Haßloch/Landau. Derzeit sind besonders im Bereich des Haßlocher Parkfriedhofes und der Westrandstraße „gespenstisch“ anzuschauende Gehölze und Bäume zu sehen. Diese sehen aus, als wären sie von Spinnenweben eingehüllt worden.
Auch in der Landauer Innenstadt, etwa in der Godramsteiner Straße, aber auch in fast allen Stadtdörfern, beispielsweise auf dem Friedhof in Dammheim, sind aktuell Bäume und Sträucher zu beobachten, die von einem silbrigen Gewebe überzogen sind, das an Spinnweben erinnert.
Besorgte Bürger in Haßloch und Landau melden diese zahlreichen Gespinste und fragten bei den Umweltabteilungen der Haßlocher Verwaltung und bei der Stadt Landau nach, was es damit auf sich hat.
Hier sind Gespinstmotten aktiv, die vor allem Wildgehölze wie Schlehe, Weißdorn, Pfaffenhütchen etc. befallen, informieren Hans-Jürgen Bub, Dipl. Ing. der Landespflege, Mitarbeiter der Haßlocher Bauabteilung sowie Sabine Klein, Leiterin der Grünflächenabteilung der Stadt Landau.
Viele Anrufer befürchten beim Anblick der von der Gespinstmotte verhüllten Bäume und Sträucher auch einen Schädling, wie zum Beispiel den Eichenprozessionsspinner, dessen Haare beim Menschen heftige allergische Reaktionen hervorrufen können. Solche Reaktionen sind bei der Gespinstmotte aber nicht bekannt.
Auch Obstgehölze werden von den Faltern befallen.
„Die Falter legen ihre Eier bereits im Herbst an den Gehölzen ab, die Raupen fressen dann im Frühjahr das frisch ausgetriebene Laub. Um sich dabei vor ihren Fraßfeinden und Vögeln zu schützen, bilden die Raupen ein dichtes Gespinst um sich herum aus. Dieses Phänomen kann man dieser Tage gut beobachten. Da die Pflanzen auch meist komplett kahl gefressen werden, wird mit dem Befall ein Absterben der Gehölze vermutet“, so Bub.
Es sei allerdings oft nur ein optisches Problem, so Bub. In der Regel erholen sich die Pflanzen vom Befall der Raupen der Gespinstmotten, da diese bis Ende Juni ihre Entwicklung als Raupe abgeschlossen haben und sich dann verpuppen.
Die Pflanzen können den Blattfraß mit einem zweiten Austrieb kompensieren, dem sogenannten Johannistrieb. Eine Bekämpfung ist daher in der freien Natur nicht erforderlich. Werden Pflanzen in einem Hausgarten befallen, empfiehlt sich beim ersten Auftreten eine mechanische Bekämpfung durch Ablesen oder Abspritzen mit einem Wasserstrahl. Bio-Gärtner fördern in ihrem Garten Nützlinge wie Raubwanzen und Schlupfwespen.
„Die Gespinste können ganze Sträucher umfassen“, klärt auch Sabine Klein auf. „Ebenso kann es passieren, dass die Tiere eine in unmittelbarer Nähe zum Grünbewuchs stehende Sitzbank mit ihrem Schleier bedecken. In allen Fällen gilt aber: Für den Menschen sind die Tiere und deren Gespinste harmlos.
Und auch Bäume und Sträucher erholen sich von dem Befall meist wieder gut.“ In diesem Jahr sei das Naturschauspiel im Vergleich zu den Vorjahren besonders häufig zu beobachten, so Klein.
„Die Gespinstmotte ist aber harmlos“, versichert Klein. Auch davon, den Tieren mit Gift zu Leibe zu rücken, rät sie ab. „Da würde man mit Kanonen auf Spatzen schießen, zudem ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in öffentlichen Grünflächen nur sehr begrenzt erlaubt, damit Nutzinsekten und Grundwasser geschont werden.“
Übrigens: Die Gespinstmotte kann auch auf eine bemerkenswerte Kulturgeschichte zurückblicken. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert wurden vor allem in Tirol die Gespinste der Motte als Grundlage für Gemälde verwendet. Auf diese Weise wurde auch der Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer verewigt.

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