
Universität Germersheim.
Foto: Pfalz-Express
Germersheim/Landau/ Die Landesregierung in Mainz will demnächst eine Entscheidung zur Fusion des Uni-Standorts Landau der Universität Koblenz-Landau mit der Technischen Universität Kaiserslautern treffen.
Anstoß der derzeitigen Diskussion um eine „Universität der Pfalz“ oder „Pfalz-Universität“ ist das Hochschulzukunftsprogramm des Landes Rheinland-Pfalz, das den Ausbau der Kooperationen der Hochschulen in den Regionen definiert.
Im Gespräch ist nun auch der Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK) in Germersheim, der zur Gutenberg-Universität in Mainz gehört.
Den Germersheimer Ableger hatte unter anderem der Landauer Oberbürgermeister Thomas Hirsch (CDU) und der FDP-Kreisverband Germersheim als möglichen Dritten im Bunde einer „Pfalz-Universität“ angedacht. Es dürfe diesbezüglich keine Denkverbote geben, sagten sowohl Hirsch als auch der FDP-Kreisvorsitzende Christian Völker (siehe dazu auch Statement OB Hirsch ganz unten).
Nur auf den ersten Blick sinnvoll
Die Stadt Germersheim allerdings sieht die Sache anders. Eine Integration des Germersheimer Fachbereichs der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in eine Universität der Pfalz wäre aus ihrer Sicht nur auf den ersten Blick sinnvoll.
So stelle das Germersheimer Sprachenangebot sicherlich eine Aufwertung der neu zu schaffenden Universität dar und auch die stark internationale Ausrichtung und Vernetzung dürfe zu einer deutlich verbesserten Sichtbarkeit insbesondere des Standorts Landau in der Außenwahrnehmung führen, so die Stadt in einer Pressemitteilung.
Mit dem Schwerpunkt auf der Lehrerausbildung unterscheide sich aber die grundsätzliche Forschungsausrichtung Landaus, etwa im Bereich der Linguistik, so grundlegend und deutlich von Germersheim, dass von einer „Zusammenarbeit kaum Synergien zu erwarten sein dürften.“
Finanzielle Ausstattung in Landau „Anlass zur Sorge“
Die derzeitige finanzielle und räumliche Ausstattung der Universität in Landau gebe zudem „größten Anlass zur Sorge“, dass es zwangsläufig zu einer deutlichen Verschlechterung der Rahmenbedingungen in Forschung und Lehre nicht nur in Germersheim, sondern für alle Beteiligten kommen könnte.
„Mit der zentralen Frage nach der maschinellen Übersetzbarkeit prägt der Germersheimer Fachbereich schon jetzt die Forschung im Bereich der digitalen Sprachverarbeitung in der künstlichen Intelligenz und arbeitet somit an einem Kernthema der Digitalisierung“ so der Erste Beigeordnete der Stadt Germersheim, Dr. Sascha Hofmann, der früher selbst im FTSK tätig war und die Internas bestens kennen dürfte.
Hofmann: Verbindung zu Voll-Uni wäre zerstört
„Die Aufgabe der Verbindung zur Johannes Gutenberg Universität in Mainz würde für den FTSK auch die Zugehörigkeit zu einer der größten deutschen Volluniversitäten beenden“, so Hofmann weiter.
Die derzeitigen Synergieeffekte in der Forschung, die durch die Integration des FTSK in eine solche Volluniversität naturgemäß bestehen, würden sich zwangsläufig zunächst drastisch verringern und die bislang erreichte Stellung in der internationalen Forschungslandschaft wäre in Gefahr, ist sich Hofmann sicher. „Auch das Verlassen der strategischen Allianz der Rhein-Main-Universitäten würde sich langfristig sicher negativ auf das Forschungsklima in Germersheim auswirken“,
Anstoß der derzeitigen Diskussion um eine Universität der Pfalz ist offensichtlich das Hochschulzukunftsprogramm des Landes Rheinland-Pfalz, das als Handlungsfeld den Ausbau der Kooperationen der Hochschulen in den Regionen definiert.
Schaile: Standort Germersheim würde geschwächt
„Es sind genau diese regionalen Kooperationen, für die sich die Stadt Germersheim schon in der Vergangenheit stark gemacht hat. Mit der Einrichtung eines Studiengangs im Bereich der Elektrotechnik durch die Universität und Hochschule Kaiserslautern in Kooperation mit der regionalen Industrie am Standort Germersheim, sehen wir uns im Handlungsfeld der Kooperation sehr gut aufgestellt und bieten derzeit zwei wichtigen Universitäten des Landes Rheinland-Pfalz weitere Entwicklungs- und Kooperationsmöglichkeiten“, erläutert der Germersheimer Bürgermeister Marcus Schaile (CDU).
Schaile ist sich sicher, dass die im Gedankenspiel angedachte Verschmelzung der Uni Landau mit dem FTSK in Germersheim mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer dauerhaften Verlegung der Germersheimer Fächer auf den Landauer Campus führen, wodurch der Hochschulstandort Germersheim nachhaltig geschwächt oder gänzlich aufgelöst werden könnte. „Der Hochschulstandort Germersheim muss erhalten bleiben“, betont Schaile.
Statement OB Thomas Hirsch
„Die Idee einer «Universität der Pfalz» hat Charme und Potential „- allerdings, so der Landauer Stadtchef, müssten „sowohl die Westpfalz als auch die Südpfalz gestärkt aus diesem Prozess“ hervorgehen.
Deswegen dürfe es keine Denkverbote geben und sollte eine Einbeziehung des südpfälzischen Universitätsstandorts Germersheim geprüft werden.
Der dort angesiedelte Fachbereich der Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft gehöre derzeit zur Universität Mainz. Er passe aber sehr gut zum Profil der Studienangebote in Landau und eine Einbeziehung in das Modell einer Pfalz-Universität könne zudem eine „größenmäßige Augenhöhe“ der Standorte Süd- und Westpfalz bewirken, so Hirsch.
Er erinnert auch an eine Stellungnahme des Landauer Stadtrats, der bereits im vergangenen Jahr die Einbeziehung der Stadt in die Neustrukturierung der Universität gefordert hat. Denn: Die Entwicklung der Universitätsstandorte ist wesentlich für die Gesamtentwicklung der jeweiligen Stadt – in Landau, in Kaiserslautern und auch in Koblenz.
Es sei zu begrüßen, dass das zuständige Ministerium in diesem Prozess den Dialog mit den Studierenden suche und diese jetzt auch veröffentlichten, dass eine Entscheidung unmittelbar bevorstehe.
Allerdings habe es bis heute von seitens des Ministeriums noch kein konkretes Gespräch mit der Stadt Landau gegeben. „Für die Transparenz dieses gesamten Entscheidungsprozesses ist dies wenig förderlich“, bedauert der Landauer OB. (cli/red/ld)

Landauer Uni.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

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