Montag, 21. Oktober 2019

Landau: Suche nach Kampfmitteln geht in entscheidende Phase – Maßnahmen kosten 3,5 Millionen Euro

23. Januar 2014 | 2 Kommentare | Kategorie: Allgemein, Landau, Regional

 

Lutz Fritsche erläutert beim Pressegespräch die Vorgehensweise auf dem Gelände.
Fotos: Ahme

Landau. „Manchmal liegt mehr darunter als man denkt“ ist auf einer Schautafel zu lesen. Beim Pressegespräch zur Kampfmittelsondierung, zu der Stadt Landau und EWL einluden, wird auf einer Tafel deutlich, welchen Kampfmitteln man in Landau schon begegnet ist und welche man erwartet, noch zu finden. Cirka 500 sind es mittlerweile, von der Patrone bis zum vor zwei Tagen gefundenen Brandbehälter.

Über das Vorgehen auf dem Gelände des künftigen „Wohnparks Am Ebenberg“ informierten Landaus Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer und Bürgermeister Thomas Hirsch, Verwaltungsratsvorsitzender des Entsorgungs-und Wirtschaftbetriebs Landau (EWL). Die Projektabteilung des EWL koordiniert die Umnutzung des Kasernenareals: Sie hat dort in den vergangenen Monaten einen Großteil der Infrastruktur für die Landesgartenschau und die dort angrenzenden Wohngebiete geschaffen.

Die Suche nach alten Fliegerbomben und Munitionsrückständen auf dem Areal der ehemaligen Kaserne Estienne-Foch geht nun in die entscheidende Phase.

„Sicherheit ist das oberste Gebot bei der Suche nach Kampfmittelrückständen und ihrer
Entsorgung“, hielt der Oberbürgermeister fest und ergänzte: „Landau nimmt seine Verantwortung sehr ernst.“

Im Konversions- und Landesgartenschauareal müssen rund 35 Hektar Boden auf Rückstände der vergangenen Jahrzehnte untersucht werden. Ein Teil der Gartenschaufläche wurde bereits im Herbst 2013 von Experten sondiert. Nun folgen weitere Flächen im „Wohnpark Am Ebenberg“, wo künftig ein neuer Stadtteil entstehen wird.

Bei dem Ortstermin demonstrierte Lutz Fritsche , der als Kampfmittelspezialist die Sondierung der Gesamtfläche geplant hat, die Arbeitsverfahren: Mit einer speziellen Messsonde spüren die Experten Störungen im Erdmagnetfeld auf, wie sie beispielsweise eisenhaltige Körper verursachen. In speziellen Situationen greifen die Experten auch auf das Georadar zurück, das Schichtgrenzen und Objekte im Boden orten kann.

Bevor allerdings die Messgeräte zum Einsatz kommen, müssen die Flächen vorbereitet
werden. „Das Räumkonzept ist komplex. Es gibt genau definierte Schritte von der Vorbereitung der Bodenoberflächen bis zu ihrer Wiederherstellung“, informierte Thomas Hirsch.

Die Stadt rechnet mit Kosten von rund 3,5 Millionen Euro für die Sondierung und Entsorgung möglicher Kampfmittelfunde. Der Aufwand ist beträchtlich: Denn bevor die Experten mit dem Aufspüren beginnen können, muss der Boden im Mittel einen halben Meter abgetragen werden. Dabei werden vor allem magnetische Störfaktoren in der obersten Erdschicht entfernt – von Basalt in alten Kopfsteinpflastern bis hin zu eisenhaltigen Abfällen.

Dazu arbeiten sich die „Feuerwerker“, so werden die Kampfmittelexperten im Fachjargon genannt, in Streifen durch das Areal. Sie tragen ab und prüfen dann mit ihren Messgeräten, ob alles in Ordnung ist. Wenn dem so ist, bringt eine Tiefbaufirma den ebenfalls untersuchten Oberboden wieder auf und verdichtet diesen.

