Mittwoch, 01. Dezember 2021

Fragen zur Landtagswahl: Jürgen Strantz (Die Linke), Wahlkreis 51

5. Februar 2021 | Kategorie: Wahlspecial: Landtagswahl RLP 2021

Jürgen Strantz

Wie vor jeder Wahl stellte der Pfalz-Express den Kandidaten zur Landtagswahl einige Fragen zu ihren Prioritäten. Wir erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Antworten, die bis zum Stichtag 3. Februar nicht eingegangen sind, konnten leider nicht mehr berücksichtigt werden.

! Information: Jürgen Strantz verstarb am 15. Februar 2021 bei einem Unfall. Zur Erinnerung an seine Person und an das, was er vertreten hat, lassen wir das Interview dennoch online.

Fragen an Jürgen Strantz, Die Linke, Wahlkreis 51 „Germersheim“ (umfasst vom Landkreis Germersheim die verbandsfreie Gemeinde Germersheim sowie die Verbandsgemeinden Bellheim und Lingenfeld sowie vom Landkreis Südliche Weinstraße die Verbandsgemeinde Offenbach an der Queich).

Für meinen Wahlkreis will ich vor allem erreichen:

Da mein Schwerpunkt die Verkehrspolitik ist, setze ich mich vor allem für einen besseren öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ein. Dieser sollte schnell, pünktlich, aber auch kostenlos sein, wie schon seit langer Zeit von der LINKEN gefordert wird. Der derzeitige Zustand bei S-Bahn und Stadtbahn ist eine Katastrophe. Die S-Bahn ist zwar geräumig, mit genügend Platz gerade auch für Fahrräder, aber bisweilen sehr unpünktlich. Das ist gerade für Bahnfahrer*innen, welche mit dem Bus nach Hause fahren, sehr ungünstig. Wenn die Bahn Verspätung hat, ist bei der Ankunft am Bahnhof meist schon der Bus weg.

Die Stadtbahn von Germersheim nach Wörth ist eigentlich eine Frechheit! Keine Toiletten, kein Platz für Fahrräder, teilweise hoher Einstieg und Verspätungen. Landrat Dr. Brechtel möchte den Tourismus in der Südpfalz fördern, gerade auch für Fahrradfahrende. Wenn aber solche Feriengäste mit dem Zug anreisen, kommen sie kein zweites Mal. Unsere Region braucht einen sehr gut ausgebauten ÖPNV, der gerade auch den zahlreichen Pendler*innen zugute käme. Daher wäre es auch sehr sinnvoll, alle Strecken zu elektrifizieren und stillgelegte Abschnitte zu reaktivieren. Dass die Verbindung Neustadt-Wörth immer noch nicht elektrifiziert ist, zeigt das Versagen der vorherrschenden Politik. Das muss sich ändern und zusammen mit den Anwohner*innen ein Lärmschutzkonzept erarbeitet und umgesetzt werden. Nicht über die Köpfe entscheiden, sondern miteinander!

Wenn ich Abgeordneter bin, werde ich als erstes…?

Nach der Freude über das Vertrauen der Wähler*innen würde ich mit meiner Landtagsfraktion Parlamentsinitiativen für ein sozialeres und ökologischeres Rheinland-Pfalz erarbeiten.

Die drei dringlichsten Themen sind aus meiner Sicht…

Bezahlbarer Wohnraum, gerade auch für Menschen mit niedrigeren Einkommen. Hier muss dringend ein Mietendeckel für Rheinland-Pfalz her!

Reformierung des Gesundheitssystems: Gesundheit ist wohl das höchste Gut und muss in staatliche Hände, raus aus den Händen von Spekulanten, die in Sachen Gesundheit einen Wachstumsmarkt sehen.

Sehr gut ausgebauter und kostenloser ÖPNV: Gerade im ländlichen Raum kann es nicht sein, dass man für eine Strecke, für die man mit dem Auto eine halbe Stunde braucht, mit dem ÖPNV die doppelte oder sogar dreifache Zeit benötigt. Gerade im Hinblick auf den Klimawandel und die dadurch einzusparenden CO2-Mengen, ist ein gut funktionierender ÖPNV unerlässlich. Außerdem müssen kostengünstige Alternativen geschaffen werden, damit Menschen ihr Auto stehen lassen und auf Bus und Bahn umsteigen. Da der ÖPNV zukünftig kostenlos sein sollte, wollen wir Subventionen, die heute noch die Automobilbranche erhält, in einen funktionierenden ÖPNV investieren.

Worin sehen Sie Ihre größte Stärke?

Meine größte Stärke sehe ich darin, dass ich im Themenbereich des ÖPNV gut informiert und vernetzt bin. Durch meine Mitgliedschaft im ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) habe ich sehr gute Möglichkeiten, mich, was alternativen Verkehr anbelangt, auszutauschen. Auch im Landesvorstand des ADFC zeigen wir heute schon Alternativen zum Straßenverkehr auf.

Als langjähriges Gewerkschaftsmitglied und Vertrauensmann habe ich zudem immer ein offenes Ohr für die Anliegen, Sorgen und Nöte der Menschen und durch mein Studium an der Akademie der Arbeit in der Universität Frankfurt/Main einen großen Überblick über soziale und gesundheitliche Fragen.

Wenn ich nicht in den Landtag gewählt werde, dann…

Für mich ist klar, dass ich mein gewerkschaftliches und verkehrspolitisches Engagement wie gehabt fortsetzen werde.

Zur aktuellen Lage: Wie beurteilen Sie die bisherigen Corona-Maßnahmen in Abwägung mit den wirtschaftlichen und psychosozialen Folgen?

Die bisherigen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind großteils ein Herumstochern im Nebel. In der ersten Welle musste schnell reagiert werden, da die Regierung seit der Risikoanalyse des Robert-Koch-Instituts im Jahr 2012 keine Vorkehrungen zum Bevölkerungsschutz getroffen hat. Seit Monaten regieren die Bundeskanzlerin und Ministerpräsident*innen über Verordnungen. Die sie tragenden Parteien haben die Kontrolle durch die gewählten Parlamente ausgehebelt. Das halte ich weder demokratisch noch rechtlich für tragbar.

In der Pandemie wird besonders deutlich, wie verfehlt die Gesundheitspolitik der letzten Jahrzehnte ist, unter der nicht nur Patient*innen leiden, sondern auch die Pflegenden. Jahrelanger Stellenabbau durch Privatisierung und Gewinnmaximierung mussten zur Katastrophe führen. Viel zu wenig Fachpersonal und schlechte Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern und Seniorenheimen rächen sich jetzt. Wir brauchen daher wieder ein Gesundheitswesen, bei dem das Gemeinwohl an erster Stelle steht.

Der von arbeitgebernahen Ökonomen geforderte Sozialstaatsabbau muss endlich gestoppt sowie eine Vermögensabgabe und höhere Steuern für Millionäre und Milliardäre eingeführt werden.

Zur Person

Alter: 52 Jahre

Verheiratet

Beruf: Landschaftsgärtner

Wohnort Westheim

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