Dienstag, 16. August 2022

Donaukinder in Steinweiler – Chawwerusch entführt in Post-Ceauşescu-Ära

5. Juli 2022 | Kategorie: Kreis Germersheim, Kultur

In einem kleinen Dorf in Rumänien werden die Kulturunterschiede deutlich.
Fotos: Pfalz-Express/Licht – Fotostrecke am Textende.

Steinweiler – Der Hof des Hof des Gemeindehauses in Steinweiler hat sich am Wochenende in kleines Dorf in der Nähe von Temeswar, im heutigen Rumänien verwandelt – zumindest teilweise. 

Dort nämlich hat das Chawwerusch-Theater am Samstag- und Sonntagabend sein Stück „Donaukinder“ aufgeführt. Die Resonanz war ganz außerordentlich, die Karten im Vorfeld rasch ausverkauft, berichtete Steilweilers Ortsbürgermeister Michael Detzel. Man könne sehen, wie ausgehungert die Menschen nach Kultur seien, so Detzel bei seiner Begrüßung. 

Das Wetter spielte auch mit, so dass das Stück im Freien aufgeführt werden konnte. Alternativ wäre man ins Gemeindehaus ausgewichen. 

„Donaukinder“ hatte am 6. Mai 2022 zur Eröffnung des Kultursommers Rheinland-Pfalz 2022 Premiere. Das Motto lautete in diesem Jahr “Kompass Europa: Ostwind”.

Ein ganz besonderes Wiedersehen

Es handelt von Familie Geier, die sich zum 300-jährigen Jubiläum ihres Dorfs in den 90er Jahren wiedertrifft. Der eiserne Vorhang ist gefallen, das Ceauşescu-Regime überwunden. Endlich können die Daheimgebliebenen und die Ausgewanderten, die drei Generationen der Familie, wieder zusammen sein. Es wird gefeiert, getanzt, getrunken und die ehrwürdige Geschichte des Dorfs heraufbeschworen.

Unter anderem ist die Schriftstellerin und ehemalige Systemkritikerin Karla mit halbwüchsigem Sohn Lukas aus Deutschland angereist. An Lukas werden schnell die Kulturunterschiede deutlich – er ist Vegetarier, isst beim Besuch aber versehentlich Kutteln – „Gedärme, kleingeschnitten!“, wie Ben Hergl als nerviger, leicht überheblicher Onkel und Super-8-Filmer dem konsternierten Jungen vor den Latz knallt. 

Aber das sind noch die kleineren Probleme: Bald brechen auch alte Wunden auf. Es geht um Schuld, um Feigheit, um Verrat und eine alte Zuckermühle. Jeder hat ein Geheimnis und eine Leiche im Keller. 

Die Zuschauer – auch Verbandsbürgermeister Volker Poß war mit Familie dabei – verfolgten gebannt auf der Bühne das Geschehen und die Schicksale der Banater Schwaben, die nach dem Zweiten Weltkrieg zurück in die „alte Heimat“ Deutschland flohen oder später dem Regime in Bukarest abgekauft wurden.

Alle waren sich einig: Es war ein gelungener Kulturabend in Steinweiler. Für das leibliche Wohl mit leichten Sommermenüs im Glas und Getränken sorgte das „Team Culinarium“ des örtlichen DRKs. (cli)

Print Friendly, PDF & Email
Zur Startseite

Abonnieren Sie auch unseren Pfalz-Express-Kanal bei YouTube

Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

Kommentare sind geschlossen