
Von links: Tobias Flöser (Impfkoordinator), Markus Zwick (Oberbürgermeister Pirmasens), Dr. Susanne Ganster (Landrätin Südwestpfalz), Dr. med. Heinz-Ulrich Koch (Leiter Gesundheitsamt Südwestpfalz)
Foto: W. G. Stähle
Pirmasens/Südwestpfalz. „Am kommenden Mittwoch, 16. Juni 2021, wird in Halle 6C der Messe Pirmasens die 50.000ste Spritze aufgezogen“, hatte die Stadtverwaltung am Montag angekündigt.
Tatsächlich war die Ansage zum Stichtag überholt. „Heute wird die 52.000 Corona-Schutzimpfung verabreicht“, konnte dann Oberbürgermeister Markus Zwick (Pirmasens) bei der aus diesem Anlass angesetzten Vorstellung des interkommunalen Impfzentrums bekanntgeben. Gleichzeitig wurde eine Zwischenbilanz aufgezeigt sowie ein Ausblick zur Pandemie-Lage gegeben.
Mit auf dem Podium waren Landrätin Dr. Susanne Ganster, der Leiter des Gesundheitsamtes Südwestpfalz Dr. med. Heinz-Ulrich Koch, Impf-Koordinator Tobias Flöser und Beigeordneter Denis Clauer (Pirmasens).
Dank an viele Hände, die mit geholfen haben
„Die hiesige Impfkampagne war eine bemerkenswerte Leistung. Enormer Aufwand und Einsatz war erforderlich.“ Dementsprechend sei ihm wichtig die Gelegenheit zu nutzen, „den vielen Händen die mitgeholfen haben“ Dank auszusprechen, betonte Oberbürgermeister Zwick. Dem schlossen sich Landrätin Ganster und Gesundheitsamtsleiter Koch an den Impfkoordinator gewandt, ausdrücklich an.
„Lob möchte ich auch den Arztpraxen aussprechen“, so Landrätin Susanne Ganster. Deren Beteiligung an der Impfkampagne läge auf Platz zwei in gesamt Rheinland-Pfalz. Dies sei einer der Gründe, warum man über dem Landes- und Bundesdurchschnitt liege.
Seitdem am 5. Januar 2021 hier das erste Vakzin verabreicht wurde, seien im Zuständigkeitsbereich annähernd 60 Prozent erstgeimpft und fast 40 Prozent hätten bereits ihre erforderliche zweite Dosis erhalten.
83 Prozent wurde ein modRNA-Impfstoff (beispielsweise von Biontech) und 17 Prozent ein Vektor-Impfstoff (wie von AstraZeneca) verabreicht.
Diesem Impfzentrum sind rund 103.300 Einwohner aus der Stadt Pirmasens und dem Landkreis Südwestpfalz zugeordnet, mit Ausnahme Verbandsgemeinden Zweibrücken-Land und Thaleischweiler-Wallhalben. Bis zu 800 Personen könnten pro Tag geimpft werden. Allerdings sei „die Impfstoffmenge die uns erreicht, oft nicht ausreichend“, berichtete Susanne Ganster.
Gute Resonanz und viel Lob
Impfkoordinator Tobias Flöser, der seit Beginn den organisatorischen Betrieb leitet, berichtete von „guter Resonanz und viel Lob von Seiten derer, die das Impfzentrum durchlaufen“. Als Neuigkeit könne er mitteilen, „seit heute früh geht der digitale Impfpass. Die Leute bekommen einen Ausdruck mit dem (dafür erforderlichen) QR-Code“.
Dieser zusätzliche Impfnachweis war vom Bundesgesundheitsminister angekündigt worden und hatte zunächst Startschwierigkeiten.
Jeder Fünfte erscheint nicht
Durchschnittlich würde rund jeder fünfte gebuchte Termin nicht wahrgenommen, bemängelt Impfkoordinator Flöser. Vermutlich würden sich Leute an mehreren Stellen registrieren und dann nicht absagen. Dadurch entstehe beachtlicher Mehraufwand und es sei nicht fair gegenüber den Vielen die noch auf der Warteliste stehen.
