Montag, 26. September 2022

Tarifstreit: Tausende Beschäftigte bei Daimler in Wörth beteiligen sich an Warnstreik

2. Mai 2013 | Kategorie: Kreis Germersheim, Regional

Tausende Beschäftigte versammelten sich vor Daimler-Werkstor 1 zum Warnstreik. Fotos: Licht

Wörth. Die IG Metall hat nach Ende der Friedenspflicht mit Warnstreiks in fünf Bundesländern den Druck auf die Arbeitgeber weiter erhöht.

Mit Plakaten und Trillerpfeifen folgten im Daimler-Werk in Wörth am Tor 1  etwa 3.000 Beschäftige dem Streikaufruf. In der Frühschicht standen die LKW-Laufbänder still.

Die Gewerkschaft verlangt 5,5 Prozent mehr Geld für einen Zeitraum von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber haben nach zwei Nullmonaten eine Erhöhung von 2,3 Prozent bei 13 Monaten Laufzeit angeboten. Völlig unannehmbar für die Wörther Gewerkschafter. Eine „Zumutung“ nannte Vertrauenskörperleiter Wolfgang Förster das Arbeitgeberangebot. „Hinter den Forderungen stehen nicht nur Spitzenfunktionäre“, rief Förster mit Blick auf die versammelten Massen ins Mikrofon, „sondern eine Mannschaft, die hart arbeitet und ihr Geld verdient.“

Betriebsratsmitglied Thomas Zwick zeigte sich ebenso empört. „2012 war das Spitzenjahr in der Fertigung und wenn man den Zahlen glauben darf, wird das 2013 noch einmal getoppt. In der Unimog-Fertigung gab es über vier Monate eine tägliche Arbeitszeit von mehr als neun Stunden. Die Leute, die hier arbeiten, machen wirklich alles mit – und nun sollen nach dem ersten Angebot nur 2,3 Prozent folgen – das kann ja wohl nicht wahr sein.“

„Eine Unverschämtheit“ nannte Uwe Schütz , 1. Bevollmächtigter der IG Metall -Verwaltungsstelle Neustadt, die Forderung von Arbeitgeberseite, 1,3 % vom letzten Jahr wieder zurückzugeben: „Hier stehen wir und zeigen, was wir davon halten: Nämlich gar nichts! Wenn sich bei der Gegenseite nichts bewegt, sind wir auch auf einen unbefristeten Arbeitskampf vorbereitet“, verkündete Schütz unter donnerndem Applaus der Streikenden.

Auch am kommenden Samstag soll es nochmals einen Warnstreik geben: Es wurde aufgerufen, keinen einzigen LKW zu produzieren. „Das hilft vielleicht beim Denken, beim Entscheiden und dabei, ein anständiges Angebot vorzulegen“, sagte Schütz und schickte die Anwesenden nach Hause. „Heute in der Frühschicht wird kein LKW mehr fertiggestellt.

Der Betriebsratsvorsitzende des Werks Wörth, Ulli Edelmann, konnte die ersten 150 Beschäftigten von 800 beglückwünschen, die dank Verhandlungen nun statt eines Leiharbeitsvertrags eine Festanstellung bekommen. Er hoffe, dass die Tarifverhandlungen trotz der Rückgabeforderung der Arbeitgeber zu einem zügigen Ende kommen. Aber: „In den nächsten Wochen wird mit der Kommission weiterverhandelt. Die Warnstreiks werden jedoch weitergehen, bis wir ein vernünftiges Angebot haben. Wir können auch noch in Urabstimmung gehen oder in Streik – alles ist möglich.“ (cli)

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