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Stadtrat Germersheim empfiehlt Umbenennung der Sponeck-Kaserne – bei Straße und Denkmal noch uneinig

21. Februar 2015 | 2 Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Politik regional, Regional

Stadtratssitzung mit Professor Peter Steinbach (Zweiter .v.re.)
Foto: pfalz-express.de/Licht

Germersheim – Die Hans-Graf-von-Sponeck-Kaserne kann künftig aus Sicht der Stadt Germersheim in „Südpfalz-Kaserne“ umbenannt werden. Diese Empfehlung sprach der Stadtrat auf seiner Sitzung am 19. Februar aus. Die endgültige Entscheidung über die Namensänderung traf allerdings das Luftwaffenkommando der Bundeswehr schon vor längerer Zeit.

Die Entscheidung wurde einstimmig und in kürzester Zeit getroffen. Schwerer taten sich die Räte mit einer eventuellen Umbenennung der Hans-Graf-Sponeck-Straße und des Denkmals des Wehrmachtsgenerals im Stadtpark Fronte Lamotte. Die Entscheidungen dazu wurden vorerst vertagt.

Zuvor hatte der der Professor für Mittlere  und Neuere Geschichte, Peter Steinbach, auf Einladung von Bürgermeister Marcus Schaile über Hans von Sponeck referiert.

Steinbach, der sich der Widerstandsforschung verschrieben hat, warb für einen relistischen Blick auf die historische Figur von Sponeck.

Sponeck hatte sich während des Russlandfeldzugs auf der Halbinser Kertsch einem Befehl Hitlers verweigert und so vorerst vielen tausend Soldaten das Leben gerettet. Gleichzeitig soll er sich nach Erkenntnissen des US-Historiker Erik  Grimmer-Solem an Kriegsverbrechen an Juden und russischen Kriegsgefangenen schuldig gemacht haben (Pfalz-Express berichtete mehrfach).  Am 23. Juli 1944 wurde von Sponeck in Germersheim hingerichtet.

Geschichte sei meist ambivalent, sagte Steinbach, und Engel seien keine zu finden: „Die Geschichte ist grau, nicht schwarz-weiß.“ Von Sponeck sei ein Mensch gewesen, der am Rasse- und Weltanschauungskrieg des Nazi-Regimes teilgenommen habe, tief verstrickt in den Krieg gewesen sei, sich aber auch Hitler widersetzt habe. Heinrich Himmler habe von Sponeck dann aus exemplarischen Gründen beseitigen lassen. Die Stadt könne wohl einen Namen wie „Südpfalz-Kaserne“ akzeptieren, riet Steinbach.

Schwieriger gestaltete sich die Diskussion um Straßenname und Denkmal. Eine Empfehlung wollte der Professor diesbezüglich nicht aussprechen, sieht aber in der Beibehaltung  Chancen für eine Beschäftigung mit von Sponeck und Möglichkeiten zu einer konstruktiven Auseinandersetzung: “Die Widersprüche müssen bewältigt werden.“

Straßennamen seien gewachsene kulturelles Zeugnisse: „ Wie Bismarck, Hindenburg, Moltke.“ Alle seien keine Engel gewesen, so Steinbach. Nichtsdestotrotz könne man damit leben, weil sich keiner mehr damit identifiziere.

Veronica Abrego (Grüne) sagte, die Fraktion spreche sich konsequent für eine Umbenennung aus. Vorbild dafür sei die Bundeswehr, die dies mit der Kaserne ebenfalls tue.  Einen Kriegsverbrecher zu ehren, könne kein Beispiel für die Gesellschaft sein. „Solche Verbrechen verjähren nicht“, argumentierte Abrego und erinnerte an die Opfer, die keine Stimme mehr hätten. Man wolle nicht richten über von Sponeck, aber es könne nicht sein, dass man die Opfer vergesse und an die Täter denke.

Jungstadtrat Simon Bolz sprach sich in einer sorgfältig abgewognenen Rede letztendlich für die Option aus, Hinweisschilder an die Straßenschilder und das Denkmal anzubringen, während Fraktionskollege Daniel Bambauer sagte, es sei „unerträglich“, wenn die Straße weiterhin den Namen von Sponecks trage. Eine Diskussion sei zwar nötig, aber: „Überall auf Google, auf Stadtplänen, in Adressbüchern sind keine Hinweisschilder– die Leute sehen nur, dass die Straße nach einem Verbrecher der Wehrmacht benannt ist.“

Sowohl Bambauer als auch Abrego ernteten aus den Zuschauerrängen lautstarkes Murren – dort hatten sich Mitglieder der Vereinigung zur Beibehaltung des ursprünglichen Namens in großer Zahl eingefunden.

CDU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Sorge sagte, an der Umbenennung der Kaserne führe kein Weg vorbei, aber Straße und Denkmal sollten bleiben und mit Zusatzschildern versehen werden. So könnten sich die Bürger über die Person von Sponecks informieren und sich damit auseinander setzen. In diesem Sinn äußerten sich auch Heidrun Kokkinis-Brotz (FDP) und die Freien Wähler.

Letztendlich wurde beschlossen, die Entscheidung zu vertagen und die Thematik nochmals in den Ausschüssen durchzusprechen. (cli)

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2 Kommentare auf "Stadtrat Germersheim empfiehlt Umbenennung der Sponeck-Kaserne – bei Straße und Denkmal noch uneinig"

  1. Theodor Nist sagt:

    Was soll das?
    Diese Empfehlung des Stadtrates stellt für mich einen massiven Eingriff in die gewachsene Historie der Stadt Germersheim dar. Die Aufarbeitung unserer deutschen Geschichte erfolgt mit Sicherheit nicht in der Umbennung von Einrichtungen in unserer ehemaligen Garnisonstadt. Welche abstrusen Gedankengänge bewirkt denn die Richthofenstraße (ehemaliges Teilstück der Waldstraße) oder die Ritter von Schmauß-Str. in den Köpfen von SPD, Grünen und FDP.
    Bleibt nur zu hoffen, dass das Geschichtsbewusstsein der Alt-Germersheimer nicht getrübt wird und bei den nächsten Wahlen die Quittung erfolgt.

  2. The Hippie sagt:

    Ich schlage eine Umbenennung in „Joschka Fischer Kaserne“ vor, da er als Aussenminister einen Meilenstein in der Bundeswehrgeschichte gesetzt hat. Ein Vorschlag für den sich sicherlich auch die GrünnInnen begeistern könnten.

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