Freitag, 15. Januar 2021

Wörther Tafel: „Nicht alle Menschen haben ihr täglich Brot“ – Zahl der Bedürftigen ist hoch

23. November 2013 | Kategorie: Allgemein, Kreis Germersheim, Regional

Freiwillige Helfer.
Fotos: Dr. Eckenfels-Kunst

Wörth – „Nicht alle Menschen haben ihr täglich Brot – und dennoch gibt es Lebensmittel im Überfluss.“ Das ist das Motto der Wörther Tafel e.V.

Ehrenamtliche Mitarbeiter sammeln hierfür Lebensmittelspenden, die sonst im Müll landen würden. Die Wörther Tafel, die es seit 2005 gibt, sammelt regelmäßig Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden, aber noch einwandfrei für den Verzehr sind. Das hilft nicht nur den Bedürftigen, sondern schont auch die Umwelt.

Für eine Pauschale von zwei Euro werden die Lebensmittel jeden Donnerstag im Tafelladen an Bedürftige verteilt. Wer nicht selbst zur Tafel kommen kann, der wird aus den umliegenden Gemeinden abgeholt oder das Essen wird gebracht.

„Ich bin 36 Jahre alt und komme seit vier Jahren zur Tafel“, so eine junge, bedürftige Mutter. Wegen der Krankheit ihres ältesten Kindes konnte sie nicht arbeiten, nun falle der Wiedereinstieg schwer. „Es ist nicht leicht, hierher zu kommen, den eigenen Stolz zu verstecken“, erzählt sie. Durch das gesparte Geld, kann sie ihren Kindern mal etwas bieten, was sonst nicht drin wäre.

„Ohne die Tafel würde ich gar nicht mit meinem Geld auskommen. Gerade Sportsachen, Kleidung oder Zahnspangen sind teuer. Und man hat ja noch tausend andere Ausgaben.“ Zwar helfe der Staat viel, aber das Geld sei eben nur zum Überleben. „Ich möchte gerne wieder in die Arbeitswelt reinfinden“, erklärt die Frau. Bis es soweit ist, sei es gut, dass es die Tafel gebe.

„Aktuell versorgen wir 204 Kinder bis zum 18. Lebensjahr“, so der erste Vorsitzende Thomas Stuhlik. Daher gibt es zu Ostern und Weihnachten Aktionen, wie etwa ein Windelpaket für die Kleinsten sowie eine Weihnachtsfeier im Mehrgenerationenhaus. „Die Kinder dürfen einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann schicken mit Wünschen bis zu 20 Euro. Bei der Feier gibt es ein Essen, ein Theaterstück und dann kommt der Weihnachtsmann“, so der Vorsitzende. Sponsoren sind hierbei Starcare und die Pfeiffer & May–Stiftung. Die älteren Kinder bekommen einen Bekleidungsgutschein.

Die beiden Vorsitzenden der Wörther Tafel, Thomas Stuhlik (rechts, 1. Vorsitzender) und Peter Jürgen Wolters (2. Vorsitzender).

Insgesamt werden momentan 221 Familien versorgt – aber rund 1100 Familien hätten Anspruch. „Wir sehen uns in der Situation, dass wir ein Auffangbecken sind und mit Rat und Tat helfen. So können die Leute etwas sparen, das Geld können sie für anderes ausgeben wie Kino, ein Eis oder auch mal einen Urlaub. Aber letztendlich ist es eine Schande, dass es die Tafel gibt, denn Staat und Arbeitgeber versagen“, meint Stuhlik.

Rund ein Viertel aller Bedürftigen seien Rentner. Wahrscheinlich hätten wesentlich mehr Anspruch auf Hilfe, denn Altersarmut ist weit verbreitet. Aber: „Die Rentner schämen sich halt“, so der zweite Vorsitzende Peter Jürgen Wolters. „Wenn man 30 oder 40 Jahre gearbeitet hat und dann ein Almosen annehmen muss, ist das hart.“ Besonders wenn man von durchschnittlich 800 Euro Rente leben müsse und Miete zu zahlen habe, sei das sehr schwer.

Auch die Zahl der bedürftigen Asylanten habe in den letzten beiden Monaten zugenommen. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, der GUS und vielen weiteren Staaten weltweit. Niedriglöhner, Alleinerziehende, Witwen, aber auch psychisch kranke Menschen und Drogenabhängige, Sozialhilfe- oder Harz IV- Empfänger kommen dazu.

Nur Dank der 117 ehrenamtlichen Helfer, die wöchentlich rund 400 Stunden für die Tafel arbeiten, ist alles zu schaffen, erzählt Stuhlik. Hinzu komme der hohe Verwaltungsaufwand, den die Vorsitzenden zu stemmen hätten. Um Geld zu sparen – schließlich will sogar die Stadt Wörth Miete für die gestellte Halle, hinzu kommen Versicherungen, Nebenkosten sowie die Fahrzeuge mit Benzin – wird die Verwaltungsarbeit daheim abends im Keller erledigt.

Außer den Helfern vor Ort fährt die Spedition Nuss aus Wörth seit Jahren deutschlandweit kostenlos für die Tafel, wenn Paletten von Lebensmitteln zum Abholen gemeldet werden. Auch die Firma Dachser fährt Frisch- und Tiefkühlwaren für die Tafel, allerdings gegen Gebühr. „Etwa zwei bis drei Tonnen Lebensmittel kommen schon zusammen“, so Stuhlik. „Die zwei Euro Pauschale, die die Bedürftigen bezahlen, ist unsere einzige Einnahme außer den Spenden und deckt gerade so die Miete.“

„Bloß Rentner sein“, das wollte er nicht, so Wolters, daher habe er in der Tafel angefangen. Es sei schon eine schöne Sache, denn man sähe, dass die Hilfe bei Menschen in Not ankomme. Auch Stuhlik verbringt zwischen 40 bis 80 Stunden pro Woche mit ehrenamtlicher Arbeit für die Tafel. Dennoch sei es viel. Weitere Hilfe kann die Wörther Tafel e.V. also immer gut gebrauchen – sei es als Tafel-Lieferant, aktives Mitglied oder mittels Spenden. (sek)

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