
Übergabe vollzogen (v.li.): Oberstleutnant Frank Wirths, General Arnt Kuebart, Oberstleutnant Christian Zerau.
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Germersheim – Zwei Eurofighter donnerten über die Festungsanlage, das Heeresmusikkorps Koblenz spielte auf, und angetretene Kompanien ließen ihre Schlachtrufe erschallen: Die Kommandoübergabe beim Luftwaffenausbildungsbataillon in Germersheim war ein Ereignis mit militärischem Glanz und ja, tatsächlich echten Emotionen.
Vor den mächtigen Mauern der Fronte Lamotte übergab Brigadegeneral Arnt Kuebart am Dienstag die Bataillonsfahne von Oberstleutnant Christian Zerau an seinen Nachfolger Oberstleutnant Frank Wirths. Zerau wird zum Kommando Luftwaffe nach Köln versetzt. Zahlreiche Gäste aus Bundeswehr, Politik und Gesellschaft verfolgten die Zeremonie.

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Ein Kommandeur, der kämpfte wie ein Löwe
Brigadegeneral Kuebart fand deutliche Worte für den scheidenden Kommandeur: „Für Erfolge kämpfte er wie ein Löwe und gab keinen Fuß breit Platz, wenn es um infrastrukturelle Projekte ging.“ Zerau hatte das Bataillon seit Oktober 2024 geführt, in einer Zeit, die von tiefgreifenden Veränderungen geprägt war. Personalaufstockung, neue Strukturen, wachsender Ausbildungsbedarf und die politisch formulierte „Kriegstüchtigkeit“ stellten das Bataillon vor stetig wachsende Anforderungen. Zerau habe diese Entwicklungen nicht nur begleitet, sondern aktiv mitgestaltet, so Kuebart.
Schwerer Abschied nach 18 Monaten
Zerau selbst ließ in seiner Abschiedsrede keinen Zweifel daran, wie viel ihm diese Aufgabe bedeutet hatte. Die rund 18 Monate seien geprägt gewesen von steigenden Anforderungen, ständig wachsenden Ausbildungszahlen und einem Bataillon, das sich immer wieder neu erfinden musste. „Die Zahlen wuchsen auf eine Höhe, die uns zu Veränderungen zwang“, sagte er. Verfahren wurden angepasst, Abläufe umgestellt, Ausbildungsformate weiterentwickelt. Parallel laufen die Planungen für ein zweites Luftwaffenausbildungsbataillon an den Standorten Fürstenfeldbruck, Meitingen, Diepholz und Faßberg.
Doch trotz aller Belastungen: „Die Stimmung blieb positiv“, sagte Zerau, und er sagte es mehrmals. Manchmal habe ihn das angesichts der Belastungen tatsächlich gewundert. Auch an schwierige Momente erinnerte er, darunter den Tod zweier Bataillonsangehöriger, in denen sich der Zusammenhalt des Verbands besonders gezeigt habe.

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Sein Dank galt den Ausbildern, den Stäben, den Spießen und Chefs, allen Soldatinnen und Soldaten an den Standorten, den zivilen Partnern und ausdrücklich auch den Städten und Gemeinden der Region, darunter Germersheims Bürgermeister Marcus Schaile. „Ich übergebe, und das ist kein Geheimnis, wirklich schweren Herzens, denn selten hat mir eine Aufgabe so viel gegeben wie diese.“
An seinen Nachfolger Wirths gerichtet fügte er hinzu: „Du übernimmst einen großartigen Verband in einer enorm dynamischen und spannenden Zeit.“
Im Bürgerhaus: Lob und persönliche Worte
Nach der Zeremonie trafen sich Akteure und Gäste im Bürgerhaus der Stadt oberhalb der Fronte Lamotte. Dort standen die Gäste Schlange, um sich von Zerau mit Händeschütteln und einigen persönlichen Worten zu verabschieden und den neuen Kommandeur zu begrüßen. Nochmals gab es Lob vom General für Zerau, der sich nicht gescheut habe, zum Telefonhörer zu greifen und direkt in Berlin anzurufen, um seine Anliegen zu Gehör zu bringen. Zerau sei ein vorausschauender, fordernder und kommunikativer Kommandeur gewesen.
Der neue Kommandeur Wirths ist dem General kein Unbekannter: In Berlin hatte man Tür an Tür gearbeitet. Wirths bringe genau die richtigen Fähigkeiten mit, um das Bataillon in diesen herausfordernden Zeiten weiterzuführen, sagte Kuebart.
Der bewegendste Moment
Doch der bewegendste Moment des Tages kam noch. Als Zerau ein letztes Mal über die Menschen sprach, mit denen er in Germersheim zusammengearbeitet hatte, versagte ihm kurz die Stimme. Er musste innehalten. Was er in dieser Zeit erlebt habe, die Begegnungen, die Kameradschaft, das gemeinsame Durchhalten in schwierigen Momenten, das sei einmalig gewesen.
Wenige Augenblicke später fasste er sich wieder und schlug Wirths die Kommandeurslitze an den Ärmel, überreichte ihm einen grünen Stift – „mit dem kann man fast alles unterschreiben“, sagte er mit einem Augenzwinkern – und schließlich die Schlüssel zum Büro. Wirths nahm beides entgegen und versprach: Er werde sein Bestes geben.
Pfälzer Lektion
Germersheims Bürgermeister Marcus Schaile bedauerte den Weggang von Christian Zerau ausdrücklich. Man habe sich einfach blendend verstanden, sagte Schaile. Zum Abschied überreichte er Zerau unter anderem einen Strohhut mit dem Logo der 750-Jahr-Feier der Stadt. Sein Nachfolger Wirths bekam ein Dubbeglas und damit seine erste Lektion in pfälzischer Lebensart.
Blumen für die Damen
Brigadegeneral Kuebart überreichte der Lebensgefährtin von Zerau und der Ehefrau von Wirths Blumen, eine Geste der Anerkennung dafür, dass auch Familien einen wichtigen Beitrag leisten. Zerau seinerseits bedankte sich mit Blumen bei seiner Vorzimmermitarbeiterin Lonzano, die stets alles perfekt gemanagt habe. Und Wirths? Der neue Kommandeur schaute zu seiner Frau und sagte „Ti amo“ (italienisch für „ich liebe dich“). (cli)

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