
Guter Name: Das Pfalzklinikum Klingenmünster ist weit über die Region hinaus bekannt. Bild: pfalzklinikum.de
Klingenmünster. Die Forensische Psychiatrie ist ein Teilgebiet der Psychiatrie, welches sich mit der Behandlung, der Begutachtung und mit der Unterbringung von psychisch kranken Straftätern befasst.
Im Pfalzklinikum Klingenmünster ist das Sicherheitsniveau für Forensische Psychiatrie weiterhin hoch. Das geht aus der Bilanz hervor, die in der 26. Sitzung der Projektgruppe „Dialog & Sicherheit“ im April in Klingenmünster vorgestellt wurde. Helmut Wagner vom Medizin-Controlling präsentierte in der April-Sitzung die Entwicklung bei besonderen Vorkommnissen mit forensischen Patienten im Jahr 2012.
Besondere Vorkommnisse
Als „besonderes Vorkommnis“ werden alle gemeldeten „Abweichungen vom Alltag“ bewertet, von verschwundenen Gegenständen über starke Rauchentwicklung in der Stationsküche bis hin zu Entweichungen.
Suchmaßnahmen werden in Abstimmung mit der Polizei bereits eingeleitet, wenn ein Patient nach einem als Vollzugslockerung gewährten Ausgang 15 Minuten später als vereinbart nicht zurückkehrt ist. Als Vollzugslockerungen definiert das Maßregelvollzugsgesetz: Ausgänge mit oder ohne Begleitung, Ausgänge im Klinikgelände und außerhalb des Klinkgeländes, Arbeit außerhalb der Klinik sowie zeitlich befristete Beurlaubungen.
Abgehauen, aber keine Straftaten
Trotz der anhaltend hohen Zahl der Patienten von über 185 hat sich auch im Jahr 2012 das insgesamt sehr hohe Sicherheitsniveau bestätigt. Unerlaubtes Entfernen gab es viermal, gegenüber sechsmal im Jahr 2011. Drei der vier abgängigen Patienten sind vom Ausgang bzw. vom Urlaub nicht pünktlich zurück gekommen, einer entwich beim Besuch einer medizinischen Einrichtung außerhalb des Pfalzklinikums. Während ihres Fernbleibens haben die Patienten keine weiteren Straftaten begangen. Ein Patient meldete sich nach wenigen Stunden selbst bei der Polizei, einer wurde nach einigen Stunden von der Polizei gefunden, ein weiterer am folgenden Tag. Der vierte Patient wurde von Mitarbeitern des Pfalzklinikums entdeckt und wieder in die Klinik zurückgebracht.
Die Rate der ausgesprochenen Vollzugslockerungen war auch 2011 unverändert hoch. Jeden Tag hatten etwa 90 Patienten unbegleiteten Ausgang, das entspricht einer Jahressumme von über 30.000 „Ausgangstagen“.
Seit 2007 gab es kein besonderes Vorkommnis in den beiden Forensischen Wohngruppen. Dies gilt auch für die Forensisch-psychiatrische Ambulanz seit ihrer Eröffnung 2010. Dort werden inzwischen monatlich über 100 Patienten betreut, anfangs waren es 60.
Zahl der „Entweichler“ sinkt seit Jahren
„Diese Ergebnisse belegen erneut die Angemessenheit und Wirksamkeit von Behandlung und Betreuung sowie der Sicherheitsvorkehrungen“, waren sich die Mitglieder der Projektgruppe einig.
Zuvor hatten Chefarzt Dr. Michael Noetzel und Peteris Venteris als Pädagogisch-Pflegerischer Leiter der Klinik für Forensische Psychiatrie Fragen beantwortet. Seit Einführung der differenzierten Dokumentation über besondere Vorkommnisse im Jahr 2000 habe die Zahl der Entweichungen bzw. Zeitüberschreitungen bei Ausgang und Urlaub deutlich reduziert werden können.
Zu Beginn des neuen Jahrtausends waren es noch 24 pro Jahr, danach nie mehr als acht. „Im Jahr 2008 gab es sogar keine einzige Entweichung – ein Ergebnis, das wir nicht dauerhaft erreichen können, ohne dabei das Gesetz zu beugen“, so der Maßregelvollzugsleiter Dr. Noetzel. Entscheidend sei jedoch, dass das gesamte Team der Forensik weiterhin sehr aufmerksam darauf achte, mit eventuellen sicherheitsrelevanten Verschlechterungen des Gesundheitszustands von Patienten angemessen umzugehen. Im Zweifel würde der Maßregelvollzugsleiter als Letztverantwortlicher einen geplanten Ausgang oder Urlaub untersagen.
Geschäftsführer Paul Bomke dankte dem ganzen Forensik-Team für seine qualifizierte, verantwortungsvolle und zuverlässige Arbeit, die sowohl den verbrieften Rechten von Patienten, Besuchern und Mitarbeitern gerecht werden müsse als auch die Sicherheit der Bevölkerung zu garantieren habe. (red)

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