Mittwoch, 30. September 2020

Kundgebungen in Kandel: Flaggenmeer und stiller Protest gegen „Frauenbündnis“

8. August 2020 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Politik regional, Regional

Fotos: Pfalz-Express/Licht/Fotostrecke am Textende

Kandel – Jeden Monat wieder – das hat sich wohl das „Frauenbündnis Kandel“ vorgenommen, das sich am Samstagnachmittag zum zweiten Mal nach längerer Zeit wieder in Kandel versammelt hatte.

Die Bündnisse „WIR sind Kandel“ (WsK) und „Kandel gegen Rechts“ (KgR) hielten mit zwei Aktionen dagegen: WsK hatte für ein ein Flaggenmeer gesorgt – Flaggen der Heimatländer der Menschen aus 91 Nationen, die in Kandel leben. Damit sollte eine deutliche Stellungnahme „gegen Rassismus und für Solidarität und Menschlichkeit“ vermittelt werden. KgR hatte sich dieses Mal für einen „stillen Protest“ gegen das „Frauenbündnis“ entschieden. Reden wurden nicht gehalten, statt dessen gab es Schilder mit Aufschriften wie beispielsweise „Wir zeigen Gesicht #WzG“ (siehe Fotostrecke).

Das Geschehen vor der Verbandsgemeindeverwaltung verlief aus polizeilicher Sicht störungsfrei. Die Polizei schätzte gegen Ende der Veranstaltung die Teilnehmer beim „Frauenbündnis“ auf etwa 60 Personen, auf Seiten des Bündnisses „Kandel gegen Rechts“ in der Spitze auf rund 100 Personen. Mit dabei auch der SPD-Landtagsabgeordnete Alexander Schweitzer und Kandels Bürgermeister (Verbandsgemeinde) Volker Poß, ebenfalls SPD.

Das „Frauenbündnis Kandel“ indes wollte nicht still sein und wartete wieder mit einigen Rednern auf, darunter Stefan Räpple, der Ende März 2020 vom Schiedsgericht des AfD-Landesverbands Baden-Württemberg aus der Partei ausgeschlossen wurde. Das Schiedsgericht sah seinerzeit ein parteischädigendes Verhalten Räpples. Ihm wurden wiederholte Provokationen und eine zu große Nähe zu rechtsextremen Organisationen und Personen vorgeworfen. Anstoß erregte auch sein Verhalten im Landtag – im Dezember 2018 sollte er nach vorausgegangenen Ordnungsrufen die Sitzung verlassen, tat das aber erst, nachdem die Landtagsverwaltung die Polizei zu Hilfe gerufen hatte.

[Nachtrag am 9. August: Auch in Kandel hat Räpple sich offenbar nicht beherrschen können. Auf dem Blog „Roter Rabe Blogspot“ ist ein Video aufgetaucht, das zeigt, wie Räpple mit einem Polizisten aneinander gerät. Räpple droht dem Beamten: „Wenn Sie mal in die Rente kommen und wir sind an der Regierung, dann sind Sie ihre Pension los, mein Freund, verstehen Sie das? Dafür sorge ich, Bursch.“]

Rednerin: „Deutschland ist kein Staat“

Der Inhalt der Reden auf dem Platz vor der Kandeler Verwaltung entsprach im Großen und Ganzen dem der üblichen „Corona-Demos“. Alles war dabei: Deutschland sei ein Rechtskonstrukt und kein Staat, man werde Widerstand leisten gegen den Impfzwang, man müsse die Kinder schützen, das Land werde von den Regierenden ruiniert. Wenn man das nicht wolle, sei man „rechts“ oder werde „Covidioten“ genannt, klagte eine Rednerin. Es gehe nicht mehr um das Wohl des deutschen Volkes, er herrsche ein Mangel an Meinungfreiheit und eine Diktatur, sagte die Rednerin  – immerhin auf einer öffentlichen Kundgebung. Einen Widerspruch sah man darin offenbar nicht. Kritisiert wurden zudem die öffentliche Herabsetzung der Polizei und der Bundeswehr. „Widerstand“- und „Pfui“-Rufe ertönten an den entsprechenden Stellen.

Mehr Zivilcourage gewünscht

Eine Kandeler Ehepaar, das an der Gegenkundgebung teilgenommen hatte, bedauerte am Ende der Versammlung, dass nicht mehr Kandeler Bürger bereit wären, sich gegen das „Frauenbündnis“ zu stellen. Außerhalb der Region, wo man nicht so genau über die Gegenbewegungen informiert sei, habe Kandel mittlerweile einen Ruf als „braunes Dorf“.

Der Landtagsabgeordnete Schweitzer sagte, es gelte nach wie vor, sich demokratisch und friedlich gegen Rechts zu stellen. Bedauerlicherweise sei das immer noch nötig. (cli)

 

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