Mittwoch, 16. Oktober 2019

Stadt Landau, Landkreise SÜW und Germersheim sowie Freundeskreis der Universität Koblenz-Landau besorgt wegen Uni-Reform: „Strahlkraft der Uni in die Region darf nicht gefährdet werden“

3. Juli 2019 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Kreis Südliche Weinstraße, Landau, Regional

Ernste Gesichter: Landrat Dr. Fritz Brechtel, Uni-Freundeskreis-Vorsitzender Prof. Dr. Ulrich Sarcinelli, Oberbürgermeister Thomas Hirsch und Landrat Dietmar Seefeldt (v.l.n.r.) bei der gemeinsamen Pressekonferenz zur geplanten Universitätsreform.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Landau. Sorgenvolle Gesichter, die Bände sprachen: Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Stadt Landau, der Landkreise Germersheim und Südliche Weinstraße sowie des Uni-Freundeskreises, machten der Landauer OB Hirsch, der Germersheimer Landrat Dr. Brechtel, SÜW-Landrat Seefeldt und Prof. Dr. Ulrich Sarcinelli, Vorsitzender des Landauer Freundeskreises der Universität und früherer Vize-Präsident deutlich, wie wichtig ihnen das gemeinsame Anliegen, die Universität Landau ist.

Wie wird es weiter gehen? Fusion oder Annexion der Uni mit der TU Kaiserslautern? „Alle hängen in der Luft“, so OB Hirsch. „Es gibt keine konkreten Vorgaben, nur Ideen“. Die Uni müsse handlungsfähig bleiben. „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass ein Status plus herauskommt“, sagt Sarcinelli. Im Übrigen sei eine Universität kein Betrieb, den man von jetzt auf nachher umstrukturieren könne.

Es müsse Vieles bedacht werden. Die 8 Millionen Euro, die das Land für die Umstrukturierung zur Verfügung stelle, würden für Govermentsausgaben gebraucht. „Das ist der kleinere Teil.“ Die größeren Probleme sieht Sarcinelli in der Zusammenführung von Studiengängen und Fachbereichen.

Hintergrund:

Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat eine Veränderung der Universitätslandschaft eingeleitet. Vorrangig betroffen sind die Universität Koblenz-Landau sowie die Technische Universität Kaiserslautern. Angedacht ist, die Universität Koblenz-Landau aufzuspalten – in einen selbstständigen Universitätsstandort Koblenz sowie den Campus Landau, der mit der TU Kaiserslautern zusammengeführt werden soll.

Der Campus Landau der Universität Koblenz-Landau. Die rheinland-pfälzische Landesregierung plant, den Standort mit der TU Kaiserslautern zusammenzulegen.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Gespräche auf Augenhöhe fehlen

Alle Beteiligten vermissen Gespräche auf Augenhöhe. „Kollegen von Kaiserslautern schauen auf Landau herunter – das gehört sich nicht in akademischen Kreisen“, empört sich Seefeldt. „Unsere Stärken in Landau werden nicht gesehen, dafür wird die TU Kaiserslautern, die um ihre Reputation kämpfen muss, wettbewerbsfähiger durch ein Zusammengehen mit Landau“, so Sarcinelli. Auch er spricht die „Verteilung von Zensuren“ durch Kaiserslautern an: „Das macht man nicht. Im Übrigen braucht Landau sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen“.

„Niemand sträubt sich gegen eine Neustrukturierung“, so Sarcinelli, aber „man hätte es besser machen können“.

Oberbürgermeister Thomas Hirsch sowie die Landräte Dietmar Seefeldt und Fritz Brechtel sehen folgende Probleme:

• Für die Neuordnung von Landau und Kaiserslautern gibt es keine konkrete Vorgabe des Landes, wie das neue „Universitätsgebilde“ in der Wissenschaftslandschaft positioniert werden soll.
• Der notwendige Prozess der Zusammenführung kommt nur sehr schleppend in Gang.
• Die zentrale Frage, welche Rechtsnatur die Zusammenführung hat, Fusion oder Integration, ist nicht geklärt.
• Durch den ungeordneten Start in das Verfahren wurde insbesondere am Standort Landau sehr viel Verunsicherung ausgelöst.
• Die TU Kaiserslautern sperrt sich gegen eine Zusammenführung, weil man finanzielle Nachteile bei der Ausstattung der Uni befürchtet.
• Um die Verweigerungshaltung in Kaiserslautern zu untermauern, wird die wissenschaftliche Qualität in Landau in Frage gestellt.

Ganze Region wird geschwächt

All diese Faktoren führen nach Ansicht des Stadt- und der Kreischefs dazu, dass der Universitätsstandort Landau und mit ihm die gesamte Region geschwächt wird: Die Trennung der Universität Koblenz-Landau scheint nicht mehr aufzuhalten, die Verweigerungshaltung in Kaiserslautern scheint ungebrochen – und am Ende droht die Südpfalz der Verlierer dieses „Planspiels ohne Plan“ zu werden.

Gemeinsam erklären sie ihre „Sorge für die Region“ und stellen folgende Forderungen:

• Die Universität in Landau ist für die gesamte Region als Wissenschaftsstandort, als Standortfaktor für die Kommunen, als Impulsgeber für die Gesellschaft und als Element in der Regionalpolitik ein zentraler Faktor. Diese Strahlkraft der Universität in die Region darf nicht gefährdet werden.
• Dazu ist sicherzustellen, dass die Lebensfähigkeit der Universität in Landau zu jeder Zeit gewährleistet ist und dass die Universität während des Veränderungsprozesses jederzeit handlungs- und arbeitsfähig bleibt.
• Es bedarf einer grundsätzlichen Zielvorgabe zur inhaltlichen Ausrichtung einer zusammengeführten Universität Kaiserslautern-Landau.
• Der Veränderungsprozess muss zügig und auf Augenhöhe gestaltet werden.
• Eine gute finanzielle Ausstattung ist Grundvoraussetzung für einen gemeinsamen Neustart der beiden Unis.
• Die derzeitige Unterfinanzierung der Universität in Landau muss unabhängig davon umgehend ausgeglichen werden.
• Sofern die Verweigerungshaltung in Kaiserslautern bestehen bleibt, benötigt es eine Alternatividee für die Zukunft der Universität am Standort Landau. Gegebenenfalls ist die Eigenständigkeit des Standorts in Betracht zu ziehen.
• Sowohl in Kaiserslautern wie in Landau sind die Stadt und die Region in den Veränderungsprozess mit einzubeziehen. Dabei geht es nicht um eine Beschränkung der Unabhängigkeit der Hochschulen, sondern darum, der Verwurzelung der Hochschulen in ihrem jeweiligen kommunalen Umfeld Rechnung zu tragen.

Die Repräsentanten der Südpfalz stellen fest, dass Politik und Gesellschaft der Region um Landau hinter „ihrer“ Universität stehen und sich für eine langfristige Sicherung des Wissenschaftsstandorts mit einem eigenständigen Profil einsetzen.

Landtag und Landesregierung werden aufgerufen, die gute Entwicklung der Universität in Landau nicht leichtfertig zu gefährden. Die kommunalen Repräsentanten wollen mit Vertretern aus der Gesellschaft eine Initiative starten, um die Bedeutung der Universität in Landau für die gesamte Südpfalz zu unterstreichen. (desa/ld)

Die Pressekonferenz, auf der die südpfälzischen Stadt- und Kreischefs ihre Sorge über die Zukunft der Universität am Standort Landau zum Ausdruck brachten, stieß auf reges Medieninteresse.
Foto: stadt-landau

 

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