Annweiler. Am vergangenen Samstag wurden zahlreiche Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei zu einem Schreckensszenario in Barbarossa- und Löwenherztunnel alarmiert.
Eine unklare Rauchentwicklung entpuppt sich als Brand im Barbarossatunnel, worauf es außerdem zu einem schweren Unfall im Löwenherztunnel kommt. Glücklicherweise handelt es sich bei diesem Szenario nur um eine große Übung.
Gegen 9.45 Uhr ist es im Barbarossatunnel zum Brand eines Lastkraftwagen mit Anhänger gekommen. Aufgrund der starken Rauchentwicklung müssen viele Verkehrsteilnehmer den Tunnel über Fluchtstollen verlassen.
„Die Einsatzkräfte haben mit erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen, einem hohen Koordinationsaufwand der flüchtenden Personen sowie Verletzten zu rechnen“, erklärt Kreisfeuerwehrinspekteur Rudi Götz und gibt wichtige Tipps: „In einem solchen Fall sollten die Verkehrsteilnehmer schnellstmöglich den Tunnel zu Fuß über die Flucht- und Rettungswege verlassen und den Autoschlüssel im Auto belassen, damit die Retter notfalls Fahrzeuge bewegen können“.
Im Übungsszenario kommt es weiterhin durch ein abruptes Bremsmanöver im direkt angrenzenden Löwenherztunnel zu einem Auffahrunfall mit mehreren Fahrzeugen sowie einem Reisebus. Mehrere Personen werden eingeklemmt und teilweise schwer verletzt.
Das Brandszenario und auch die Unfallszene sind täuschend echt dargestellt und sorgen so auch bei erfahrenen Einsatzkräften für eine hohe Anspannung.
Hierfür sorgten Pyrotechniker und eine besondere Einheit des DRK, welche Verletztendarsteller entsprechend schminkten und in ihre spezifischen Verletzungsmuster einwiesen. „Wir haben realistische Verletzungsmuster ausgearbeitet.
Zwölf Verletzte mit Rauchvergiftung sowie für den dargestellten Verkehrsunfall, offene Frakturen, Schnittverletzungen und Schockzustände sorgen auch bei den Helfern des Abschnittes Gesundheit für einen erhöhten Adrenalinschub“, so die Sprecherin der Leitenden Notärzte Simone Wolff und der Leiter der Gruppe Verletztendarstellung Timo Brein.
Während im Barbarossatunnel die Brandbekämpfung läuft, finden die Einsatzkräfte im Löwenherztunnel folgende Lage vor: In einem Reisebus befinden sich mehr als vierzig unverletzte Kinder und Betreuer einer Jugendgruppe.
Dargestellt wurden sie durch Angehörige verschiedener Jugendfeuerwehren. Zusammen mit ihren Jugendfeuerwehrwarten verlassen sie den Löwenherztunnel durch den Rettungsstollen. Sie müssen durch die Schnelleinsatzgruppe Betreuung registriert und versorgt werden.
Gleichzeitig sorgt künstlicher Rauch beim LKW-Brand im Barbarossatunnel für eine enorme Sichtbehinderung und ein lauter Knall deutet einen zerplatzenden Lkw Reifen an.
Durch dieses Ereignis werden die zuerst eingetroffenen Atemschutztrupps verletzt, so dass sie einen Hilferuf absetzen, von den Sicherheitstrupps gerettet und schließlich medizinisch versorgt werden müssen.
Insgesamt müssen also mehr als 50 Personen versorgt werden. Der Koordinationsaufwand für die Einsatzkräfte ist erheblich.
Dass ein solches Szenario realistisch ist, bestätigt auch der Leiter des Landesbetrieb Mobilität Speyer Kurt Ertel: „Nicht umsonst sind wir verpflichtet regelmäßig solche Übungen durchzuführen und betreiben diesen Aufwand – inklusive der Vollsperrung der Tunnelanlage“.