Wenn nicht, wird das alte Kampfmittel freigelegt, entschärft und fachmännisch beseitigt.
Sollte bei der Bodenabtragung belastetes Material, wie zum Beispiel mit Öl verunreinigte Erde entdeckt werden, wird auch dieses ordnungsgemäß entsorgt.

Bürgermeister Hirsch bittet um Verständnis für Evakuierungsmaßnahmen, wenn aufgefundene Kampfmittel vor Ort vom Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz entschärft werden müssen: „Wir wissen, was wir unseren Bürgern zumuten. Aus Gründen der Sicherheit sind solche Vorkehrungen allerdings nicht vermeidbar.“ Dies kann im Extremfall auch das Vinzentius-Krankenhaus und die beiden Kindergärten an der Cornichonstraße treffen.

Grundsätzlich kann Kampfmittelräumung nur auf geräumten Flächen durchgeführt werden: Das heißt, sie sollten frei von Hindernissen wie Fahnenmasten oder Buschwerk sein. „Für den alten Baumbestand (85 Stück) auf der zu räumenden Konversionsfläche haben wir intensiv nach einer Lösung gesucht, wie wir trotz dieser Vorgaben möglichst viele davon erhalten können“, erklärte Bernhard Eck, Vorstand des EWL. „Gefällt werden zunächst nur die Bäume (30 Stück), die später wegen einer Baugrube für den neuen Wohnpark sowieso weichen müssten“, führte der EWL-Vorstand weiter aus.

Was mit 45 Bäumen geschieht, entscheidet sich während der Sondierung: Geben die Signale der Messsonden im Wurzelbereich keine Hinweise auf Kampfmittel in den darunter liegenden Bodenschichten, bleibt der Baum stehen. Schlagen die Messsonden an, hat die Sicherheit Vorrang.

Bereits im Vorfeld hat ein Biologe die alten Bäume auf Nistplätze von Vögeln sowie Kleintieren untersucht und dokumentiert. So könne ein Ausweichquartier beschafft werden, wenn ein bewohnter Baum gefällt werden müsse, so Eck.

Zum Ausgleich hat die Landesgartenschau-Projektgesellschaft bereits etwa 1.000 neue Bäume auf dem Konversionsareal gepflanzt.

„Wir bauen einen ganz neuen Stadtteil auf dem ehemaligen Kasernengelände mit Wohnungen
und Freizeiteinrichtungen, von denen die Landauer Bürger dauerhaft etwas haben“, hielt Hans-Dieter Schlimmer fest. „Die Lebensqualität in Landau verbessert sich dadurch spürbar.“

Was alles während der Kampfmittelsuche für die Sicherheit der Bürger getan wird, können Interessierte in Landau bald persönlich in Augenschein nehmen.

Denn am 28. Januar lädt der EWL Interessierte zu einem Informationsnachmittag auf das ehemalige Kasernenareal ein: Dann zeigen die Kampfmittelexperten, wie sie arbeiten und was sie bereits alles geleistet haben.

Oberbürgermeister Schlimmer gibt schon einen Ausblick für die gesamte Stadtfläche: „Die Untersuchung auf Hinterlassenschaften aus dem 2. Weltkrieg wird über die Landesgartenschauflächen hinaus gehen. “

Auf Landau sind im Zweiten Weltkrieg immerhin 3500 Bomben nieder gegangen. Wir brauchen eine qualifizierte Bestandsaufnahme für die gesamte Stadt“. „In seiner nächsten Sitzung wird sich auch der Stadtrat mit dem Thema „Kampfmittel“ erneut beschäftigen“, kündigt Bürgermeister Thomas Hirsch an.

Nach entsprechender Vorbereitung durch den EWL soll der Auftrag für eine stadtweite
Kampfmittelbelastungskarte erstellt werden.
„Wir müssen neue Wege gehen und können nicht auf Standards zurückgreifen“, so Hirsch. Landau setze neue Maßstäbe für den strategischen Umgang mit historischen Kampfmitteln.

