Dienstag, 22. September 2020

Dritter Runder Tisch: „Flüchtlinge mit Bleibeperspektive in den hiesigen Arbeitsmarkt integrieren“

22. Dezember 2016 | 3 Kommentare | Kategorie: Allgemein, Landau, Regional
Dritter Runder Tisch in der CDU-Geschäftsstelle. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Dritter Runder Tisch in der CDU-Geschäftsstelle.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Landau. Nach einem ersten Runden Tisch im März und einem zweiten im Juli diesen Jahres hatte der südpfälzer Bundestagsabgeordnete Dr. Thomas Gebhart (CDU) zum nächsten Erfahrungsaustausch eingeladen.

Zum dritten Mal diskutierten haupt- und ehrenamtlich Engagierte die zentrale Frage: „Wie gelingt es, Flüchtlinge mit Bleibeperspektive in den südpfälzischen Arbeitsmarkt zu integrieren?

Die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Landau, Christine Groß-Herick, gab in der Heiner-Geißler-Geschäftsstelle der CDU einen Überblick über die aktuelle Situation in der Südpfalz. Im Anschluss daran gab es auch dieses Mal einen Erfahrungs- und Gedankenaustausch mit verschiedenen Akteuren und Personen, die aus der Praxis berichteten.

Mittlerweile ist das Integrationsgesetz in Kraft getreten. „Das Ziel heißt: „Fördern statt Fordern“, so Gebhart, der als Voraussetzung für eine gelungene Integration und eine unbefristete Niederlassung, eine gewisse Sprachkompetenz sieht. „Wir können sagen, dass sich die Sprachkurse gut entwickelt haben“.

Hier arbeitet man mit der ProfeS Gesellschaft für Bildung und Kommunikation mbH , einem privaten Bildungsträger mit Sitz in Germersheim und Landau zusammen.

Sie führt im Auftrag der Agenturen für Arbeit, der Jobcenter, des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge und weiteren öffentlichen und privaten Auftraggebern Aus- und Weiterbildungen, berufliche Wiedereingliederungen und Integrationskurse durch.

Bleiberecht bekommt nur der, der nicht straffällig wird, Deutsch beherrscht, seinen Lebensunterhalt bestreiten kann und sich integrieren will, fasst Gebhart zusammen.

Im gesamten Agenturbereich der Agentur für Arbeit gibt es 3000 erwerbsfähige Personen, erklärt Christine Groß-Herick. Alleine im Bereich Landau-SÜW sind das 900 Personen. Ziel ist es, die Menschen, die als Flüchtlinge anerkannt sind, in Arbeit zu bringen.

Von 3000 Personen befänden sich 2000 in Qualifizierungsmaßnahmen wie Sprachkursen oder in der Erlernung von Grundkompetenzen wie Rechtschreibung, IT, Mathematik etc.

80 Prozent der hier Angekommenen haben keine Qualifizierung. Hier stehe man mit der IHK in engem Austausch um Kompetenzen der Bewerber abzuchecken.
Dann werden Praktika vermittelt. Groß-Herick ist realistisch: „Die meisten werden auf der Helferebene einsteigen“. Man brauche einen langen Atem und Geduld. Nach 15 Jahren könne man ungefähr 70 Prozent der Leute in Arbeit gebracht haben.

Um das ganze zu beschleunigen, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Juli 2016 ein Arbeitsmarktprogramm für Flüchtlinge beschlossen, das sich „Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen“ nennt.
Sie sollen mittels niedrigschwelliger Angebote an den Arbeitsmarkt „herangeführt“ werden. So sollen jährlich 100.000 Personen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz durch den Bund gefördert werden. „Dadurch werden die Kommunen entlastet“, so Groß-Herick.

Beschäftigungspiloten und ehrenamtliche Helfer berichteten danach, zum Teil ziemlich entnervt, über die Schwierigkeiten, denen sie sich zum Teil in ihrer Arbeit mit Flüchtlingen ausgesetzt sehen. Dazu gehören bürokratische Hindernisse, wie die oft zu lange Bearbeitungszeit der Arbeitsgenehmigungen durch die Ausländerbehörde, aber oft auch fehlende Motivation ihrer Schutzbefohlenen.

