Freitag, 24. Januar 2020

Südpfalzinitiative für Flüchtlinge besiegelt enge Zusammenarbeit: Hilfe bei der beruflichen und gesellschaftlichen Integration

23. September 2016 | 1 Kommentare | Kategorie: Allgemein, Kreis Germersheim, Kreis Südliche Weinstraße, Landau, Regional
Rita Petry (HWK), Landrat GER, Dr. Brechtel, Christine Groß-Herick (Geschäftsführung Agentur für Arbeit), OB Thomas Hirsch, Landrätin SÜW, Theresia Riedmaier und Michael Böffel (IHK Pfalz) unterzeichnen den Vertrag. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Rita Petry (HWK), Landrat GER, Dr. Brechtel, Christine Groß-Herick (Geschäftsführung Agentur für Arbeit), OB Thomas Hirsch, Landrätin SÜW, Theresia Riedmaier und Michael Böffel (IHK Pfalz) v.l.- unterzeichnen den Vertrag.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Landau. Die Aktivitäten zur Integration der in der Region lebenden Geflüchteten in die Gesellschaft und in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt laufen auf Hochtouren. Die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Kooperationspartnern funktioniert und sie verstehen sich als erprobte Netzwerkpartner mit einem gemeinsamen Ziel. Dies wurde bei einem Pressegespräch in der Agentur für Arbeit deutlich.

Man wolle dies bekräftigen und vertiefen sowie eine Grundlage für weitere lokale Ausgestaltungen schaffen, sagte Hausherrin Christine Groß-Herick, Geschäftsführerin der Agentur und eine der verantwortlichen Akteure.

Die Landkreise Germersheim und Südliche Weinstraße, die Stadt Landau, die Industrie- und Handelskammer für die Pfalz, die Handwerkskammer Pfalz, das Jobcenter Landau – Südliche Weinstraße und Germersheim sowie die Agentur für Arbeit Landau unterzeichneten deshalb die Präambel zur „Südpfalzinitiative für Flüchtlinge“.

Die Präambel ist Klammer und gemeinsamer Überbau zu zwei in den vergangenen Wochen geschlossenen lokalen Kooperationsvereinbarungen in den Regionen Germersheim und Landau-Südliche Weinstraße. Darin bekennen sich die Kooperationspartner zur vernetzten und nachhaltigen Betreuung geflüchteter Menschen und regeln die Grundlagen ihrer Zusammenarbeit.

„Mit der Präambel unterstreichen wir unseren gemeinsamen Willen, die berufliche und gesellschaftliche Integration von Flüchtlingen in der gesamten Südpfalz voranzubringen. Die Koordination der Hilfen und die weitere Vernetzung betrachten wir als unsere gemeinsame Aufgabe“, bekräftigen die Unterzeichner.

Foto: Pfalz-Express/Ahme

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Hand in Hand bei der Vermittlung von Jobs für geflüchtete Menschen

Die Integration in die Gesellschaft sei eng an die Integration in Arbeit gebunden. Beides brauche Zeit: „Die berufliche Integration ähnelt bei den meisten Geflüchteten einem Langstreckenlauf. Entscheidend ist, in der Startphase die Sprache zu erlernen. Nur dann bestehen realistische Chancen, das Ziel zu erreichen“, unterstreicht Christine Groß-Herick.

Neben den sprachlichen Hemmnissen seien Kenntnisse über den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt kaum vorhanden, berichtet Groß-Herick. So sei das duale Ausbildungssystem vielen jungen Flüchtlingen nicht bekannt. „Sie würden gerne schnellstmöglich arbeiten und müssen den Wert eines beruflichen Abschlusses in unserer Gesellschaft erst vermittelt bekommen. Nicht zuletzt deshalb halten wir die intensive Information und Beratung der Menschen für sehr bedeutend“, betont Groß-Herick.

Mit den Geschäftsführern der beteiligten Jobcenter Germersheim, Ruth Burckhart, und Landau-Südliche Weinstraße, Michael Dopke, ist sie sich einig und tritt gleichzeitig Bedenken entgegen: „Wenn jetzt vermehrt Geflüchtete zu uns kommen, heißt das nicht, dass wir uns weniger als bisher um unsere anderen Kunden kümmern können. Niemand wird deswegen weniger betreut oder bekommt geringere Unterstützung“.

Dem Bedürfnis nach Schutz folge das Bedürfnis nach Beschäftigung, so Groß-Herick.

