Edesheim. Am Mittwochabend bekamen die Badegäste im Edesheimer Freibad live mit, wie eine Evakuierung im Fall eines Brands oder Chlorgasaustritts im Bad aussehen würde. Um 19.45 Uhr startete die Übung, auf die Timo Graf, als für das Freibad Zuständiger, die Badegäste schon vorbereitet hatte.
Die Aufgabe der beteiligten Feuerwehren aus Edesheim, Edenkoben und Maikammer im Rahmen ihres Übungskonzeptes, war es bei noch laufendem Badebetrieb die Evakuierung der Badegäste durchzuführen, die Umgebung abzusichern, eine Person (den Techniker) zu retten und austretendes Chlorgas zu binden.
„Diese Übung ist vom Gesetzgeber vorgeschrieben und auch für das Personal wichtig, sodass im Ernstfall jeder Handgriff sowohl bei uns als auch bei den Rettungskräften sitzen muss“, so Graf.
Das Gas wird zur Desinfektion des Wassers verwendet und in Flaschen in einem Technikgebäude gelagert. „Gelangt das Gas in die Luft und wird eingeatmet, kommt es zu heftigen Reizungen der Augen und Atemwege bis hin zu Lungenödemen“, berichtet Frank Grünagel, stellvertretender Wehrleiter der VG Edenkoben.
Sehen kann man das Gas nicht, aber riechen. In einer Überdosierung kann Chlorgas auch zum Tod führen. Das gefährliche Chlorgas ist auch als chemische Waffe bekannt und wurde zum Beispiel in Syrien eingesetzt. Zu spaßen ist damit also nicht und größte Vorsicht muss bei allen Aktionen walten.
Aber gestern lief alles wie am Schnürchen: der Bademeister hat das Chlorgas bemerkt und Alarm gegeben. Die Badegäste strömten zum Haupteingang und sammelten sich einige Meter weiter.
Im Ernstfall wären sie von der Feuerwehr, die cirka fünf Minuten später ankam, zu einem sicheren Ort gebracht worden. Auch Zaungäste hätte es im Ernstfall nicht gegeben. Was die wenigen Nachbarn des Freibads angeht, so seien sie für Notfälle sensibilisiert und wüßten auch, was zu tun sei, berichtet Grünagel.
Wäre tatsächlich Chlorgas ausgetreten, hätten sie nicht im Haus bleiben können, selbst, wenn alle Fenster und Türen fest verschlossen worden wären. Und natürlich wären sie durch den Alarm im Bad und durch das Badepersonal aufmerksam gemacht worden.
Die Feuerwehr simuliert nun die Bergung einer Person. Der Techniker, bzw. Bademeister, der das Leck entdeckt hat, ist ohnmächtig geworden und wird von Feuerwehrmännern in Schutzkleidung und Atemmasken aus dem Technikraum zur ärztlichen Versorgung gebracht.
Die Leckage im Technikraum muss geschlossen und sehr viel Wasser durch die Schläuche gepumpt werden. Eine Wasserwand aus Sprühnebel wird aufgebaut, die das Chlorgas niederschlagen soll.
Schnell hat man auch aus vier Leitern mit einer Folie eine Kontaminationsstation aufgebaut.
Das Wasser kann über die Kläranlage, deren Betreiber über den Unfall informiert werden, entsorgt werden.
Nach der Übung trafen die Beteiligten zur Manöverkritik zusammen. Offensichtlich lief die Übung gut ab, denn man sah nur zufriedene Gesichter.
Beteiligt waren sechs Einsatzfahrzeuge mit 31 Einsatzkräften. Im Ernstfall wäre auch noch der hochspezialisierte Gefahrstoffzug Südliche Weinstraße mit eingebunden gewesen, der auch Messungen durchgeführt hätte.
„Das Freibadteam bedankt sich herzlich bei den „mitspielenden“ Badegäste“, betonte Timo Graf.
(desa)

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