Verpflichtende Maßnahmen müssen sein“, sagt denn auch Helmut Dudenhöffer (Flüchtlingsinitiative HerxheimBunt), erteilt aber 1 Euro-Jobs eine Absage: „Die bringen nichts“. „Das kann man den Leuten nicht vermitteln“, bekräftigt auch Emil Heid, ein anderer ehrenamtlicher Helfer.

„Wir haben zu wenig Lehrer an der BBS“, sagte der Leiter der BBS Landau, Gamber. Benötigt werde eine Lehrkraft für den Sprachunterricht. Außerdem schlägt er eine gestufte Ausbildung „nach oben“ vor. „Man muss den Flüchtlingen realistische Angebote machen“.

Auch Klaus Seiferlein von der Kreishandwerkerschaft Südpfalz/Dt. Weinstraße, sieht Probleme für Flüchtlinge im Handwerk. „Wir haben anspruchsvolle Ausbildungsangebote und haben schon mit Deutschen Probleme, die die Anforderungen nicht erfüllen“. „Ernüchterung sei eingekehrt“ und eine Einstiegsqualifizierung unabdingbar.

Gebharts Fazit nach einem zweistündigen Erfahrungsaustausch: „Das Thema Ausbildung wird sich zum riesen Thema entwickeln“. Das Prinzip „Fördern statt fordern“ werde erfolgreich umgesetzt. Der Datenaustausch zwischen Jobcenter, ProfeS und den Verbandsgemeinden sollte erleichtert werden. Eine gestufte Ausbildung sei sinnvoll, bei den 1 Euro-Jobs gingen die Meinungen dagegen auseinander. Sprachkurse hätten sich gut entwickelt und würden ebenso gut besucht.

Der Runde Tisch soll im nächsten Jahr fortgesetzt werden. (desa)

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3 Kommentare auf "Dritter Runder Tisch: „Flüchtlinge mit Bleibeperspektive in den hiesigen Arbeitsmarkt integrieren“"

  1. GEEEKEE sagt:

    Ein Illusionistentreffen!

    Allein der Satz
    „80 Prozent der hier Angekommenen haben keine Qualifizierung.“
    bringt es auf den Punkt.

    Es gibt für Leute ohne Qualifikation, die Deutsch beherrschen und hier aufgewachsen sind, bereits kaum oder keine Jobs. Und jetzt diskutiert man darüber, wie man Analphabeten oder Leute die kaum Deutsch sprechen in den Arbeitsmarkt integrieren kann …

    Aber während man deutschen Hartz-IV Aspiranten den Sinn von Ein-Euro-Jobs dadurch vermittelt, dass man Ihnen bei Ablehnung das Geld kürzt, ist das gegenüber Migranten natürlich nicht vermittelbar …

  2. Realist sagt:

    Das geht doch nicht. Für Hartz-IVer sind 1-Euro jobs richtig, für die Angekommenen aber nicht? Das kann man denen nicht vermitteln? Wie lässt sich so was eigentlich mit dem Grundgesetz in einklang bringen? Da wird ja mit zweierlei Maß gemessen. Absoult unglaublich!

  3. Volker Spiegel sagt:

    Die Leute arbeiten schwarz. Teilweise an wechselnden Arbeitsorten. Gewohnt wird „bei Freunden“ bzw. in der nächsten Flüchtlingsunterkunft. Im Moment gibt es dort ja immer freie Betten. Das schwarz verdiente Einkommen, zusammen mit der Sozialhilfe, Kindergeld und Unterstützung durch die Tafel, erlaubt ein auskömmliches Leben. Natürlich hat niemand Interesse, offziell einen Ein Euro Job anzunehmen. Diese Geld wird ja auf die Sozialhilfe angerechnet. Ausserdem hätte er dann keine Zeit u. Gelegenheit mehr, schwarz zu arbeiten.

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