
Die Teilnehmer des trinationalen Orchesterprojekts in Krakau.
Foto über KV SÜW
SÜW/Landau/Elsass – Alle reden von grenzüberschreitender Zusammenarbeit und europäischer Solidarität. Das Projekt „Youth. Europe. Music.“ hat nicht nur Worte, sondern Taten und die Musik sprechen lassen.
Junge Menschen aus Deutschland, genauer gesagt von der Kreismusikschule Südliche Weinstraße und der Universität in Landau, von der Staatlichen Musikschule in Oświęcim, Polen, und aus Frankreich, von der Ecole Municipale des Arts de Wissembourg, musizierten, lebten und lernten zusammen. Und das an einem bedeutenden Datum: rund um den 77. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Dazu an einem bedeutenden Ort: in der polnischen Stadt Oświęcim, die in der Zeit der deutschen Besatzung Auschwitz hieß.
Das gemeinsame Konzert in genau dieser Stadt, dessen Wiederholung in Katowice sowie ein Begleitprogramm, das unter anderem Besuche in dem ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager sowie ein Zeitzeugen-Gespräch beinhaltete, haben bei den Teilnehmern starke Eindrücke hinterlassen. Auch seitens des Publikums und von der Öffentlichkeit vor Ort gab es große Resonanz. Sogar der polnische Staatspräsident Andrzej Duda hat sich mit einer Grußbotschaft an die jungen Leute aus drei Nationen gewandt.
Nun steht fest: Das „Weimarer Dreieck der Jugend“ geht in Verlängerung. Im Herbst werden polnische Musikschüler an der Südlichen Weinstraße und in Weißenburg erwartet. Landrat Dietmar Seefeldt, Weißenburgs Bürgermeisterin Sandra-Fischer-Junck, Professor Matthias Bahr (Universität Koblenz-Landau, Campus Landau, Schwerpunkt „Menschenrechtsbildung“) und Adrian Rinck, Leiter der Kreismusikschule Südliche Weinstraße, haben das trinationale Orchesterprojekt persönlich in Polen begleitet und feilen bereits am Programm des Gegenbesuchs.
Im September 2022 findet der Gegenbesuch der polnischen Freunde statt. Wieder wird es gemeinsame Proben der jugendliche Musiker unter dem französischen Dirigenten Marc Bender geben.
Konzerte sind auf dem Hambacher Schloss (14. September 2022, abends), im Europäischen Parlament in Strasbourg, im Kulturzentrum „la NEF“ in Wissembourg sowie im Hohenstaufensaal Annweiler geplant. Neben der Musik wird es ebenfalls wieder ein konzeptionell starkes Begleitprogramm im Sinne des europäischen Miteinanders geben. Die Bedeutung der Demokratie und der Einsatz für Freiheit und Gleichheit auf dem europäischen Kontinent sollen dabei besonders im Fokus stehen.
Stimmen
Landrat Dietmar Seefeldt betont: „In der aktuellen Zeit ist es besonders wichtig, über jegliche Grenzen hinweg zueinander zu finden. Sprachkenntnisse sind dafür nicht ausschlaggebend. “ Es habe sich gezeigt, dass die Musik eine Form der politischen Bildung sein könne und die Projektmittel hervorragend investiertes Geld in die Jugend seien, für ein gutes Miteinander in der Zukunft. Persönlich habe ihn besonders beeindruckt, wie beim letzten Konzert der jungen Leute in der örtlichen Musikschule sichtbar alle Emotionen und die Anspannung der erfahrungsreichen, vorangegangenen Tage im gemeinsamen Musizieren abgefallen und darin aufgegangen seien.

Adrian Rinck, Landrat Dietmar Seefeldt und Prof. Dr. Matthias Bahr (von links).
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Sandra Fischer-Junck sagt: „Die Teilnehmenden aus den drei europäischen Ländern haben verschiedene Sprachen und Kulturen, aber eine gemeinsame Kompetenz, die universelle Sprache der Musik.“ Ein Gefühl der Einheit sei bei den herausragenden Konzerten transportiert worden.
Sie weist darauf hin, dass das musikalische Ereignis in Polen und insbesondere in Auschwitz eine Gelegenheit für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer war, sich die Geschichte zu vergegenwärtigen: „Das Gedenken ist unerlässlich, um zu verhindern, dass sich solche Tragödien der Menschheit je wiederholen.“
Matthias Bahr hebt hervor, dass neben der musikalischen auch eine andere Dimension, eine der Bildung, Verantwortung, des Mensch-Seins, gestärkt wurde: „Bewusstsein für die Bedeutung der Orte, der Historie und der daraus resultierenden eigenen Rolle ist entstanden. Es ist gelungen, die jungen Menschen mitzunehmen auf dem Weg der Auseinandersetzung mit der Welt. Dies zeigten die Zwischentöne und auch konkrete Rückmeldungen. So hat sich der jüngste Teilnehmer, ein 12-jähriger Junge, kürzlich gemeldet. Er möchte ein Buch schreiben über seine Erlebnisse vor Ort.“
Adrian Rinck sieht die trinationalen Erfahrungen auch als Anlass, die Arbeit an Musikschulen grundsätzlich weiterzudenken. „Wir sind ermutigt, über den Tellerrand hinauszublicken. Musikschulen können ein Forum sein, eine Leinwand für mehr: für Sprache, Geschichte, politische und zivilgesellschaftliche Bildung. Unsere Erfahrungen tragen wir jetzt bei Tagungen und darüber hinaus an Kolleginnen und Kollegen weiter und freuen uns auf die Folgeprojekte.“

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