
Besonders Frauen haben es oft schwer, nach Jahren der Kindererziehung wieder eine Vollzeitstelle zu bekommen.
Foto: dts Nachrichtenagentur
Kreis Germersheim – Immer mehr unsichere Jobs: Rund 18.400 Menschen im Kreis Germersheim arbeiten in Teilzeit, Leiharbeit oder haben einen Minijob als alleiniges Einkommen, kritisiert die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).
Die Gewerkschaft beruft sich hierbei auf eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die die Entwicklung am Arbeitsmarkt im Kreis Germersheim seit dem Jahr 2003 untersucht hat. Demnach sei der Anteil der so genannten atypischen Beschäftigung an allen Arbeitsverhältnissen im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert von 36 Prozent gestiegen. Damals lag die Quote atypischer Jobs noch bei 29 Prozent.
IG BAU-Bezirkschefin Marina Rimkus spricht von einem „Alarmsignal an die Politik“: „Es kann nicht sein, dass wir einerseits einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben, aber andererseits so viele Menschen in prekären Verhältnissen arbeiten“, sagt Rimkus. Hier sei „grundsätzlich etwas in Schieflage geraten“. Der unbefristete Vollzeit-Job müsse dringend wieder zum Normalfall werden, fordert die IG BAU Süd-West-Pfalz.
Nach Angaben der Böckler-Stiftung hat im Kreis Germersheim besonders die Teilzeit-Beschäftigung drastisch zugenommen: Arbeiteten 2003 noch etwa 5.800 Erwerbstätige in Teilzeit, waren es 2016 bereits rund 10.200 – ein Anstieg von 75 Prozent.
„Gerade für Frauen ist es nach einer Familienpause enorm schwer, wieder voll in den Beruf einzusteigen. Gegen die Teilzeit-Falle brauchen wir endlich ein verbrieftes Rückkehrrecht in Vollzeit“, ist Gewerkschafterin Marina Rimkus überzeugt. Ein entsprechender Gesetzentwurf der großen Koalition war in diesem Frühjahr am Widerstand der Union gescheitert.
Auch bei Minijobs gibt es der Studie zufolge keine Entwarnung: 7.900 Menschen im Landkreis waren 2016 ausschließlich geringfügig beschäftigt (2003: 6.600). In der Gebäudereinigung machten Minijobs mittlerweile die Hälfte aller Arbeitsplätze aus, so Rimkus. Auch hier seien es insbesondere Frauen, die nach einem Jobverlust oder einer Trennung oft schnell in Hartz IV abrutschten.
Mit Blick auf die Bundestagswahl im September fordert die IG BAU Süd-West-Pfalz von den Parteien klare Konzepte „gegen die Unwucht am Arbeitsmarkt“.
Dazu müsse die Abschaffung der Befristungen ohne sachlichen Grund genauso gehören wie die Einbeziehung von Minijobs in die Sozialversicherung. „Dabei sind auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Statt aufs Billig-Prinzip sollten Chefs auf Kontinuität setzen“, so Rimkus. Wer heute vollwertige Stellen schaffe, brauche sich morgen nicht um fehlende Fachkräfte sorgen. (red)

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