Donnerstag, 18. Juli 2024

Geothermie für Wörth und Daimler-LKW-Werk: Stadtrat sagt „Ja“

18. Juli 2023 | Kategorie: Kreis Germersheim, Regional, Top-Artikel, Wirtschaft

Geothermiekraftwerk in Insheim.
Foto: Pfalz-Express/Licht

Wörth – Die Stadt Wörth hat sich entschieden, gemeinsam mit Daimler Truck und EnBW die Geothermie im Oberrheingraben zu nutzen. 

Der Stadtrat hat am Dienstagabend (18. Juli 2023) einstimmig für die Beteiligung gestimmt. Zuvor wurde in den Gremien ausführlich über das Vorhaben diskutiert.

Die drei Partner wollen eine gemeinsame Gesellschaft gründen, um die geologischen Voraussetzungen für Geothermie zu erkunden, die geothermische Wärme zu gewinnen und zu vermarkten. Das Projekt soll dem LKW-Werk in Wörth helfen, baldmöglichst CO2-frei zu werden.

Die Stadt Wörth soll als kleiner Partner mit 10 Prozent an der Gesellschaft beteiligt sein und dadurch Mitspracherecht, Informationen und Wärme für das städtische Wärmenetz sichern. 

SPD-Fraktion: Daimler und EnBW führen Projekt ohnehin durch

Die SPD-Fraktion unterstützt das Projekt, ließ sie als erste Fraktion kurz nach der Sitzung verlauten (Stellungnahmen der anderen Fraktionen am Tag darauf  ⇒ hier, Anm.d.Red.). Man sehe darin eine große Chance für die Stadt, hieß es. Sie lobte die „frühzeitige und umfassende Information“ der Stadtverwaltung und verwies auf die öffentlichen Informationsveranstaltungen, den Besuch des Geothermiekraftwerks in Bruchsal und die internen Beratungen.

Mario Daum, Vorsitzender des SPD Stadtverbands, betont, dass Daimler und EnBW das Projekt ohnehin durchführen würden und dass die Stadt nur Vorteile habe, wenn sie mitmache. In einem ersten Schritt will sich die Stadt mit 5,7 Millionen Euro beteiligen.

Zeitplan und Erwartungswerte

In den nächsten Wochen wollen die Beteiligten des Joint Ventures Informationsveranstaltungen für die Bürger vorbereiten. Der Zeitplan sieht dann vor, dass bis 2026 die geophysikalischen Voruntersuchungen, die 3D-Seismik und damit die Standortbestimmung erfolgt sein sollen.

2026 und 2027 sollen die erforderlichen Genehmigungen beantragt und die Bohrungen vorgenommen werden. Sofern alles nach Plan verläuft, könnte 2028 das Werk und die Wärmetrasse erstellt werden. Angestrebt wird ein Wärme-Ertragswert von mindestens 140 GWh (unterer Erwartungswert). Möglich ist ein Erwartungswert von bis zu 250 GWh. Mindestens 10 % werden als Wärmemenge für die Stadt vertraglich vereinbart.

Förderung und wissenschaftliche Begleitung

Das Vorhaben wird voraussichtlich von der Bundesregierung gefördert und vom Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) an der Georg-August-Universität Göttingen wissenschaftlich begleitet. Insbesondere die Beteiligung einer Kommune bei einem solchen Vorhaben stellt ein Novum dar und wird im Rahmen eines Reallabors der Energiewende auch als Leuchtturmprojekt angesehen.

Mit Reallaboren der Energiewende meint man innovative Großprojekte, die erneuerbare Energietechnologien unter realen Bedingungen und im industriellen Maßstab testen. Sie sollen dazu beitragen, die Energiewende in Deutschland voranzubringen und die Klimaziele zu erreichen.

Pro und Contra

Geothermie hat sowohl positive als auch negative Aspekte. Ein negativer Aspekt von Geothermie ist, dass  sie durch Eingriffe in den Untergrund die Wahrscheinlichkeit von seismischen Ereignissen (Mikroerdbeben) erhöhen kann. Zudem sind die Anfangskosten sehr hoch.

Auf der anderen Seite ist Geothermie klimafreundlich, da sie keine fossilen Energieträger verbraucht und wenig CO₂ und andere Emissionen erzeugt und langfristig nutzbar ist.

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