
Bürgermeister Röthlingshöfer, Eberhard Dittus in Neustadt und OB Thomas Hirsch in Landau: Gedenken an die verschleppten Opfer.
Quelle: städte neustadt und landau
Neustadt/Landau. Die Städte Neustadt an der Weinstraße und Landau gedachten in dieser Woche den über 7000 Juden, die die Nationalsozialisten aus Baden, dem Saarland und der Pfalz nach Gurs deportiert haben. Der Tag jährte sich 2020 zum 80. Mal.
Die Juden wurden in den Abendstunden des 22. Oktober 1940 auf Befehl der Gauleiter Wagner (Baden) und Bürckel (Saarpfalz) in Züge verfrachtet und in das Internierungslager Gurs am Fuße der südfranzösischen Pyrenäen verschleppt.
Unter ihnen waren rund 50 Frauen und Männer aus Neustadt an der Weinstraße und den Weindörfern.
Zur Erinnerung und zum Gedenken an die Opfer wurde am 22. Oktober 2020 ein Kranz am Gurs-Mahnmal in der Nähe des Saalbaus niedergelegt.
50 Koffer symbolisierten die insgesamt 50 verschleppten Bürger. „Wir wollen heute mit diesem Kranz den Menschen gedenken, die hier
ihren Todesweg angetreten haben“, so Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer. „Vor zehn Jahren haben wir das Gurs-Mahnmal hier eingeweiht.
Wer hätte damals gedacht, dass sich seitdem so viel Hass und Gewalt gegenüber anders Denkenden entwickeln wird. Die Vergangenheit ist
leider keine Vergangenheit mehr.“

Von Neustadt nach Gurs…
Erinnern, gedenken und lernen. Das ist das Motto der Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt an der Weinstraße. „Wir versuchen mit diesem
Motto ein Zeichen zu setzen, wie wichtig es ist, sich zu erinnern“, so Eberhard Dittus, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte
für NS-Opfer e.V.
„In aller Öffentlichkeit wurden Menschen deportiert, gequält, vernichtet und gedemütigt, das dürfen wir nicht vergessen, deshalb stehen wir heute hier, in aller Öffentlichkeit“, betonte Dittus.
Die Namen der 50 Juden, die nun auch auf kleinen Gedenktafeln zu lesen sind, wurden von einer Schülerin und einem Schüler
des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums verlesen.
Eine weitere Gedenkveranstaltung fand am Abend in der Martin-Luther-Kirche statt. Neben Schülern wirkten in der Kirche der Historiker Roland Paul und der Filmemacher Martin Mannweiler mit.
Die musikalische Umrahmung lag in den Händen des Duo Rebecca Rust (Cello) und Friedrich Edelmann (Fagott).
Stadt Landau gedenkt Deportation: OB Hirsch: „Wir alle müssen Träger der Erinnerungen sein und diese weitergeben“
Auch 34 Frauen, Männer und Kinder aus der Stadt Landau in der Pfalz wurden nach Gurs verschleppt. Bei einer Gedenkveranstaltung im Foyer der Jugendstil-Festhalle erinnerten Oberbürgermeister Thomas Hirsch und Stadtarchivarin Christine Kohl-Langer am 22. Oktober an die Opfer dieses schrecklichen Verbrechens.
„Keines der Opfer darf jemals vergessen werden. Nicht ihre Qualen, nicht ihre Angst und nicht ihre Schmerzen“, sagte der OB in seiner Ansprache.
„Es ist unsere Verpflichtung, immer wieder auf die Verbrechen des Nationalsozialismus, auf den Versuch, ein ganzes Volk auszulöschen, hinzuweisen. Aus Respekt vor den Opfern, um aus der Geschichte zu lernen und um die Erinnerung wachzuhalten.“
Der Stadtchef ist dankbar für die vielen Aktionen und Projekte in Landau, die helfen, die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten nicht zu vergessen und die Erinnerung an die Opfer zu bewahren: „Das macht mich stolz und wir alle sind aufgerufen, an diesem Bewusstsein gemeinsam weiter zu arbeiten. Denn wenn es bald keine Zeitzeugen mehr gibt, ist es wichtig, dass wir alle Träger der Erinnerungen sind und diese weitergeben. Wir dürfen nicht vergessen!“
Durch die regelmäßige Auseinandersetzung mit diesem dunklen Teil unserer Geschichte könnten alle einen Beitrag gegen nationalistische Tendenzen in Deutschland und Europa leisten, so Hirsch weiter.
„Wir dürfen nicht nachlassen, gerade auch junge Menschen immer wieder mit diesem Thema zu konfrontieren. Damit sie Fragen stellen und auch aktuelle Geschehnisse kritisch beobachten, etwa wenn es um den Umgang mit Minderheiten oder rechte Strömungen geht.“
Stadtarchivarin Kohl-Langer erinnerte kan die schrecklichen Ereignisse des 22. Oktober 1940. Sie berichtete, wie die Nationalsozialisten den letzten in Landau verbliebenen Juden zwei Stunden Zeit einräumten, um ihr Hab und Gut zusammenzupacken, ihre Häuser zu räumen und ihr altes Leben hinter sich zu lassen.
Zuvor hatte Gauleiter Josef Bürckel beschlossen, dass die Saarpfalz, zu der Landau zählte, als eines der ersten Gaue „judenfrei“ werden sollte. Nach Ablauf der zwei Stunden wurden die Menschen zuerst im Foyer der städtischen Festhalle gesammelt und dann mit dem Zug ins Lager Gurs deportiert.
Viele starben hier an Hunger oder Krankheit, viele wurden in die Vernichtungslager im Osten Europas verschleppt und fanden hier den Tod. Nur vier der nach Gurs deportierten Landauer Juden überlebten den Holocaust.
Besonders bewegend: Unter der Regie von Sieglinde Eberhart lasen bei der Gedenkveranstaltung Ulrich Gleich, Christine Heeger-Roos, Annette Kliewer, Alexander Roos, Susanne Stähle, Thomas Steinmetz und Tatjana Strauch die Namen der am 22. Oktober 1940 aus der Pfalz, Baden und dem Saarland deportierten Juden vor. Die musikalische Begleitung übernahmen Peter Damm am Sopransaxofon und Michael Letzel am Akkordeon.

…Koffer standen symbolisch auch in Landau.
Quellen: stadt neustadt und stadt landau

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