Bislang sei es durch kurzfristige Benachrichtigung Impfwilliger gelungen, dass dennoch kein Impfstoff verloren geht. „Es liegt mir am Herzen dazu aufzurufen, dass die Leute gegebenenfalls stornieren“, appelliert Tobias Flöser. Auch auf dem Anmeldeportal sei das „ganz einfach“.
Impfzentrum soll im September schließen
Das Impfzentrum soll „entsprechend den Vorgaben vom Land bis Ende September laufen“, gab Markus Zwick bekannt. Offensichtlich in Zweifel, ob diese Entscheidung realistisch ist, kündigte er an, man könne bei Bedarf verlängern. „Wir sind offen, falls eine Fortsetzung erforderlich wird“, bestätigte Landrätin Ganster.
„Die Teststrategie des Bundes soll verändert werden. Erste Informationen erreichen uns“, so Ganster. „Wenn wir künftig private Teststationen prüfen müssen, wird das mit erheblichem Aufwand verbunden sein“.
Mit gequältem Lächeln fügte sie an: „Es gibt jeden Tag etwas Neues.“
Pandemie-Lage
Landrätin Ganster freute sich mitteilen zu können, dass „die unglaublichen Veränderungen zu vorher“ anhielten. Die meisten relevanten Inzidenzen seien weiter rückläufig. Eine Entwarnung könne dennoch nicht ausgesprochen werden.
Aktuell sei bei drei Betroffenen die Delta-Variante des Virus festgestellt worden. Es gäbe Anzeichen, dass sich diese auch „indische Variante“ genannte Mutation, von Straßburg her ausbreite.
Mittlerweile infizierten sich verstärkt Kinder und Jugendliche. Sie hoffe auf eine Impfempfehlung auch für diese Altersgruppen.
Luca-App per Schlüsselanhänger
Die Luca-Warnapp (Software zur Kontaktverfolgung) sei eingeführt, gab die Landrätin bekannt. Für Leute, die kein Smartphone nutzen, habe man Schlüsselanhänger bestellt. Die notwendigen Angaben würden dann auf diesem hinterlegt. Wo die Daten einprogrammiert und die Anhänger ausgegeben werden, sei noch zu entscheiden. Es sei beabsichtigt, diese kostenlos abzugeben.
Wann können wir die Masken ablegen?
Mit „wann können wir die Masken ablegen und brauchen nicht mehr auf Abstand zu achten?“ eröffnete der Leiter des bei der Kreisverwaltung angesiedelten Gesundheitsamtes seine Einschätzung der Pandemielage.
Da Virus-Übertragungen per Tröpfchen und Aerosole erfolgten, sei dies bis auf Weiteres nicht zu empfehlen. „Das Virus sitzt im Verborgenen“. Im jeweiligen Fall sei wichtig zu wissen, wo die Infektion herkommt. Die Sieben-Tage-Inzidenz sei ein guter Parameter, aber nicht der einzige.
Die Pandemie erlösche, „wenn der Erreger kein nicht-immunisiertes Opfer mehr findet“. Dies sei denkbar sobald mindestens zwei Drittel der Bevölkerung geimpft oder genesen sind. „Dann wird es nur noch Einzelfälle geben und dann ist Maske ablegen möglich.“
Er lese „mit Bestürzung“ von der Entscheidung der Landesregierung Schulunterricht in Vollbelegung und ohne Masken durchführen zu wollen, fuhr der Mediziner fort. „Wo hat das Bildungsministerium sein Schutzkonzept verborgen?“
Ein einzelner Infektionsfall würde künftig bedeuten, dass nicht eine Gruppe sondern die ganze KiTa in Quarantäne muss, befürchtet er.
„Hier hat unser Gesundheitsamt eine andere Einschätzung als die Landesregierung“, konstatierte Landrätin Ganster und betonte: „Wir sind mit den Einschätzungen des Herrn Doktor Koch immer gut gefahren“. Sie habe Respekt. „Mir sind die Augen aufgegangen was passieren kann.“ Nun müsse man abwarten und das Geschehen beobachten.
Möglichkeiten, als Träger von Schulen und Kindergärten von diesen neuesten Vorgaben der Landesregierung abzuweichen, sehe man derzeit nicht, erklärten Oberbürgermeister und Landrätin auf Nachfrage. Man werde die Entwicklung beobachten. (Werner G. Stähle)

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Foto: W. G. Stähle

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