter von 95 Jahren, teilte der bayerische FDP-Landesverband mit. „Mit ihr verliert Deutschland eine große liberale Persönlichkeit“, so FDP-Landeschef Albert Duin. „Vor allem als Bildungspolitikerin hat sie sich große Verdienste erworben.“

Hamm-Brücher war unter Bundeskanzler Helmut Schmidt Staatsministerin im Auswärtigen Amt und 1994 Kandidatin für das Bundespräsidentenamt.

Stimmen zum Tod von Hildegard Hamm-Brücher

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger würdigte die Verstorbene als den „Inbegriff der gelebten Bürgergesellschaft“. Zu jeder Zeit habe Hamm-Brücher vor der Verharmlosung extremer Gesinnungen gewarnt, „die das Immunsystem unserer Demokratie gefährden“.

Sigmar Gabriel

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat die im Alter von 95 Jahren verstorbene Politikerin Hildegard Hamm-Brücher als „eine Ausnahmeerscheinung im politischen Alltag“ gewürdigt. „Mit ihr verliert Deutschland eine ebenso streitbare, wie überzeugt liberale Politikerin und eine hochgeachtete Persönlichkeit. Sie hat die Geschichte der jungen Bundesrepublik seit 1948 entscheidend mitgestaltet“, so Gabriel.

„Hildegard Hamm-Brücher hatte in ihrer eigenen Familie die grausamen Auswirkungen der Nazi-Diktatur erfahren müssen. Diese Erlebnisse hatten sie zu der starken und unbeugsamen Demokratin werden lassen, die über alle Parteigrenzen hinweg geschätzt und verehrt wurde.“ Sie sei überzeugt gewesen, dass Demokratie „immer neu erstritten werden muss, dass Frieden und Freiheit keine Selbstverständlichkeiten sind“, so der SPD-Chef weiter. Die „permanente Mahnung wachsam zu sein gegenüber allen Tendenzen des Rechtsradikalismus und Antisemitismus“ sei ihr Vermächtnis.

Joachim Gauck

Bundespräsident Joachim Gauck hat Miriam Hamm zum Tod ihrer Mutter, Hildegard Hamm-Brücher, kondoliert. „Hildegard Hamm-Brücher war eine der ersten Frauen, die in der Politik der Bundesrepublik aktiv waren und selbstbewusst ihren Weg gegangen sind. Ihre Mutter stand wie kaum eine andere für einen Liberalismus, der sich für Bürgerrechte, Zivilcourage und demokratische Kultur einsetzte“, so Gauck. „Hildegard Hamm-Brücher besaß Anstand und Maß und war offenen Sinnes für andere und Andersdenkende. Mit ihrer aufrichtigen Liberalität bleibt sie auch für nachfolgende Generationen ein Vorbild.“

Volker Wissing

„Die FDP Rheinland-Pfalz trauert um Hildegard Hamm-Brücher. Mit ihr ist eine große, streitbare und von allen geachtete Freiheitskämpferin von uns gegangen“, so der Vorsitzende der FDP Rheinland-Pfalz, Dr. Volker Wissing.

„Sie ist als Grande Dame des Liberalismus stets konsequent für Freiheits- und Bürgerrechte eingetreten. Es war ihr dabei egal, ob sie als unbequem oder streitbar empfunden wurde, ihr ging es stets um die Sache und für die hat sie mit aller Leidenschaft und Kraft gekämpft. Der Verlust dieser Ikone des Liberalismus in Deutschland schmerzt die Freien Demokraten nicht nur in Rheinland-Pfalz. In unseren Gedanken und mit unserer Trauer sind wir bei den Angehörigen, Freunden und allen Liberalen in ganz Deutschland.“

Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzende

„Mit Hildegard Hamm-Brücher verliert Deutschland eine aufrechte Demokratin. Ihr gesellschaftliches Engagement war beispielhaft. Durch die bitteren Erfahrungen während der Nazi-Zeit, als sie bei ihrer jüdischen Großmutter aufwuchs, wurden Freiheit und Liberalismus zu Schlüsselbegriffen ihres Denkens und Handelns.

„Demokratie muss erkämpft werden“, hat sie einmal gesagt. Ein Satz, der heute wieder ungeahnt aktuell ist. Hamm-Brücher war eine Liberale im besten Sinne: Tolerant, weltoffen und demokratisch. Die FDP von heute war dennoch schon lange nicht mehr ihre politische Heimat. Hildegard Hamm-Brücher war Bündnis 90/Die Grünen seit langem freundschaftlich und zugleich kritisch verbunden. Von den hessischen Grünen wurde sie in den Jahren 2010 und 2012 als Wahlfrau für die Wahl des Bundespräsidenten nominiert. Für sie waren die Parteien Teil der Demokratie, aber nicht die ganze Demokratie. Den Defiziten unserer Demokratie wollte sie mehr Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger entgegensetzen. Wir trauern um eine große Liberale und gute Freundin.

(dts Nachrichtenagentur/red)

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