Neujahrsempfang Verbandsgemeinde Jockgrim: Schulen noch immer Hauptthema

5. Januar 2015 | Kategorie: Kreis Germersheim, Politik regional, Regional

Verbandsgemeindebürgermeister Uwe Schwind führte durch den Vormittag.
Fotos: pfalz-express.de/Licht
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Jockgrim – Die Welt aus den Fugen, gewaltsame Auseinandersetzungen in der Ukraine, in Syrien, im Irak und anderswoauf der Erde: „Wenn uns da unsere Probleme auf kommunaler Ebene klein und zu vernachlässigen vorkommen, so hängt doch alles irgendwie zusammen.“ Das sagte Verbandsbürgermeister Uwe Schwind bei seiner Neujahrsrede auf dem Empfang im Ziegeleimuseum Jockgrim.

Vorab informierte Schwind jedoch mit einer ausführlichen Bewertung der Finanzlagen der Verbands- und Ortsgemeinden.

Neupotz sei als kleinster Ort dennoch der finanzielle Krösus in der Verbandsgemeinde mit aktuellen Rücklagen von 750.000 Euro – genau wie im Jahr zuvor.

Hatzenbühl sei aber dabei, Neupotz als Erstplatzierten abzulösen. Durch den Verkauf von Baugrundstücken ist die Ortsgemeinde nicht nur schuldenfrei, sondern hat mittlerweile 0,4 Millionen Euro Rücklagen. Wenn allerdings die Ortsrandstraße mit der entsprechenden Finanzierungsnotwendigkeit käme, könne sich die Lage natürlich wieder verändern, sagte Schwind.

Rheinzabern habe das Problem aller Grundzentren, die ihre Infrastruktur ausbauen müssten. So schlägt beispielsweise der Stadtbahnausbau eine ordentliche Kerbe in die Gemeindekasse. Investitionen dieser Art seien jedoch notwendig, nur so könne man den Ort als Wohnort attraktiv halten. Der Schuldenstand von Rheinzabern stieg bis zum Ende des Jahres 2014 auf  2,7 Millionen Euro .

Einen großen Batzen macht der Ausbau der IGS aus. Jetzt seien die Schüler der 10. Klassen gefragt, betonte Schwind.  Diese müssen sich im Frühjahr 2015 mit Erhalt der Halbjahreszeugnisse entscheiden, ob sie in Rheinzabern in einer dann neu zu bildenden Oberstufe ihr Abitur machen wollen. Benötigt werden mindestens 51 Anmeldungen.

Jockgrims Ortsbürgermeisterin Sabine Baumann hat seit ihrer Amtsübernahme im letzten Jahr den höchsten Schuldenberg in Höhe von 12,8 Millionen zu stemmen.

Den aufgenommenen Geldern stünden jedoch Projekte gegenüber, die von allen gewollt gewesen seien und reale Gegenwerte für die Bevölkerung darstellten. Als Beispiele nannte Schwind die Stadtbahn, die Ortsumgehung Jockgrim und den Ausbau der drei Kindertagesstätten. Immerhin sei das Zinsniveau bei den Investitionskrediten niedrig, so Schwind.

Die Verbandsgemeinde Jockgrim selbst erlebe derzeit ebenfalls eine Phase einer Neuverschuldung für Investitionen, die schon lange beschlossen seien. Konkret nannte Schwind die Finanzierung des Schulausbauprogramms, hauptsächlich der Sekundarstufe I der Integrierten Gesamtschule Rheinzabern.

Am Ende der  Entwicklung 2016 rechne man mit einem Schuldenstand von insgesamt ca. 6 Millionen Euro, der allein für den Schulbau gebraucht würde. Es sei dennoch gut angelegtes Geld: Bildung sei bekanntlich der einzige Rohstoff des Landes, betonte der Verbandsbürgermeister.

Das Thema Schule bleibt weiterhin Schwerpunkt in den kommenden beiden Jahren. Besonders in den Grundschulen der Ortsgemeinden gibt es Sanierungs- und Erweiterungsbedarf, wie Schwind ausführte.