Dabei liege der Augenmerk nicht nur auf der technischen Rettung und der Brandbekämpfung, sondern insbesondere auf der taktischen Zusammenarbeit der Einsatzkräfte: „Die Einsatzleitung muss den Überblick über beide Schadensereignisse behalten und den Rettern schnellstmöglich die notwendigen Aufgaben zuteilen.
Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit der integrierten Leitstelle, der Tunnelleitzentrale, der technischen Einsatzleitung und der jeweiligen Einheiten von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst, Schnelleinsatzgruppen und THW“, so der Leiter der Führungsgruppe Technische Einsatzleitung Pascal Kubik.
Beispielsweise benötigt die Abschnittsleitung Gesundheit entsprechende Behandlungsplätze an den Portalbereichen.
In speziell ausgestatteten Schnelleinsatzzelten werden die geretteten Patienten gesichtet und nach der dortigen Behandlung in die umliegenden Krankenhäuser und Kliniken abtransportiert.
Dazu müsste im Ernstafll unter Umständen beispielsweise auch das Stadion gesperrt werden, damit die angeforderten Rettungshubschrauber die Patienten aufnehmen können. Gleichzeitig errichten das THW Landau gemeinsam mit Feuerwehreinheiten aus der Südwestpfalz die Stromversorgung für einen Teilbereich des Löwenherztunnels.
Im Bedarfsfall würde so die Stromversorgung im Tunnel sichergestellt. Eine andere Gruppe des THW baut das System „Awitel, eine drahtgebunden Besprechungsanalage“ auf. Damit könnte im Ernstfall auch die Kommunikation zwischen Tunnel und den außerhalb des Tunnels liegenden Abschnitten erfolgen.
Im Anschluss an die Übung wurde schließlich noch ein Realbrandversuch zum Test der Tunnelsicherheitstechnik durchgeführt.
Er dient dazu, allen beteiligten Rettern nochmals die Gefährlichkeit des Brandrauches sowie dessen Ausbreitung vor Augen zu halten.
Am Ende sind sich alle Experten einig, dass die Rettungskräfte für eine solche Lage gut gerüstet seien. „Es ist unglaublich spannend zu beobachten, wie alle Zahnräder ineinander greifen und trotz der enormen Belastung bestmögliche Hilfe leisten.
Herzlichen Dank an diese schlagkräftige Truppe für Ihren Einsatz“, so Kreisbeigeordneter des Landkreises Südliche Weinstraße Helmut Geisser.
Insgesamt waren mehr als 250 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst, Schnelleinsatzgruppen, Leitende Notärzte, Organisatorische Leiter Rettungsdienst und THW aus den Landkreisen Südliche Weinstraße und Südwestpfalz sowie der Stadt Landau in der Pfalz beteiligt. Ebenso waren auch Mitarbeiter des Landesbetrieb Mobilität gefordert.
Ziele der Übung waren neben der Überprüfung der Sicherheitstechnik der Tunnelanlagen sowie des Selbstrettungskonzeptes, vor allen auch die Zusammenarbeit aller Organisationen in der Gefahrenabwehr.
„Im Juni wird noch eine Nachbesprechung stattfinden, in welcher die Übung nochmals bewertet und auch Optimierungsmöglichkeiten analysiert werden“, so Götz der sich zusammen mit Wehrleiter der Verbandsgemeinde Annweiler Klaus Michel bei allen bedankt, die diese Übung möglich gemacht haben: „Insbesondere ohne die Firmen Gustav Kühner – Span-Service Holzlogistik GmbH, dem Autohaus Max Grünewald und der Queichtal Nahverkehrsgesellschaft GmbH wäre diese Realitätsnähe nicht möglich gewesen.
Sie haben den hohen Aufwand übernommen und uns die Fahrzeuge zur Verfügung gestellt. Die Firma Typosatz Werbeagentur & Verlag hat dankenswerter Weise die Aufnahme von Luftbildern übernommen“.
Im Anschluss an die Übung erfolgte die Verpflegung der Übungsteilnehmer durch den Verpflegungstrupp des Katastrophenschutzes Landkreis Südliche Weinstraße. Aufgrund der Übung kam es im Bereich Annweiler zu Verkehrsbehinderungen. (red)

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