
Foto: Pfalz-Express
Germersheim – Mit einer Gedenkveranstaltung hat die Stadt Germersheim an den früheren Bürgermeister und Zentrumsstadtrat August Ebinger erinnert. Vor seinem Geburtshaus wurde ein Stolperstein verlegt, zusätzlich enthüllten Vertreter der Stadt eine Gedenkplakette.
Zahlreiche Bürger, Vertreter aus Politik, Vereinen und Schulen und auch Angehörige der Familie Ebinger nahmen an der Veranstaltung teil.
Im Mittelpunkt stand die Erinnerung an einen Mann, der sich während der NS-Zeit offen gegen die Nationalsozialisten stellte und dafür schwer bestraft wurde.
Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Violinisten Marian Gorski mit Werken von Johann Sebastian Bach, darunter die „Sarabande“ aus der Suite in G-Dur.
Besonders gewürdigt wurde Klaus Jung vom Verein Interkultur, der als treibende Kraft hinter dem Stolperstein-Projekt in Germersheim gilt. Auch Schüler und Lehrer des Goethe-Gymnasiums wurden hervorgehoben. Sie beschäftigen sich bereits seit mehreren Jahren intensiv mit der Aufarbeitung der lokalen NS-Geschichte.
Erinnerung war lange umstritten
In mehreren Redebeiträgen wurde verdeutlicht, dass die Verlegung des Stolpersteins nicht selbstverständlich war. Frühere Initiativen hatten zunächst keine Mehrheit gefunden. Erst nach einem erneuten Antrag im Jahr 2020 beschäftigten sich Stadtrat und Verwaltung erneut mit dem Thema. Am Ende fiel die Entscheidung einstimmig aus.

Foto: Pfalz-Express
August Ebinger gehörte damals zu den wenigen Kommunalpolitikern in Germersheim, die sich offen gegen die Nationalsozialisten stellten. Als Mitglied der Zentrumspartei geriet er früh ins Visier des Regimes.
Am 22. Juni 1933 wurde Ebinger verhaftet und öffentlich gedemütigt. Gemeinsam mit dem jüdischen Viehhändler Mohr trieben ihn SA-Leute durch Germersheim. Um seinen Hals hing ein Schild mit der Aufschrift: „Ich bin der Hauptschuldige am Ruin der Stadt.“
Die Ereignisse gingen später als „Germersheimer Schandmarsch von 1933“ in die Stadtgeschichte ein.
Nach der öffentlichen Erniedrigung erlitt Ebinger einen Nervenzusammenbruch und musste im Krankenhaus behandelt werden. Anschließend wurde er zwangsversetzt und durfte weder Germersheim noch die gesamte Pfalz betreten. Viele Jahre lebte er getrennt von seiner Familie. Selbst seinem Sohn wurde trotz guter schulischer Leistungen der Besuch eines Gymnasiums verweigert, weil sein Vater als „Volksschädling“ galt.

Foto: Pfalz-Express
Rückkehr nach dem Krieg
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte August Ebinger nach Germersheim zurück und übernahm erneut Verantwortung für seine Heimatstadt. Von 1945 bis 1952 war er Bürgermeister von Germersheim und half beim Wiederaufbau demokratischer Strukturen.
Ebingers Mut und Haltung hätten bis heute Vorbildcharakter, so Bürgermeister Marcus Schaile (CDU) in seiner Ansprache. Gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte erneut unter Druck gerieten, müsse die Erinnerung wachgehalten werden. Demokratie dürfe niemals als selbstverständlich angesehen werden.
Auch die Familie Ebinger zeigte sich bewegt. Ein Nachfahre erklärte während der Veranstaltung, er sei „mega stolz“ auf seinen Urgroßvater und dankte allen Teilnehmern für das Erinnern.
Der Stolperstein wurde zunächst symbolisch eingesetzt und soll anschließend dauerhaft verfugt werden. Gemeinsam mit der neuen Gedenkplakette erinnert er künftig dauerhaft an August Ebinger.

Foto: Pfalz-Express
Weitere Stolpersteine in Germersheim
Bereits verlegte Stolpersteine erinnern in Germersheim an weitere Opfer des Nationalsozialismus:
- Hauptstraße 23: Antonie Mohr, Elisabeth Mohr, Wilhelmine Mohr und Otto Mohr
- Hauptstraße 10: Ferdinand Kahn, Isabella Kahn, Max Ebert und Sophie Ebert
- Hauptstraße 8: Noe Rosenbaum, Louis Rosenthal, Elsa Rosenthal, Günther Rosenthal, Ingeborg Rosenthal, Friedrich Salomon Rosenbaum und Arthur Rosenbaum
- Oberamtsstraße 14: Auguste Dreyfuß
- 17er Straße 13: Auguste Margareta Victoria Töpfer
Weitere Informationen und Biografien zu den Opfern finden Interessierte unter:
www.stolpersteine-germersheim.de
www.verein-interkultur.eu

Foto: Pfalz-Express

Foto: Pfalz-Express

Foto: Pfalz-Express

Foto: Pfalz-Express

Foto: Pfalz-Express

Foto: Pfalz-Express

Foto: Pfalz-Express

Diesen Artikel drucken


Germersheim – Am 22. Oktober 1940 wurden die letzten jüdischen Familien aus Germersheim von den Nazis abgeholt und in Konzentrationslager deportiert. Dort ...
Aktualisiert: Der Gedenkgang hat zwischenzeitlich stattgefunden. Lesen Sie dazu: Gedenkgang in Germersheim: Erinnerung an die Deportation jüdischer Familien vor 84 Jahren – ...
Kandel – Jeder Stein steht für ein Schicksal eines Menschen und erinnert an vertriebene oder ermordete Juden. Zum 75-jährigen Stadtjubiläum Kandel gedachte ...
Germersheim – Ab Freitag (20. Juli) soll der Verkehr in der August-Keiler-Straße wieder ungehindert rollen. „Ich freue mich, dass die Bauarbeiten in ...
Kandel. Im Rahmen der Stadterhebungsfeier ist in Kandel ist ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig umgesetzt worden, das an die unterschiedlichen ...
Germersheim: Zur Beschleunigung des Bauvorhabens „Neue Stadträume Paradeplatz“ und wegen des vorzeitigen Ausbaubeginns der Ritter-von-Schmauß-Straße wird die August-Keiler-Straße ab dem 26. Februar ...
Landau. Am 9. November 2012 begeht die Stadt Landau den 74. Jahrestag der Reichspogromnacht. Auch in diesem Jahr wird mit einem Rundgang ...
Germersheim – Am Sonntag, (8. Mai 2022) hat auf dem Luitpoldplatz vor der Kreisverwaltung eine Gedenkveranstaltung stattgefunden. Am 8. Mai jährt sich ...
Kaiserslautern. Im Beisein vieler Bürger, Vertretern von Stadtverwaltung und Stadtpolitik sowie der gesamten Schulgemeinschaft wurde am Freitagmorgen (5. März) im Pflaster vor ...













