Washington – US-Landwirtschaftsminister Thomas Vilsack warnt die EU vor Verzögerungen beim geplanten Freihandelsabkommen TTIP mit den USA.
„Die Obama-Administration ist ein großer Verfechter freien Handels. Deshalb ist es für Europa das Beste, die TTIP-Verhandlungen mit der Obama-Regierung bis Ende des Jahres abzuschließen, anstatt auf einen neuen Präsidenten zu warten, bei dem sich Europa nicht so sicher sein kann, wie dessen Position aussieht“, sagte Vilsack im Interview der „Welt“.
Im US-Präsidentschaftswahlkampf hatten sich die aussichtsreichsten Bewerber wie Donald Trump, Hillary Clinton und Bernie Sanders skeptisch gegenüber dem Handelsabkommen geäußert.
Vilsack stellte an die EU allerdings klare Bedingungen: „Wenn die USA nicht wieder vor das WTO-Schiedsgericht ziehen sollen, muss die EU wie vereinbart stärker den Import von hormonfreiem Rindfleisch zulassen.“
Die USA habe den Import von Rindfleisch sowie eine Reihe anderer Lebensmittel aus Europa erlaubt. „Leider haben wir von der EU keine ähnlichen Anstrengungen gesehen, was zu einer gewissen Frustration geführt hat“, sagte Vilsack.
Weder habe sich Europa beim Import von hormonbehandeltem Rindfleisch bewegt, noch bei der Frage, welche Mittel erlaubt sind, um Lebensmittel von Erregern wie Salmonellen zu befreien.
Die Ängste vieler Deutscher vor einem Absinken von Verbraucherschutzstandards kann Vilsack nicht nachvollziehen. „Bei uns ist die Wahrscheinlichkeit einer Bakterien-Belastung in Hühnchen geringer als in Europa“, sagte Vilsack.
Auch werde es zu keiner Überschwemmung des europäischen Marktes durch US-Produkte kommen. Schon heute sitzen sieben der wichtigsten US-Handelspartner in Asien. „Dieser Trend wird sich durch das rasante Anwachsen der Mittelschicht fortsetzen, unsere Exporte werden vor allem dorthin gehen“, sagte Vilsack.
Der US-Landwirtschaftsminister sieht trotz der eher schleppenden Verhandlungen noch die Chance, die TTIP-Verhandlungen wie geplant bis Ende des Jahres abzuschließen. „Es wird nicht einfach, gerade im Bereich Landwirtschaft liegen beide Seiten in einigen Punkten noch auseinander“, sagte Vilsack. „Aber es gab zuletzt Fortschritte, deshalb bin ich hoffnungsvoll.“(dts Nachrichtenagentur)

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