Landau. Vor 75 Jahren, am 22. Oktober 1940, wurden über 6.500 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland in das im unbesetzten Frankreich gelegene Internierungslager Gurs deportiert. Darunter waren auch 283 Menschen jüdischen Glaubens aus Landau und dem heutigen Landkreis Südliche Weinstraße. Nur wenige konnten aus Gurs flüchten, für viele von ihnen war dies nur eine Zwischenstation in die Vernichtungslager des Ostens.
In der gemeinsamen Gedenkveranstaltung der Stadt Landau und des Landkreises Südliche Weinstraße im Innenhof des Archiv und Museum der Stadtverwaltung, nannte Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer den 22. Oktober 1940 einen „traurigen, schwarzen Tag der Geschichte unserer Stadt und Region“.
Mit den Worten Max Frischs „Blinder als blind ist der Ängstliche“, rief Schlimmer dazu auf, stark, selbstbewusst und wehrhaft zu sein und offen, neugierig und mutig zu bleiben.
Bei all dem dürfe man nicht vergessen: „Wir stehen in der Verantwortung, sich der Geschichte immer wieder zu erinnern und die Namen der Opfer, Menschen aus unserer Stadt, aus unserer Region, nie zu vergessen“, so der Oberbürgermeister. „Zeigen wir uns als starke Bürgerschaft, die nicht erlaubt, dass die Saat der Angst, die die gleichen Kräfte von damals in unserer Köpfen zu säen versuchen, als Hass aufgeht!“
Landrätin Theresia Riedmaier ist sich mit ihrem Amtskollegen Schlimmer einig, dass in der aktuell größten Herausforderung für die Gesellschaft, der Flüchtlingskrise, den Gedanken der offenen Gesellschaft weiterzutragen und die Demokratie zu schützen wichtiger denn je sei. „Ich erlebe in dieser Zeit viel Zuwendung, Warmherzigkeit, Hilfsbereitschaft und Vernunft.
Aber ich beobachte eben auch viel Hass einer lauten oder dumpf schweigenden Minderheit“, so die Landrätin. Dabei stellte sie heraus, dass wir unsere Menschlichkeit, unsere Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe nicht zum Selbstzweck bewahren sollten, sondern dem Zitat von Hannah Arendt -einer der bedeutendsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts- zufolge „Aus Liebe zur Welt“.
Wolfgang Pauly zeigte in seinen Ausführungen, dass hinter „den Juden“, „den Opfern“ Menschen waren: „Menschen wie Du und ich“. Außerdem führte er aus, dass in der jüdischen, christlichen und islamischen Tradition der Name von zentraler Bedeutung sei.
Pauly: „Er ermöglicht Ansprache und Zuspruch und schafft Identität!“. Deshalb sei es so wichtig, die Namen nie zu vergessen und sie immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Im Anschluss daran verlasen sechs junge Menschen, Auszubildende der Stadtverwaltung und Schüler des MSG und ESG die 283 Namen der Juden, die vor 75 Jahren nach Gurs deportiert worden waren.
Musisch untermalt wurde die Gedenkfeier in würdiger Weise am Saxophon von Paul Damm zusammen mit Michael Letzel am Akkordeon. (stadt-landau)

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