Info: Unsere Bildergalerie zeigt unter anderem eine 300 Jahre alte Kanonenkugel, die bei Sondierungsmaßnahmen in Landau gefunden wurde. (desa/EWL)

Nachtrag: Heute (Freitag, 24. Januar) erreichte uns  genauere Angaben zum Infotag am  kommenden Dienstag (28. Januar), wenn  Bürger selbst in Augenschein nehmen, wie Munitionsrückstände aufgespürt werden.

Bürgermeister und Verwaltungsratsvorsitzender Thomas Hirsch und Bernhard Eck,  Vorstand des Entsorgungs- und Wirtschaftsbetriebs Landau (EWL) laden hierzu  ab 11 Uhr auf das Gelände der ehemaligen Kaserne Estienne-Foch ein. „Kampfmittelexperten zeigen, welche Verfahren eingesetzt werden und wie diese funktionieren“, informiert Thomas Hirsch. So kann sich jeder ein Bild davon machen, wie die voraussichtlich insgesamt 3,6 Millionen Euro für die Sicherheit der Bürger verwendet werden.

„Bevor wir die alte Grillstation der französischen Armee abreißen, werden die Grillstellen ein letztes Mal glühen. Wir feuern Sie am Dienstag an – zum Aufwärmen, sagt Bernhard Eck.

Ingesamt werden rund 35 Hektar auf Rückstände an Kampfmitteln der vergangenen Jahrzehnte untersucht. Ein Teil der Gartenschauflächen wurde bereits im Herbst 2013 von Experten sondiert. Nun folgen die Areale, auf denen der  „Wohnpark Am Ebenberg“ entstehen wird. (EWL)

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2 Kommentare auf "Landau: Suche nach Kampfmitteln geht in entscheidende Phase – Maßnahmen kosten 3,5 Millionen Euro"

  1. Friedel sagt:

    Zitat: „Denn am 28. Januar lädt der EWL Interessierte zu einem Informationsnachmittag auf das ehemalige Kasernenareal ein“.
    Wohin genau lädt er denn ein? Und wann? Obwohl ich nicht in Landau wohne, interessiert mich das Thema sehr. Aber einer so unklaren Einladung kann man wohl nicht folgen. Eine Einladung ohne Uhrzeitangabe an einen nicht bezeichneten Ort irgendwo auf einem riesigen Areal ist imho nicht wirklich eine Einladung. Schade.

    mfg Friedel

    • Redaktion sagt:

      Sehr geehrter Herr Friedel, am Tag der Presseeinladung gab es noch keine weiteren Angaben zum Infotag. Erst Heute, 24. Januar kamen genauere Angaben.
      Nachtrag: Heute (Freitag, 24. Januar) erreichte uns genauere Angaben zum Infotag am kommenden Dienstag (28. Januar), wenn Bürger selbst in Augenschein nehmen, wie Munitionsrückstände aufgespürt werden.

      Bürgermeister und Verwaltungsratsvorsitzender Thomas Hirsch und Bernhard Eck, Vorstand des Entsorgungs- und Wirtschaftsbetriebs Landau (EWL) laden hierzu ab 11 Uhr auf das Gelände der ehemaligen Kaserne Estienne-Foch ein. „Kampfmittelexperten zeigen, welche Verfahren eingesetzt werden und wie diese funktionieren“, informiert Thomas Hirsch. So kann sich jeder ein Bild davon machen, wie die voraussichtlich insgesamt 3,6 Millionen Euro für die Sicherheit der Bürger verwendet werden.

      „Bevor wir die alte Grillstation der französischen Armee abreißen, werden die Grillstellen ein letztes Mal glühen. Wir feuern Sie am Dienstag an – zum Aufwärmen, sagt Bernhard Eck.

      Ingesamt werden rund 35 Hektar auf Rückstände an Kampfmitteln der vergangenen Jahrzehnte untersucht. Ein Teil der Gartenschauflächen wurde bereits im Herbst 2013 von Experten sondiert. Nun folgen die Areale, auf denen der „Wohnpark Am Ebenberg“ entstehen wird. (EWL)

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