Mit nachdenklichen Worten traf Ortsbürgermeisterin Sabine Baumann den Nerv der Anwesenden. Das Leben verlange manchmal schwierige Entscheidungen ab, nicht immer könne und solle man es jedem recht machen. Manchmal sei ein „ja“ angebracht, manchmal ein „Nein“ und dann wiederum ein Mittelweg – sei es nicht einfach, die richtige Entscheidung zu treffen, sagte Baumann und wünschte den Gästen die nötige Kraft dafür. Spontaner Beifall war die Antwort.

Sabine Baumann wies zudem auf das 750-jährige Dorfjubiläum hin, das mit viel Kunst, Kultur und Veranstaltungen über das ganze Jahr hinweg gefeiert wird. (Informationen dazu: 750 Jahre Jockgrim: Jockgrim feiert 2015 Dorfjubiläum zum Mitmachen)

Musik, Hoheiten, Sternsinger, Kinderchor und Mundartdichter Erich Hoffmann

Der Neujahrsempfang wurde musikalisch begleitet von der Jugendkapelle Hatzenbühl unter der Leitung von Melanie Hinkel.

Mundartdichter und Musiker Erich Hoffmann aus Neupotz, der es sich zur Chefsache gemacht hat, die „Sproch zu pflege“, mahnte an: „Hochdeitsch zu kenne isch zwar schää, doch muss es aach uff pfälzisch geeeh.“

Tabakkönigin Sina I. aus Hatzenbühl beantwortete die ihr am meisten gestellten Frage, ob eine Tabakkönigin denn rauchen müsse, mit einem klaren „Nein“. Sie sei Botschafterin der Kulturpflanze Tabak und nicht des Genussmittels.

Auch die Sternsinger mit Pfarrer Roland Hund waren gekommen, ebenso wie die Rheinzaberner Faschingsmajestäten Prinzessin Fabiana I. und Prinz Metin I. Beide hielten sich wegen eines sich kürzlich zugetragenen Unglücks in Rheinzabern kurz.

Viel Applaus bekamen die kleinsten Protagonisten: Die Rheinkehlchen aus Rheinzabern bezauberte mit Liedern und Darbietungen.

Wohnraum für Asylbewerber

Uwe Schwind appellierte an Wohnungseigentümer in der Verbandsgemeinde, für die zugewiesenen Asylbewerber Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Aktuell sind in der Varbandsgemeinde über 70 Asylbewerber aus elf Nationen untergebracht, dezentral über alle vier Ortsgemeinden verteilt. Im Jahr 2015 werden etwa 50 Personen hinzukommen: „Es ist ein solidarischer Akt der Mitmenschlichkeit und wir garantieren als Verbandsgemeinde für anständige sowie pünktliche Mietzahlungen. Sollten unsere Bemühungen auf dem Wohnungsmarkt nicht erfolgreich sein, wären wir leider irgendwann gezwungen, Wohncontainer aufzustellen.“

Was jeder leisten könne, sei auf jeden Fall eine „Willkommenskultur“, die „die Menschen freundlich aufnimmt und sie nicht noch in unserem Land mit Hass verfolgt. Auch darum möchte ich Sie herzlich bitten als Zeichen unserer Mitmenschlichkeit. Das kostet uns wirklich nichts, zumindest nichts Materielles“, betonte Schwind.

Feuerwehrleute geehrt

Wie jedes Jahr wurden auch dieses Mal wieder verdiente Feuerwehrleute geehrt.

Das Silberne Feuerwehr-Ehrenzeichen des Landes für 25 Jahre aktive Tätigkeit erhielt Rüdiger Oeder von der Feuerwehr Jockgrim.

Das Goldene Feuerwehr-Ehrenzeichen des Landes für 35 Jahre aktive Tätigkeit bekamen Klaus Gehrlein von der Feuerwehr Neupotz und Michael Dirion von der Feuerwehr Rheinzabern verliehen.

Der bisherige Wehrleiter der Verbandsgemeinde Jockgrim Hans-Jürgen Lugscheider, wurde auf Wunsch seiner Kameraden zum Ehrenwehrleiter der Verbandsgemeinde Jockgrim ernannt.   (cli)

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