Kurpfalz. Die Erich und Erna Kronauer-Stiftung vergibt in diesem Jahr zum achten Mal ihren Historiker-Preis an Dr. Stefan Scheil für sein Buch „Logik der Mächte. Überlegungen zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs“. Der Preis ist mit Euro 10. 000 Euro dotiert.
In dieser Studie, die den Auftakt zu einer Reihe weiterer Buchveröffentlichungen Scheils zur internationalen Politik der Weltkriegsära bildet, setzt sich der Geschichtswissenschaftler mit geschichtsphilosophischen Themen auseinander, die zu neuen Einsichten in Ursache und Wirkung dieses Krieges führen.
Die Verleihung des Preises findet im Oktober 2014 im historischen Rathaus der ehem. Freien Reichsstadt Schweinfurt statt. Die Laudatio hält Professor Ernst Nolte, Berlin.
Pfalz-Express stellt dem in Neuhofen lebenden Historiker einige Fragen zu seiner Auszeichnung.
Herr Dr. Scheil, Sie sind ja gebürtiger Kurpfälzer….
In der Tat bin ich gebürtiger Mannheimer und hauptsächlich in Ludwigshafen aufgewachsen.
Gibt es in Ihren Betrachtungen auch einen Bezug zur Pfalz?
Einen Bezug zur Region und meinen Veröffentlichungen gibt es zunächst dadurch, dass ich meinen Magistertitel (M.A.) mit einer Arbeit über den politischen Antisemitismus im Großherzogtum Baden Ende des 19. Jahrhunderts erworben habe. Die nachfolgende Promotion hat das Thema in der Doktorarbeit dann deutschlandweit (und also auch in der Pfalz) aufgegriffen, wobei sich herausgestellt hat, dass der parteippolitische Antisemitismus in der Pfalz noch schwächer war als im liberalen Baden. Der Antisemitismus in Deutschland hatte damals seine Zentren an anderer Stelle – was für die Pfalz ja nicht gerade ein schlechtes Ergebnis ist.
Was bedeutet Ihnen persönlich der Preis?
Es ist natürlich eine große Freude, in die Reihe der Preisträger der Erich und Erna Kronauer-Stiftung aufgenommen zu werden und ebenso ein Ansporn. Die Kronauer-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, die Ursachen von Totalitarismus und antidemokratischem Verhalten aufzuklären. Zu solchen Ursachen gehört eben auch immer die jeweilige internationale Lage. Das ist ja derzeit auch ein vieldiskutiertes Thema.
Wie kamen Sie zum Thema?
Mitte der 90er Jahre habe ich mit systematischen Studien über die Entwicklung von internationalen Beziehungen begonnen. Zum Schwerpunkt meines Interesses gehörten dabei die Ursachen für das Scheitern des Versuchs einer demokratischen deutschen Staatsbildung seit dem 19. Jahrhundert. Dafür haben wir ja hier in der Region mit dem Hambacher-Schloß und der Festung Rastatt symbolische Orte. Zu den zentralen und bisher weitgehend übersehenen Aspekten dieser Entwicklung gehört die internationale Lage Deutschlands im Staatensystem der damaligen Zeit. Die „Weltmächte“ wie damals Frankreich und Großbritannien, später noch die beiden „Flügelmächte“ wie USA und Rußland hatten ein gemeinsames Interesse daran, einen deutschen Staat – und sei er auch demokratisch – in den damals in Deutschland weitgehend für selbstverständlich gehaltenen Grenzen (inkl. Österreich usw.) zu verhindern.
Was ist der Schwerpunkt?
Dies ist dann die „Logik der Mächte“, die in die Ära der beiden Weltkriege mündet. Für diesen Denkansatz, der sich in den letzten 15 Jahren in vielen weiteren Buchveröffentlichungen als fruchtbar und tragfähig herausgestellt hat, erhalte ich den Preis.
Und die nächsten Pläne?
Die nächsten Projekte stehen teilweise schon kurz vor dem Abschluss. Als nächstes Buch wird in den nächsten Wochen ein Text zur hundertjährigen Wiederkehr des Kriegsausbruchs des Ersten Weltkriegs erscheinen. Ende des Jahres wird ein Projekt über „Polens Zwischenkriegszeit“ 1919-1939 abgeschlossen werden. Polen war auf seine Art in die Logik der Mächte verstrickt und ihr ja phasenweise ganz zum Opfer gefallen.
Wie wird sich unser Geschichtsbild zukünftig darstellen?
Nach meiner Ansicht ist es sicher, dass sich unser Geschichtsbild in den kommenden Jahren und Jahrzehnten verändern, erweitern und vertiefen wird. Ich hoffe, diese Entwicklung weiter etwas anstoßen und begleiten zu können. (desa)

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Zu erwähne wäre, die Stiftung wird den neuen Rechten zugeordnet und Herrn Scheils Thesen werden in der Fachwelt eher kritisch gesehen. Herr Scheil lässt wohl gerne Quellen weg, wenn sie nicht zu seiner Theorie passen.