Vordringliche Aufgabe für die Kommunen in der Südpfalz sei in den vergangenen Monaten zunächst die Sicherung des Lebensunterhaltes und der Unterkunft gewesen. Diese Herausforderung hätten die Kommunen gemeistert. Nun gelte es eine weitere Hürde zu nehmen: Die Integration in Arbeit und die Antwort auf das Bedürfnis der Menschen nach sinnvoller Beschäftigung.

Landrätin Riedmaier sieht es ähnlich: Das Ankommen der Flüchtlinge müsse zunächst vernünftig organisiert werden, dann käme eine Orientierungsphase, dann die Phase, sich zu etablieren und als letzter Punkt die eigentliche Integration.

Für die Vertreter der Stadt Landau und des Landkreises Südliche Weinstraße drückt sich die ohnehin intensive Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur und dem gemeinsam getragenen Jobcenter durch den dort angesiedelten neuen „integrationsPunkt“ jetzt auch räumlich aus.

Landrätin Theresia Riedmaier: „Gemeinsam mit den anderen Netzwerkpartnern wird hier eine Plattform mit zusätzlichen Informations- und Beratungsmöglichkeiten je nach individueller Lebenssituation der geflüchteten Menschen bereitgestellt.

Besonders für die Betroffenen in unserem Landkreis besteht aktuell die Notwendigkeit dazu. Viele wurden in den letzten Wochen dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zur Entscheidung des Asylantrages vorgestellt. Die Zeit des Wartens und die Frage nach dem Bleiben hat ein Ende und für die anerkannten Geflüchteten liegt nun die Zuständigkeit für die Leistungen zum Lebensunterhalt als auch für die Integration in Arbeit beim Jobcenter. Hier wollen wir alle Energien bündeln.“

Auch Oberbürgermeister Thomas Hirsch erwartet ab Mitte Oktober eine steigende Zahl von Anerkennungen bei den zur Zeit 700 in Landau lebenden Flüchtlingen.

Die Stadt Landau hat als eine der ersten Kommunen in Rheinland-Pfalz mit ihrem Integrationskonzept den Grundstein für die gesellschaftliche Integration der Menschen mit Migrationshintergrund geschaffen.

„Mit der Präambel und der lokalen Kooperationsvereinbarung wird der politische Wille umgesetzt, auch die Integration der Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung aktiv mitzugestalten“, betont Hirsch. Effizienz mit bestmöglichem Ergebnis attestiert Hirsch der Kooperation.

Die Agentur für Arbeit in Landau. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Die Agentur für Arbeit in Landau.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Kooperationsvereinbarung im Landkreis Germersheim

Die lokale Kooperationsvereinbarung des Landkreises Germersheim basiert auf dem Integrationskonzept des Kreises und baut auf einfach handhabbaren Arbeitsmitteln auf. „Durch unsere regionalen Strukturen im Landkreis Germersheim sehen wir die Notwendigkeit vor allem in gemeinsamen Verfahrensabsprachen.

Dafür nutzen die Kooperationspartner die bereits bestehenden Formate des Integrationskonzepts des Landkreises, nicht zuletzt um Doppelstrukturen zu vermeiden“, erklärt Landrat Dr. Fritz Brechtel.

Zu den zentralen Arbeitsmitteln zählt der „Willkommensordner“. Er bietet nicht nur einen Fundus an Informationen für seinen Besitzer, sondern auch Platz für wichtige persönliche Dokumente und Unterlagen, was die Kommunikation mit Behörden und anderen Einrichtungen wesentlich erleichtert.
„Außerdem haben wir uns in der Zusammenarbeit auf die Konzeption und Veröffentlichung der „Integreat-App“ verständigt“, ergänzt Brechtel. Beide zusammen tragen zur Transparenz für den Integrationsprozess bei und bieten den Geflüchteten und ehrenamtlichen Betreuern Orientierung und praktische Hilfe.

Der Kompetenzcheck der IHK Pfalz

„Jeder Mensch kann etwas“, so Michael Böffel, Leiter des Geschäftsbereichs Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Pfalz. Das gilt umso mehr für Flüchtlinge, die bereits in ihrer Heimat gearbeitet haben. Die Herausforderung besteht nun darin, diesen Menschen – sofern ihr Aufenthaltsstatus geklärt ist – auch eine Integration in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Die Voraussetzung hierfür ist eine belastbare Einschätzung, welche Vorbildung, Sprachkompetenz und Berufserfahrung die Flüchtlinge mitbringen.

