
Landaus Zoodirektor Dr. Jens-Ove Heckel erörtert an einer Infotafel im Zoo Landau mit MdL Nina Klinkel die Herausforderungen durch die EU-Invasivarten-Verordnung.
Foto: zoo landau
Landau. Durch das jüngste positive Votum für einen Antrag der rheinland-pfälzischen Regierungsfraktionen, ermöglicht Rheinland-Pfalz seinen anerkannten Zoos Ausnahmen von den Vorgaben der EU-Verordnung 1143/2017 zu invasiven Arten.
Ziel der Verordnung an sich ist die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten in Mitgliedsländer der EU durch menschliches Einwirken. Invasive Tier- und Pflanzenarten können erhebliche Nachteile für die heimische Artenvielfalt haben.
„Die Grundintention dieser Verordnung ist sehr sinnvoll und nachvollziehbar“, sagt Landaus Zoodirektor, Dr. Jens-Ove Heckel. Allerdings sei an die Haltung bestimmter Tierarten in Zoos offensichtlich nicht gedacht worden.
So verbietet die Verordnung u.a. grundsätzlich die Einbringung in die EU, die Haltung, die Reproduktion, die Aufzucht und den Transport von aktuell mehr als 20 auf einer Artenliste („Unionsliste“) genannten Tierarten.
Neben den auch in Deutschland bereits weitverbreiteten und bekannten Neozoen wie Waschbär, Nutria oder Amerikanischer Flusskrebs sind u.a. auch Südamerikanische Nasenbären, Heilige Ibisse oder das Chinesische Muntjak und die Rotwangenschmuckschildkröte gelistet.
Arten also, die auch in den wissenschaftlich geleiteten Zoos in Landau und Neuwied gehalten werden. Eine ausnahmslose Anwendung der EU-Verordnung würde solche, aber ggf. zukünftig noch viele weitere Arten, aus den Zoos verschwinden lassen.
„Unsere Zoos leisten hervorragende Arbeit zur Forschung und erfüllen einen Bildungsauftrag. Eben auch, wenn es um invasive Arten geht,“ sagt als Mitglied des Rheinland-pfälzischen Landtags, Nina Klinkel, auch bei ihrem jüngsten Besuch im Zoo Landau.
Klinkel hatte sich besonders auch dafür stark gemacht, dass Zoos mit entsprechenden kontrollierten Haltungen Ausnahmen von den ansonsten kategorischen Verboten beantragen können, so dass sie auch zukünftig anhand gelisteter potentiell invasiver Spezies mit einem vielfältigen Tierbestand ihren Bildungs- und Forschungsauftrag wahrnehmen können.
Die Thematik der tierischen und pflanzlichen Neubürger ist insbesondere bezogen auf den gesamten EU-Raum sehr komplex. So konkurrieren die kräftigeren Amerikanischen Minks mit den kleineren Europäischen Nerzen um die noch vorhandenen geeigneten Lebensräume. Durch Fremdarten eingeschleppt Krankheiten können ebenfalls eine Bedrohung darstellen.
Aber auch die genetische Vermischung mit eng verwandten heimischen Arten kann bestandsgefährdend werden wie z.B. durch die Verpaarung der aus Amerika stammenden Schwarzkopfruderente mit der inzwischen sehr seltenen, auch in Europa heimischen Weißkopfruderente.
Das schädliche Potential gebietsfremder Arten ist jedoch je nach Art und Region unterschiedlich zu bewerten. So können manche Arten in gemäßigten Klimazonen Europas gut überleben und sich schnell ausbreiten, die andererseits in Nordeuropa kaum eine Überlebenschance haben.
Mit Blick auf das Chinesische Muntjak, für das MdL Klinkel nun auch eine Patenschaft im Zoo Landau übernommen hat, ist festzustellen, dass es global zwar nicht zu den gefährdeten Arten gehört. In einem seiner ursprünglichen Herkunftsländer, in China, gilt die Art inzwischen als bedroht.

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