Böffel erläutert: „Genau hier setzen wir an. Unter Steuerung der IHK Pfalz werden je nach Beruf drei- bis viertägige Kompetenzfeststellungen in den gängigen Berufsfeldern wie Metall, Elektro, Handel oder Gastronomie durchgeführt. Dabei überprüfen wir die eigenen Angaben der Flüchtlinge, indem wir sie Arbeitsproben erstellen lassen.

Dies ermöglicht es uns, gegenüber Arbeitgebern eine belastbare Aussage zu Leistungsfähigkeit, Grenzen und geeigneten Weiterbildungen zu treffen.“ Damit kann auch der Flüchtling selbst sich aktiv um Arbeit bemühen. Denn: „Der Kompetenzcheck führt zu einer realistischen Erwartungshaltung auf beiden Seiten“, so Böffel.

Damit endet die Begleitung der Flüchtlinge jedoch noch nicht. In der Anfangsphase der Berufstätigkeit sollen Mitglieder des Senior Experten Service (SES) die Geflüchteten unterstützen, etwa durch Besuche am Arbeitsplatz oder die Empfehlung und Vermittlung von weiterführenden Deutschkursen, Fachseminaren etc.

Zukunftsperspektiven im Handwerk mit „Flüchtlings-Netzwerker“ der HWK

„Integration gelingt dann, wenn wir die jungen Flüchtlinge schnellstmöglich in Ausbildung und anschließende Beschäftigung bringen“, so Rita Petry, Leiterin des Geschäftsbereichs Berufsbildung bei der Handwerkskammer der Pfalz (HWK).

Die Handwerksorganisationen und die Betriebe stünden bereit, motivierte Flüchtlinge zu qualifizieren und auszubilden. Eine enge Abstimmung zwischen den jeweiligen Partnern und den umfangreichen Fördermaßnahmen für Flüchtlinge sei deshalb erforderlich, um den Beschäftigungs- und Integrationsprozess sicherzustellen.

„Dabei werden die Betriebe und die Flüchtlinge von den „Flüchtlingsnetzwerkern“ unterstützt, einem Kooperationsprojekt der Handwerkskammern, der Agenturen für Arbeit und des Wirtschaftsministeriums Rheinland-Pfalz“, so Petry. (red/desa)

Im Büro der Integrationspunkt-Mitarbeiter ist auch ein Arabisch-Wörterbuch sehr sinnvoll. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Im Büro der Integrationspunkt-Mitarbeiter ist auch ein Arabisch-Wörterbuch sehr sinnvoll.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

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Ein Kommentar auf "Südpfalzinitiative für Flüchtlinge besiegelt enge Zusammenarbeit: Hilfe bei der beruflichen und gesellschaftlichen Integration"

  1. Gerold Keefer sagt:

    Ich will voranstellen, dass wir mit allen Menschen, die in der Südpfalz leben ordentlich umgehen müssen. Gewalt und Hass, egal gegen wen auch immer, ist kein Mittel und löst keine Probleme.

    Gleichzeitig ist es mir ein Rätsel, warum Bürgerkriegsflüchtlinge, die doch vermutlich nach einem Ende des Krieges in ihr Heimatland zurückkehren werden, nun mit großem Aufwand hier intergiert werden sollen.

    Weiterhin sollten sich die Verantwortlichen mal Gedanken machen, welche Chancen die Migranten denn in unserer Arbeitswelt haben. Viele davon sind Analphabeten und das durchschnittliche Bildungsniveau ist beispielsweise in Syrien deutlich unterhalb der Hauptschule.

    Die Arbeitsplätze von denen die Landräte hier phantasieren gibt es nicht und wird es nie geben. Die gibt es nämlich schon für viel besser Qualifizierte nicht, die hier aufgewachsen und sozialisiert sind.

    Auch wenn noch so oft von Integration redet, so hängt Integration halt am entscheidend von den Voraussetzungen und vom Integrtionswillen ab, die der jeweilige Einwanderer mitbringt. Die internationalen Erfahrungen sind im Hinblick auf die gegenwärtige Migrantenpopulation fatal. Das klappt vorne und hinten nicht.

    Diese Fakten, Herr Brechtel und Frau Rietmeier, kann man nicht weglächeln!

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